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Die Magie des Ausziehens — Filmreview: Magic Mike XXL
Dunkel Hell

Die Magie des Ausziehens — Filmreview: Magic Mike XXL

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Der ehemalige Stripper „Magic“ Mike Lane (Channing Tatum) arbeitet bereits seit drei Jahren als glücklicher Tischler als ihn sein Ex-Kollege Tarzan (Kevin Nash) über den Tod ihres früheren Chefs informiert und zur Beerdigung einlädt. Dort angekommen findet er aber keine Trauerfeier vor, sondern nur seine ehemaligen Bühnenfreunde, die ebenfalls aus dem Showgeschäft aussteigen wollen und ihn zu einer letzten Abschiedsvorführung auf einer Strippermesse überreden. Bevor es dazu kommt, müssen sich die Jungs aus Tampa in Florida aber erst einmal auf einen Roadtrip in das hunderte Kilometer entfernte Myrtle Beach in South Carolina machen. Neben Tarzan begleiten Magic Mike seine Freunde des gepflegten Kleidungsablegens Ken (Matt Bomer), Big Dick Richie (Joe Manganiello), Tito (Adam Rodríguez) und Fahrer Tobias (Gabriel Iglesias). Fun-Fact: Das Fortbewegungsmittel der Wahl ist ein umgebauter Eiswagen!

Für alle Fans, die bereits den ersten Teil von Magic Mike gesehen haben, wird es nun interessant: Neben Tanzeinlagen von durchtrainierten, eingeölten, auf der Bühne Trockensex habenden und sich bis auf die Unterhose ausziehenden Strippern, bekommt der Film tatsächlich mehr oder weniger so etwas, das man im entferntesten Sinne eine Handlung nennen könnte, wenn man denn wollte. Nun aber zurück zu selbiger. Auf dem Weg zum großen Finale erleben die Freunde noch das ein oder andere Abenteuer, treffen alte Bekannte aus dem ersten Teil, lernen neue Freunde kennen und müssen als Stripper beweisen, dass sie noch nicht zum ganz alten Eisen gehören. Zudem genießen sie ihre neue künstlerische Freiheit. Magic Mike versucht seine Mitstreiter davon zu überzeugen, die Chance auszunutzen und für die Abschlussshow ein neues Bühnenprogramm auszuarbeiten. Seine Pläne werden von den anderen, die noch auf die bereits einstudierten Aufführungen ihres ehemaligen Chefs vertrauen, skeptisch aufgenommen. Als sie aber an einer Tankstelle halt machen müssen, überredet er Richie dazu, die Kassiererin mit einem improvisierten Striptease zum Lächeln zu bringen.

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Während die Komik des Films in manchen Szenen eher flach daherkommt, besticht diese Szene mit amüsant-sehenswerter Situationskomik und bringt wohl nicht nur die Kassiererin zum Lachen, sondern auch der ein oder andere bisher zweifelnde Zuschauer wird sich ein Grinsen nicht verkneifen können. Die eindrucksvolle Darbietung stimmt nun auch Mikes Kumpanen um und der Proletenexpress reist mit neu gefasstem Enthusiasmus weiter gen North Carolina. Doch wäre es ein sehr kurzer Film geworden, hätten sich die findigen Drehbuchautoren nicht noch einen Kniff in der Handlung überlegt. Der Enthusiasmus weicht schon bald grenzenloser Selbstüberschätzung und so feiern unsere Helden ihren klugen Entschluss — und wahrscheinlich auch sich selbst — und schmeißen fix noch ein paar Amphetamine ein — auch Fahrer Tobias. So kommt es wie es kommen musste: Eine kurze Unaufmerksamkeit und die Protagonisten finden sich in einem Wald neben der Straße wieder, ihr nun auch nicht mehr fahrtüchtiger Eiswagen vorschnell und unsanft von einem Baum gestoppt.

Fahrer Tobias verbringt die nächsten Tage im Krankenhaus. Nun muss schnellstens ein Ersatz beschafft werden, um die Reise fortzusetzen. Deshalb suchen sie Mikes Bekannte Rome (Jada Pinkett Smith), eine, wie es ihr Name bereits vermuten lässt, an der römischen Antike interessierte Stripklubbesitzerin auf. Das Pflegen der alten Kontakte stellt sich als Glücksgriff für die Junggesellen heraus und sie erweitern nicht nur ihren Horizont im rhythmischen Kleiderablegen, sondern Rome lässt sie von einem ihrer Laufjungen zu ihrem nächsten Ziel fahren. Sie suchen Zoe (Amber Heard), die Mike bereits zu Beginn der Reise kurz getroffen hat, auf. Allerdings machen sie dort auch Bekanntschaft mit ihrer Mutter Nancy (Andie MacDowell) und ihren Freundinnen mittleren Alters, denen die Stripper zu ihrem Weinabend sehr gelegen kommen. Der Abend entwickelt sich trotz anfänglicher Skepsis der professionellen Kleidungsabstreifer gegenüber den Offerten der älteren Damen recht positiv. Mike überredet Amber zu seiner Abschiedsshow zu kommen und Big Dick Richie findet mit Nancy jemanden, der seine enormen Qualitäten zu schätzen weiß. Im Gegenzug leiht sie den Jungs das Auto ihres Ex-Manns, um ihre Reise fortzusetzen.

In Myrtlebeach angekommen machen die Protagonisten das, wofür sie geboren wurden, und das, was sie am besten können: Sie reißen sich anmutig und schwungvoll ihre Kleider vom Leib! Ihre gelebte künstlerische Freiheit macht die Show zum vollen Erfolg. Schließlich treffen sich alle an der Strandpromenade wieder. Mike ist da, seine Freunde sind da, Zoe ist da, der reparierte Van ist wieder da und alle schauen sich sehr amerikanisch und freudestrahlend das Feuerwerk des vierten Juli an – Ende gut alles gut. Doch wie jeder mit dem Auge für das Detail aufgebaute und sinnvoll durchdachte Film wirft auch dieses Meisterwerk zeitgenössischer Leinwandkunst mehr Fragen auf als es beantwortet. Wie ist es Tobias im Krankenhaus ergangen? Wer hat den Van repariert? Was will uns Regisseur Gregory Jacobs (Ocean’s Thirteen, Che) mit der Metapher des vierten Juli mitteilen? Wird Mike jetzt wieder Tischler? Wie wird es mit ihm und Zoe weitergehen? Werden die Jungs auf ihrer Rückreise erneut solch eine Odyssee durchleben müssen? Fragen über Fragen, die wohl nur in einem dritten Teil von Magic Mike geklärt werden können. Ich als jüngster Fan dieses Kassenschlagers befinde mich bereits ebenso wie alle 14-jährigen Mädchen dieser Welt in gespannter Vorfreude.

Das Magic-Mike-XXL-Kinomenü
Vorspeise
Für einen Mädelsabend passende Häppchen aller Art.

Hauptspeise
Wein.

Nachspeise
Noch mehr Wein.

Das Magic-Mike-Trinkspiel
Für prüde Damen
Einen Schluck Sekt trinken, wenn sich die Jungs als „Stripper“ oder „Entertainer“ bezeichnen.

Für vergnügte Junggesellinnen
Das Glas Hugo exen, wenn es Dollarscheine regnet.

Für Schnapsdrosseln
Einen Shot trinken, wenn ein Kleidungsstück fällt.

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