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Filmreview — Plötzlich Papa
Dunkel Hell

Filmreview — Plötzlich Papa

  • In der französischen Tragikomödie wird der Protagonist „plötzlich Papa“ – und geht nach anfänglicher Überforderung ganz in seiner neuen Rolle auf.

Einem größeren Publikum wurde der Plötzlich Papa-Protagonist als Driss aus Ziemlich beste Freunde bekannt: „Ohne Hände keine Schokolade.“ Sechs Jahre später spielt Omar Sy erneut einen Charakter, der irgendwie nicht in die Situation zu passen scheint und genau deswegen sein Publikum verzaubert.Der Inhalt von Sam’s Leben (Party und Frauen) verändert sich schlagartig, als eine flüchtige Bekanntschaft auftaucht, ihm sein Kind in die Hände drückt, sich 20 Euro leiht und verschwindet. Mit ausgestreckten Armen hält er das Baby vor sich und fordert die Mutter lautstark auf zurückzukommen: „Ich mach das Kind bestimmt kaputt!“
Er reist der Mutter nach London hinterher und sucht dort nach ihr – vergebens. Stattdessen trifft er auf seinen Sidekick Bernie (Antoine Bertrand), der ihm hilft, in London als Stuntman Fuß zu fassen. Er beginnt ein Leben als Stunt-Double und alleinerziehender Vater.

Die ersten acht Jahre dieser Vater-Tochter-Beziehung verlaufen montageartig. Leider werden dadurch wertvolle Schritte wie das Einfinden in die neue Rolle, vielleicht auch Gefühle wie Frustration oder Resignation durch fröhliche Musik und rosarote Erlebnisse ersetzt.Man merkt: Vieles passiert in diesem Film „plötzlich“: Plötzlich ist er Papa, plötzlich in London, plötzlich Stuntman, plötzlich hat er eine coole Wohnung und plötzlich ist die Mutter wieder da.Denn als die Handlung des Films wiedereinsetzt, geht es weniger um die Entwicklung der Vaterrolle als vielmehr darum, was passiert, wenn die Mutter wieder in das Leben der kleinen Gloria tritt. Clémence Poésy (Harry Potter) spielt ihre Rolle als Mutter hervorragend, aber der Vater-Aspekt wäre bei einem Film mit dem Titel Plötzlich Papa sicherlich interessanter gewesen.

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Es gibt ein Ereignis, das dem Film eine überraschende Wendung gibt. Für den Zuschauer ist es unangenehm, weil er es erst nicht versteht und schließlich realisiert, was es bedeutet. Es rechtfertigt rückblickend bestimmte Handlungen und macht den Film irgendwie wertvoller – denn Vater sein bedeutet mehr als nur die Vorbereitung auf das spätere Leben: Es bedeutet auch Spaß zu haben und knallbunte Erinnerungen zu schaffen.

Dennoch ist der Film Plötzlich Papa auf vielen Ebenen nicht mit dem früheren Omar Sy-Film Ziemlich beste Freunde zu vergleichen. Bei Ziemlich beste Freunde hat die Story gestimmt, der rote Faden und die Mischung aus Spaß und Ernsthaftigkeit war wesentlich besser umgesetzt. Plötzlich Papa ist hauptsächlich ein Feel-Good-Streifen, stellt sich aber zunehmend der Realität. Er wird zu einem Film, über den man nach dem Abspann noch nachdenkt, über den man spricht. Obgleich er die Charakterentwicklungen nicht genauer beleuchtet: er weiß zu unterhalten.

Daher ist Plötzlich Papa ein solider Film, nicht mehr, nicht weniger. Wer ihn mit diesen Erwartungen anschaut – oder einfach Omar Sy und die Fleur Delacour-Darstellerin Clémence Poésy mag – dem sei Plötzlich Papa empfohlen.

Trinkspiel:

Ein Schluck, wenn Omar Sys Charakter Sam kein Englisch versteht oder sich
bemüht, Englisch zu sprechen, aber leider „failt“.

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