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Die 20 besten Alben-Intros
Dunkel Hell

Die 20 besten Alben-Intros

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  • Erst ein paar Sekunden von einem Lied wurden gespielt und schon erkennt ihr euer Lieblingsalbum? Intros können einiges: verwirren, aufwecken, einleiten, erzählen. Weil wir aber die meisten Album-Intros doch eher skippen, als sie gezielt anzuhören, widmen wir uns gemeinsam mit Mitgliedern der Univox-Redaktion den besten 20 Intros und empfehlen euch in einer Playlist über 50 weitere.

Kim Becker:

„Intro” – Orsons (Tourlife4Life, 2020)

„Intro” von den Orsons hat alles, was ein Intro für ein Album über das Tour-Leben einer Band braucht: epische Backstage Vibes, Ansprachen zum heiß machen, wertschätzende Worte für die Crew, treibende Beats und einen Schlachtruf, der so ganz weit nach vorne geht.
Die Stimmung baut sich immer mehr auf, bis sie am Ende des Songs auf dem Höhepunkt angelangt ist. Band und Zuhörer*innen fühlen sich dann ready für den großen Auftritt. Kaum ein Song macht mich derart hyped für einen Abriss à la Orsons-Konzert, wie dieser. Spätestens nach einem Mal hören, ist man schon textsicher und kann den Albumtitel „Tourlife4Life” wieder und wieder mitgrölen. Was will man mehr von einem Intro auf einem Rap-Album?


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„Intro” – Alt-J (This is all yours, 2014)

Auf dem Indie-Klassiker-Album „An Awesome Wave” aus 2012 findet man Songs wie „Breezeblocks”, „Fitzpleasure” und „Bloodflood” – da darf auch das Intro nicht auf der Strecke bleiben. “Intro” lässt uns direkt eintauchen in die Alt-J Welt aus vielschichtigen Soundbildern, verschachtelten Lyrics und einer Mischung aus Wohlfühlatmosphäre und Zerrissenheit.
Dabei fühlt sich der Song tatsächlich dreigeteilt an: Im ersten Teil kommen wir langsam an und werden durch die Rhythmik beruhigt. Der zweite Teil reißt uns durch einen Switch in Melodie und Stimmung mit: Der Bass dröhnt und Joes Stimme kommt ins Spiel. Für den dritten Teil legt sich das wieder. Joe zählt „one, two, three” runter und atmet ein, der Beat fällt in sich zusammen, baut sich noch einmal auf und endet beruhigend.
Trotz dieser vielen Veränderungen, ist der Song nicht mal drei Minuten lang. Fazit: Dieses Intro verdient einen Platz in jeder guten Indie-Playlist.

„Web” – 070 Shake (You Can’t Kill Me, 2022)

Im vergangenen Jahr releaste 070 Shake ihr Album „You Can’t Kill Me”. Trotzdem kennen die meisten wohl eher ihr Feature „Escapism” mit RAYE. Ein Grund mehr, um mal gezielt in ihre Diskographie reinzuhören – und dabei kann man direkt beim Intro „Web” anfangen. Denn der Song leitet smooth in den typischen 070 Shake-Sound ein: lässiger Flow, mystische Melodien und pulsierende Beats.
Spoken Word war noch nie so entkrampft und mitreißend zugleich. Hier ist der Game-Plan: Text lernen, mitsprechen mit vielen Handgesten, um zu zeigen, dass man es ernst meint und schwupp, man fühlt sich wie the baddest of them all.

Spoken Word war noch nie so entkrampft und mitreißend zugleich.

Celina Ford:

„Preface“ – FKA twigs (LP1, 2014)

„LP1” von FKA twigs beginnt mit einem bitteren Zugeständnis: „I love another and thus I hate myself.” Wie in einer alten Kathedrale erklingt der kalte Hall des gehauchten Mantras. Dieser breitet sich immer weiter aus, um schließlich vor die Füße des Heiligen Sebastian getragen zu werden, der wie FKA twigs seine Wunden mit einer Mischung aus Sehnsucht und ästhetischer Schmerzeslust erträgt. Untermauert von Hi-Hats und einem düsteren, basslastigen Beat windet und räkelt sich der Song sinnlich, um schließlich in der Wiederholung von „I hate myself“ seinen Klimax zu erreichen. „Preface“ schafft es in unter zwei Minuten, einen Vorgeschmack auf das gesamte musikalische Farbspektrum des Albums zu geben, das zwischen R&B, Art Pop und Hip-Hop changiert und für FKA twigs eine ungeschönte Selbstuntersuchung ihrer emotionalen Verletzlichkeit und ihres sexuellen Begehrens darstellt.

„Intro (Balenciaga)“ – Disarstar (Deutscher Oktober, 2021)

Der Hamburger Rapper Disarstar ist die linke Stimme im Deutschrap. Hart, schonungslos und mit einer bildgewaltigen Sprache prangert er die sozialen Missstände an und erzählt auf eine fast dokumentarische Art Geschichten menschlichen Elends. Das Album „Deutscher Oktober” – unter anderem eine Anspielung auf die 1970er Jahre, in denen die RAF mit linken Terroraktionen den Herbst politisch rot färbte – ist eine Abrechnung mit dem Versagen der Politik, den zerstörerischen Auswüchsen des Kapitalismus und der Konsumgeilheit der Gesellschaft, die im Deutschrap ihr Maximum an Lächerlichkeit erreicht. Mit dem Clickbait-Zusatz „Balenciaga“ ist der Introtrack des Albums, das von düsteren, betonharten Beats nur so strotzt, eine Persiflage auf die Songs, die gewöhnlich in die Modus Mio-Playlist Einzug finden. Anhand der weitverbreiteten Attitüde im Deutschrap-Kosmos werden die großen gesellschaftlichen Probleme unserer Zeit auf Mikroebene verhandelt: Gleichgültigkeit, Sexismus, Homophobie und Klassismus. Disarstar stellt diesem einen musikalischen Aufruf zum Klassenkampf und Solidarität entgegen.

„You Think I Ain’t Worth A Dollar, But I Feel Like A Millionaire” – Queens of the Stone Age (Songs for the Deaf, 2002)

Eine steile These: „Songs for the Deaf” der kalifornischen Band Queens of the Stone Age ist das ultimative Album für eine Spritztour im Viertürer. Warum? Weil es genau darum geht: Das Fahren. Oder genauer: Das Gefühl, wenn man stundenlang im Auto unterwegs ist, die Sonne runterknallt und die Musik aus den Lautsprechern dröhnt. „Songs for the Deaf” ist ein Konzeptalbum, welches die Fahrt von Downtown Los Angeles nach Palm Desert nachzeichnet. Der Introtrack „You Think I Ain’t Worth A Dollar, But I Feel Like A Millionaire“ ist audiovisuell und bereitet die Hörer*innen auf die bevorstehende Höllenfahrt vor: Autotür zu, Zündung an, Radio auf voller Lautstärke. Mit Adrenalin vollgepumpt wird das Gaspedal bis zum Anschlag durchgedrückt, um dem Menschenmeer in Los Angeles zu entfliehen und auf die offene und unbarmherzige Wüste zuzusteuern. Dabei beschreibt jeder Song des Albums eine Stadt oder fiktiven Radiosender entlang der Route, was sich in der Stimmung und Intensität der Songs widerspiegelt, die zuweilen extrem brachial werden können. Queens of the Stone Age spielen Desert Rock der dreckigsten Sorte, der mit treibenden Rhythmen, die vom Schlagzeug-Gott Dave Grohl höchstpersönlich eingespielten wurden, voranprescht und den heißen kalifornischen Wüstensand aufwirbelt. Auf der imaginären Fahrt nach Palm Desert mäandern die Gedanken von vergangenen Liebschaften zu Drogentrips à la „Fear and Loathing in Las Vegas” und Beobachtungen über die Conditio Humana: Looking at the world from a car window.

Anna Holfeld:

„The witching hour – Intro” – Birdy (Young Heart, 2021)

Manchmal brauche ich einfach Ruhe. Andererseits ist es dann so ganz ohne Musik auch plötzlich sehr still. Als Lösung für dieses Problem, tauche ich gerne in die Musik von Birdy ab. Zwischen dem weichen Instrumentalsound und ihrer träumerischen Stimme, gehen meine Gedanken ihren ganz eigenen Weg. Bekanntlich ist es aber im stressigen Alltag nicht immer einfach, loszulassen und Ruhe finden zu können. Das Intro „The Witching Hour“ ihres neusten Albums „Young Heart” bringt mich allerdings schon nach den ersten paar Klavierakkorden in den richtigen Mood. Quasi Entspannung auf Knopfdruck!

Entspannung auf Knopfdruck!

„Das Comeback des Jahres – Intro” – Alligatoah (Musik ist keine Lösung, 2015)

Ganz anders sieht es damit grundsätzlich bei Alligatoah aus. Seine Texte lassen uns nicht der Realität entfliehen, Ruhe oder gar gute Laune finden! Passt damit nicht so ganz ins positiv-entspannte Gesamtbild der anderen beiden Intros. Passt aber häufig ziemlich gut zu meinen Gedanken und Gefühlen nach mal wieder erschütternden Nachrichtensendungen oder so mancher Alltagsfrustration. Dass seine Texte trotz der Ernsthaftigkeit auf ironische Weise meistens unterhaltsam sind, verdeutlicht schon der Einstieg mit „Comeback des Jahres-Intro“ ins Album „Musik ist keine Lösung“. Mit „Achtung, Achtung, dies ist eine Durchsage” zu starten, ist doch mal was anderes. “Die Sicherheitskräfte haben die Kontrolle verloren. Es besteht Grund zur Panik!” Da weiß man direkt, woran man ist…

„Chan Chan” – Buena Vista Social Club

Ein bisschen zufällig entstand 1996 die kubanische Projektgruppe „Buena Vista Social Club“, mit den Altmeistern der kubanische Musik der 1940er und 1950er Jahre. Das gleichnamige Album, was dabei entstand, wurde über acht Millionen Mal verkauft und ist somit das erfolgreichste des Weltmusik-Genres. Was für ein Einstieg, dass direkt der erste Song „Chan Chan“ der bis heute am meisten gehörte ist! Wenn die ersten Gitarrenschläge erklingen, hört man das Meer rauschen, hat farbenfrohe Pflanzen und Häuser vor Augen und ganz viel Fernweh! Bei uns zu Hause lief Buena Vista Social Club außerdem sehr häufig beim Kochen, wahrscheinlich einfach um den guten Vibe aufs Essen zu projizieren. Da schmeckt alles noch besser – gerne testen! Wer aber noch nicht genug von guter Laune hat und vielleicht auch etwas Aktuelleres sucht, bekommt hier noch einen Geheimtipp: Die australische „Hot Potato Band“. Ein Album gibt´s bereits – und auch mit Intro! Dieses geht quasi direkt in den ersten Song „Island“ über und spätestens ab da versprüht die viel zu unbekannte Brassband eine fröhliche Wohlfühlatmosphäre!

Emma Hasse:

„Calamity” – Zayn (Nobody Is Listening, 2021)

Nichts ist so spaßig wie ein Album, das auf eine Art beginnt, die man so nicht erwartet hat. Bei Zayns Song „Calamity“ seines inzwischen dritten Albums „Nobody is Listening“ ist das definitiv der Fall. Statt auf einen „normalen“ Einstieg mit Musik zu setzen, wird man erst einmal mit einem Spoken Word überrumpelt. Doch die Rhythmik der Worte, gepaart mit der unerwarteten Schwere der Worte wirkt auch ohne Gesang absolut hypnotisierend.
Dieser setzt erst gegen Ende ein – seine Stimme klingt weit weg, fast als würde er aus einem anderen Raum heraus singen. Immer wieder wiederholt er: „Nobody is listening to me“ und führt so perfekt in das Album ein. Es ist ein eindringliches Lied, was einem mit seinem tiefsinnigen Text und dem geisterhaft anmutenden Sound noch lange im Gedächtnis bleibt und Lust auf mehr macht.

„Cuz I Love You” – Lizzo (Cuz I Love You, 2019)

Das erste Lied des gleichnamigen Albums beginnt gleich mit einem musikalischen Feuerwerk. Zuerst zieht uns Lizzos unverkennbare Stimme sofort in den Bann. Und wenn dann die Musik einsetzt, ist es ein weiterer Knall an Trommeln und Trompeten, der so monumental klingt, dass die Gänsehaut unvermeidbar wird. Der Song ist explosiv und überquellend mit Sonnenschein – typisch Lizzo eben.
Es ist die Einführung in ein Album über Liebe und Heilung – durch Selbstliebe, Liebe zu unseren Freund*innen und Frauen in unserem Leben.
Dieses Album tröstet jeden Herzschmerz und hebt sofort die Laune, ab Minute eins.
Egal wie mies dein Tag vorher war, am Ende wirst du mit guter Laune durchs Zimmer tanzen, ob du willst oder nicht.

Ein weiterer Knall an Trommeln und Trompeten klingt so monumental, dass die Gänsehaut unvermeidbar wird.

Paulina Maier

„On Time“ – Metro Boomin, John Legend (Heroes & Villains, 2022)

Metro Boomin, ein amerikanischer Musikproduzent, brachte im Dezember 2022 sein Album „Heroes & Villains“ heraus. Es wurde von dem Künstler produziert und veröffentlicht – er selbst ist darauf aber nicht zu hören – was in der Branche unüblich ist. Jedoch überzeugt das Album mit zahlreichen prominenten Features. Wie zum Beispiel The Weeknd und John Legend, letzterer singt direkt im Intro. Der Song „On Time“ startet mit der Aussage, dass jede Story einen Superhelden und einen Bösewicht braucht – ein „hint“ auf den Titel des Albums. Gefolgt von einem sich wiederholenden Stilmittel, der Producer Tag. John Legends fesselnde Stimme wird von einem Chor und einem Streicher-Ensemble unterstützt. Insgesamt hebt sich das Intro vom restlichen Album ab, das vor allem durch Rap gekennzeichnet ist. Abgerundet wird das ganze durch einen Auszug aus der Serie „The Boys“, um genau zu sein der „Homelander Ending Scene“. Etwas Besonderes ist auch das Ende des Intros, denn dieses geht fließend in den zweiten Song des Albums über.

„Introduction (instructions)“ – XXXTENTACION (?, 2018)

Ein etwas anderes Intro ist „Introduction (instructions)“ von XXXTENTACION. Der Song – der eigentlich keiner ist – führt in das wohl bekannteste Album des Künstlers ein: „?“ Es erschien im März 2018, drei Monate bevor der Künstler mit nur 20 Jahren ermordet wurde. Bei diesem Album geht es, wie XXXTENTACION selbst sagt, nicht um die Worte, sondern um das Gefühl, dass die Songs vermitteln. Bei „Introduction (instructions)“ handelt es sich nicht um einen einführenden Song, sondern um eine Erklärung des Künstlers, darüber wie viel ihm das Album bedeutet und wie man als Hörer*in damit umgehen sollte. Er fordert auf, die folgenden Lieder mit einer „open mind“ zu hören und sich auf die neue Musik einzulassen. „This album is far different, far more versatile, far more uplifting than the last.“ Die direkte Ansprache an seine Fans fühlt sich nahbar und vertraut an.

Florentine Streit:

„Intro” – Cro (Raop, 2012)

Was zu Beginn nur nach Selbst-Beweihräucherung klingt, ist nach genauerem Hinhören die perfekte Grundlage für ein Album, welches die Karriere des deutschen Rappers Cro in genau die richtige Richtung lenken sollte. „Raop“ erschien am 6. Juli 2012 als das erste Studioalbum des Rappers Cro. Mit dem Song „Intro“ macht er genau das, was im Namen steckt. Er stellt sich vor, und hierbei scheut er nicht zurück mit seinen Erfolgen zu prahlen und weitere zu prophezeien: „ [Wer] geht nach ein, zwei Tapes direkt in die Charts, huh? Cro / Wieder mal Erwartungen übertroffen/ Album hier, es wird groß“. Vor diesem Album hat er schon drei erfolgreiche Singles veröffentlicht, dennoch stellt das Album „Raop“ einen Meilenstein für den Rapper da. In dem größtenteils selbst produzierten Album dominieren Gefühle wie Unbeschwertheit und Euphorie. Augenscheinlich ist „Raop“ daher, bis auf einzelne Ausnahmen, ein Album mit relativ wenig emotionalem Tiefgang. Das gleicht Cro aber dennoch mit Authentizität und catchy Sounds aus.
Der Song „Intro“ leitet hier also perfekt in das Album ein. Die Echo-artige Sequenz am Anfang des Liedes löst eine Melodie aus, die direkt ins Ohr geht und so schnell nicht mehr verschwindet. Vor allem bei den gerappten Strophen präsentiert der Künstler seine Doubletime-Fähigkeit und verleiht dem Song somit mehr Dynamik und Flow.
Rückblickend hat sich Cros Prophezeiung auch bewahrheitet, denn nach „Raop” folgten noch viele weitere Erfolge und er wird wahrscheinlich noch öfter unsere Erwartungen übertreffen.

„Intro” – Provinz (Zorn & Liebe, 2022)

Der Song „Intro” der deutschsprachigen Band Provinz schafft es, die Melancholie des bereits Vergangenen und die Vorfreude auf das, was noch kommt, in einen Einklang zu bringen, der sehr typisch für die Band ist.
„Zorn & Liebe” erschien als zweites Album der Band Provinz am 23.09.2022 und blieb zehn Wochen auf Platz zwei der Deutschen Albumcharts.
Dem Sänger Vincent Waizenegger gelingt die Gratwanderung zwischen etwas ruhigeren gesungenen Versen und dem fast explosiv-artigen Refrain wie keinem anderen. Im Vergleich zu ihrem ersten Album „Wir bauten uns Amerika” steht das neue Album „Zorn & Liebe” ganz im Zeichen der Weiterentwicklung und Steigerung. Dies ist auch an den Lyrics zu erkennen: „Ich reiß’ alles ein und mach’ alles neu / Kannst du das sehen? / Davon haben wir geträumt“ wird dazu passend im Intro-Track dieses Albums gesungen.
Der wesentliche Kern ihrer Musik ist der Alte geblieben, jedoch ist es diesmal diverser und elektronischer. Der Chorgesang zu Beginn des Liedes hat einen hymnenhaften Charakter, der die bereits angesprochene Melancholie und Vorfreude perfekt einleitet. Provinz schaffen mit ihren Songs eine bleibende, emotionale Ergriffenheit, so singen sie etwas:
„Das ist mehr als Musik, deshalb hör ich nie auf“.

Sophie Martorell Naßl:

„Black Hole” – Griff (One Foot in Front of the Other, 2021)

Mit dem Song „Black Hole” startet die britische Singer-Songwriterin Griff in ihr Album „One Foot in Front of the Other”. Sie nimmt uns mit auf den Weg, sich nach einem Herzschmerz wieder zu öffnen und zu vertrauen. Black Hole, ein großes schwarzes Loch, das an Stelle des Herzens sitzt. Es soll die Leere darstellen, die jede*r einzelne, nachdem eine Person einfach aus dem Leben verschwindet, verspüren kann. Griff will mit ehrlichen, melodramatischen, rauen Lyrics ihren Herzschmerz und das Gefühl, als wäre ein Teil von ihr nicht mehr vorhanden, ausdrücken. Wenn man das Lied jedoch zum ersten Mal hört und nicht genau auf die Lyrics achtet, könnte man auch denken, es sei ein funkiger, leichter Pop Song. Die Produktion des Beats bringt einen humorvollen Ansatz dazu, der den Eindruck macht, sie tanzt durch ihren Herzschmerz und hat ihre Emotionen unter Kontrolle.

Griff will mit ehrlichen, melodramatischen, rauen Lyrics ihren Herzschmerz und das Gefühl, als wäre ein Teil von ihr nicht mehr vorhanden, ausdrücken.

„DVD Menu” – Phoebe Bridgers (Punisher, 2020)

Wenn Phoebe Bridgers eines ist, dann einzigartig. Mit ihrem ersten Album „Strangers in the Alps“, wie auch ihrem zweiten „Punisher“ hat sie überwältigt. Sie gibt einen Einblick in ihre tiefsten Gedanken ihres Privatlebens, während sie das Gefühl hat, alles um sie herum zerbricht: „Wie ein Tagebucheintrag über deinen Schwarm während der Apokalypse“. So bildet der instrumentale Song „DVD Menu“ den perfekten Einstieg. Er gibt den Ton für das restliche Album an. Die wiederholte Melodie des Intros rundet gemeinsam mit dem letzten Song „I Know the End“ das gesamte Album ab. Mit einem Sample des letzten Liedes vom ersten Album „You Missed My Heart“, stellt der Song eine Verbindung zwischen den beiden Alben her. Wie der Titel schon preisgibt, sollen die zu hörenden Geräusche einen DVD Player darstellen.

„Intro” – Sido (Paul, 2022)

Auch wenn man kein Deutschrap-Fan ist, kennen die meisten Sido. Der 41-Jährige hat nun sein neuntes Album „Paul“ herausgebracht. Er macht in diesem, nach ihm selbst benannten Album, sein Privatleben zur Thematik. Seine eigene Kindheit, seine zerbrochene Ehe, Kinder und der ständige Druck, unter dem er leidet, sind nur ein Bruchteil der Themen, um die es geht. Auslöser war sein exzessiver Drogenkonsum während der Corona Pandemie. Sido beschreibt die dunklen Erlebnisse und Gedanken aus seiner Vergangenheit, die ihn am Anfang der Pandemie als “Geister” einholten. Er startet in sein Album, indem er uns in eine Vorstellungsrunde einer Therapiestunde von seinem Drogenentzug reinhören lässt. Nachdem mehrere Personen vom Leiter als anwesend abgehakt wurden, soll Sido sich selbst vorstellen. In diesem Moment geht das Intro über ins nächste Lied Atmen: „Ich bin 41 Jahre und die Tage waren wie atmen unter Wasser.“

Josefa Reineke:

„Strangers by Nature” – Adele (30, 2021)

Adele – ich liebe sie für ihre sentimentalen Mitgröl-Songs wie „Rolling in the deep“, bei deren Nachgrölen meine Stimme sich jedes Mal verausgabt und doch niemals an die Inbrunst ihrer Stimme herankommen wird. Weniger zum Mitgrölen ist ihr 2021 veröffentlichtes Album „30“, erst recht nicht der erste Song „Strangers by Nature“. Adeles Gesangstalent geht fast unter zugunsten eines wuchtigen Streichorchesters. Der Song erinnert mich an ein kitschiges, amerikanisches Weihnachtsmärchen. „Alright then, I’m ready“, lautet die letzte Textzeile. Wofür ist sie bereit? Vielleicht für die folgenden Albumsongs. Bei der Anordnung hat sich Adele nämlich Gedanken gemacht, so intensiv, dass sie es geschafft hat, Spotify zum Umdenken zu bewegen. Und das ist der wahre Grund, warum dieses Intro ein erwähnenswertes ist. Der Streaming-Dienst hat auf ihre Bitte hin den Shuffle-Modus als Standard-Einstellung bei Alben entfernt. Auf Twitter schrieb Adele dazu: „Our art tells a story and our stories should be listened to as we intended. Thank you spotify for listening“. Thank you, Adele!

„Teil dieser Band” – Kraftklub (KARGO, 2022)

Schnelle Beats, fetzige Gitarre, etwas leiser sein in der Strophe, etwas lauter werden im Refrain, ein bisschen Kapitalismuskritik und schimpfen auf unsere Leistungsgesellschaft. Weder textlich noch musikalisch überrascht das Intro von KARGO Krafklub-Kenner*innen. Wir können aufatmen: Es ist alles beim Alten geblieben, auch nach Kummers Stippvisite in die Solo-Welt. Die Jungs von Kraftklub schauen zurück auf ihre Bandgeschichte: „Von 17 Uhr Festival-Opener zu 17.000er Open Air“. Die lässt sich auch besonders schön im dazugehörigen Musikvideo betrachten. „Viele sind besser und proben mehr“, „Ich kann nicht singen, ich spiel’ kein Instrument“, „Mehr Glück als Verstand“ – Bescheidenheit, Minderwertigkeit, die Erwartungen runterschrauben am Anfang vom Album. Ob das Kalkül ist? Spannend wird’s, wenn wir die Kraftklub-Alben nebeneinander halten: Alle beginnen mit Songs, die die Band zum Thema machen: „Eure Mädchen“ (2012), „Unsere Fans“ (2014), „Band mit K“ (2017). Waschechte Intros sind das!

Wer sich jetzt ein bisschen in unsere Lieblings-Intros reinhören mag, findet die Playlist mit den 20 beschriebenen und über 30 weiteren hier:

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