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22 gute Dinge aus 2022 – Teil 3
Dunkel Hell

22 gute Dinge aus 2022 – Teil 3

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  • Nelly Furtado beschwor es schon 2006: “All Good Things Come To An End”. Und seien wir ehrlich – auch wir hatten 2022 oft das Gefühl, dass die guten Zeiten vorbei sind (vielleicht auch zurecht). Doch nicht verzagen, Ottfried fragen: 22 Redaktionsmitglieder haben 22 Dinge gefunden, die dieses Jahr retrospektiv doch nicht ganz so schlimm erscheinen lassen.

Abschaffung §219a

Wenige Themen sind so stigmatisiert und emotional aufgeladen wie Schwangerschaftsabbrüche. Mitte dieses Jahres wurde – nach jahrelanger hitziger Debatte – die Abschaffung des Paragrafen 219a des Strafgesetzbuchs beschlossen. Ärzt*innen können nun ohne Sorge vor Strafverfolgung über Schwangerschaftsabbrüche informieren. Bisher war ihnen durch den Paragrafen das „Bewerben“ eines Abbruchs verboten gewesen und wurde mit Strafen bis zu zwei Jahren Freiheitsentzug geahndet. Als „Werbung“ wurde dabei im rechtlichen Sinn bereits eine ausführliche Information über Risiken und Methoden von Schwangerschaftsabbrüchen angesehen.

Mit Abschaffung des Paragrafen wird der Informationszugang für Schwangere erheblich erleichtert und auch wenn es noch viele Baustellen in diesem Bereich gibt, kann man sagen, dass zumindest ein erster Schritt in die richtige Richtung getan ist.

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Alexandra Grüber

Festla sind back

Volksfest, Straßenfest, Kerwa… Diesen Sommer hieß es wieder “O´zapft is!”. Nach zwei langen Sommern war es soweit und die Volksfest-Saison in Deutschland konnte wieder starten. Zusammen zu schlechter Schlagermusik grölen, sich in den Armen liegen und mit Bier in der Hand auf den Bänken tanzen, bis sie umfallen. Und auch an Layla kam wohl dieses Jahr keiner vorbei, ob beim Feiern oder im Rahmen der Sexismus-Debatte. All das haben wohl die zehntausend kleinen und großen Volksfeste in Deutschland gemein. Dieses wiederbelebte Gemeinschaftsgefühl hat uns den Sommer ’22 versüßt und Erinnerungen geschaffen, falls sie nicht vom Alkohol vernebelt sind.

Hannah Porep

Everything Everywhere All At Once

Die Handlung begann einfach: Das aus China in die USA emigrierte Ehepaar Evelyn und Waymond Wang betreibt einen Waschsalon. Nach Ende des Films blieb man aber verwirrt zurück. Denn im Büro der Steuerberaterin erfährt Evelyn, dass sie mithilfe möglichst seltsamer Handlungen (sich z.B. zwischen allen Fingern mit einem Blatt in die Haut schneiden) zwischen Parallelwelten wechseln kann und das Universum vor Jobu Tupaki retten muss. Worüber soll man sich bei diesem Plot auf dem Nachhauseweg vom Kino zuerst unterhalten? Die detailreichen verschiedenen Universen, zwischen denen die Charaktere hin- und herwechseln? Die perfekt inszenierten Kampfszenen? Den alles verschlingenden Bagel? Alles an diesem Film ist absurd. Das macht “Everything Everywhere All At Once” zu einem chaotischen, überfordernden und irgendwie auch herzzerreißenden Kino-Highlight. Denn es ist auch ein Film über Familie, Vergebung und Liebe.

Lea Hruschka

Florence + the Machine: „Dance Fever“

„Florence and the Machine“ ist, seit „Dog Days Are Over“ 2008 erschien, nicht mehr nur für Indiemusikliebhaber*innen ein Begriff. 14 Jahre später, im Mai 2022, hat die Band ihr fünftes Studioalbum veröffentlicht, das mindestens genauso eingängige und hervorragende Lieder enthält. Wie der Albumtitel ”Dance Fever“ treffend beschreibt, befinden sich viele tanzbare Tracks auf dem Album, zum Beispiel „King“, „Free“ und „My Love“. Begleitet von wunderschönen Gesangsharmonien singt Florence Welch, die Leadsängerin, von Tanzfieber, der öffentlichen Wahrnehmung ihrer Person, aber auch ihrer früheren Alkoholabhängigkeit. Trotz dieser nicht ganz so leichten Themen macht das Album Lust darauf, sich zu bewegen und tanzen zu gehen. Oder um es mit dem Chorus aus „Free“ zu sagen: „But I hear the music, I feel the beat and for a moment, when I’m dancing, I am free”.

Katharina Reuter

Innovationen des James-Webb-Teleskops

Was gibt es eigentlich alles da draußen in den unendlichen Weiten des Alls. Eine Frage, die viele Menschen beschäftigt, fasziniert oder gar verängstigt.  2022 kamen wir dem großen „Was“ durch das James-Webb-Teleskop ein Stückchen näher. Ende Januar kam das von der NASA, ESA und der CSA entwickelte Teleskop an seinem finalen Standpunkt, dem sogenannten 2. Lagrange-Punkt, an. Und seitdem geht es rund: Durch die installierte Nah-Infrarot-Kamera ermöglicht das James-Webb-Teleskop Bilder von nie dagewesener Qualität. Dabei ist es durch das Teleskop nicht nur möglich, verbesserte Reproduktionen seines Vorgängers – dem Hubble-Teleskop – aufzunehmen, sondern auch komplett neue Abbildungen zu erfassen. So ist es zum Beispiel erstmals gelungen, die Atmosphäre eines Exoplaneten zu identifizieren. Ein weiterer Meilenstein für die Astronomie liegt in der ermöglichten Vertonung der Aufnahmen. Bei diesem Prozess, der auch Sonifikation genannt wird, werden Infrarot-Wellen von beispielsweise dem Carinanebel bestimmten Tonfrequenzen zugeordnet. Die Bilder des James-Webb-Teleskops können nun also auch gehört werden.

Wenn man bedenkt, dass das Teleskop gerade mal elf Monate in Betrieb ist und bereits jetzt die Erwartungen zahlreicher Astronom*innen übertroffen hat, bleibt es auf jeden Fall spannend, mit welchen Innovationen wir noch rechnen dürfen.

Milena Wieser

Wahlen ohne eine Welle von rechts

Trotz des Erstarkens rechter Parteien gab es 2022 Wahlen, die Hoffnung gemacht haben. Bei den US-Midterms fand dieses Jahr das wohl bekannteste Ausbleiben einer Welle von rechts statt. Aber auch in anderen Ländern gab es 2022 gute Nachrichten für die Demokratie: Bei den Präsidentschaftswahlen in Brasilien wurde der Rechtsextremist Jair Bolsonaro abgelöst vom linksorientierten Kandidaten Luiz Inácio Lula da Silva. In Portugal wurde dieses Jahr das Parlament gewählt. Dabei erreichte der Partido Socialista, die Sozialistische Partei, erstmals eine absolute Mehrheit. Bei den dänischen Parlamentswahlen verlor die konservativ-liberale Partei Venstre zehn Prozentpunkte und blieb damit weit hinter der regierenden Sozialdemokratischen Partei zurück. Macron, Kandidat der Partei La République en marche, konnte sich in Frankreich gegen die rechtsextreme Kandidatin Marine Le Pen durchsetzen. Auch bei den Parlamentswahlen später im Jahr konnte die Le Pens Partei, Rassemblement National, keine Mehrheit erlangen. Verhältnismäßig wenig Aufmerksamkeit bekamen die Parlamentswahlen in Slowenien. Dort gewann die grün-sozialliberale Gibanje Svoboda, deutsch Freiheitsbewegung, fast 35 Prozentpunkte dazu.

Elly Winter

Der Literaturtreff Bamberg – Ein Ort für Buchliebhaber*innen

Sich im Studium mit klassischer und gegenwärtiger Literatur zu beschäftigen, reichte nicht aus: Was fehlte, war ein anregender Diskussionsraum. So gründete ich mit Freunden einen Literaturtreff, innerhalb dessen ausgewählte Werke gemeinsam gelesen und à la literarisches Quartett kritisch diskutiert werden. Der Treff ist für alle da: Mit Freude sind unterschiedlichste Disziplinen, von der Germanistik, Anglistik, Soziologie, Geschichte bis hin zur Pädagogik vertreten. Hier habe ich wahnsinnig liebe und interessante Menschen getroffen, durch die Perspektivenvielfalt viel neues dazu gelernt und auch sehr viel gelacht. Die Literaturtreffsitzungen waren meine diesjährigen Sternstunden.

Jean Müller

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