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Zündstoff
Dunkel Hell

Zündstoff

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  • In Belgien und Frankreich ging es die letzten Wochen durch die Decke; Tabuthema, Bruch - Stromae hat mit seinem neuen Titel einen Nerv getroffen. L’enfer – zu Deutsch Die Hölle; ein Denkanstoß?

Dieser Text thematisiert Suizid- und Zwangsgedanken und beinhaltet subjektive Empfindungen und Erfahrungen, was belastend oder situativ überfordern wirken kann. Weiterlesen auf eigene Verantwortung und bitte nur bei achtsamem Umgang.

Informationen und Ressourcen für Menschen, die sich in einer Notlage befinden:

  • Krisendienst Oberfranken:
    Telefon: 0800 655 3000, Webseite: www.krisendienste.bayern , bei Bedarf mobile Krisenteams
  • Akutsituation/Lebensgefahr: 112
  • Hilfe/Unterstützung/Zuhören: Nightline Bamberg, Telefon: 0157 352 335 03; aktuell Mo/Mi/Do von 21-24 Uhr

Einsamkeit, Suizidgedanken: gut stilisiert und zur passenden (?) Zeit. Dem gebürtigen Belgier (bürgerlich Paul Van Haver) gelingt mit seiner Singleveröffentlichung in Absprache mit dem französischen Nachrichtensender TV1 ein Kunstgriff – so begann er am 09. Januar live während eines Interviews Zeilen seines neuen Titels zu singen. Werden Fragen wie „Mag ich Stromae in seiner Künstlerpersönlichkeit oder die Art und Weise der gezeigten Selbstinszenierung“ beiseitegelassen, bleibt mir zu sagen übrig: merci.

Merci; dass die Zeilen eine Höllenwucht haben und aufrütteln; einen gesellschaftlichen Missstand anklagen.

J’suis pas tout seul à être tout seul
Ça fait d’jà ça d’moins dans la tête
Et si j’comptais combien on est
Beaucoup

Ich bin mit meinem Alleinsein nicht allein
Und schon allein das erleichtert unglaublich
Und würd‘ ich zählen, wie viele wir sind
So einige

Die Beschäftigung mit dem Liedtext, ein Verstehen-Wollen der Zeilen, welche – allein wegen Stromaes Bekanntheitsgrad und Reichweite – enorme Sprengkraft haben, ist empfehlenswert.

Est-c’qu’y a que moi qui ai la télé
Et la chaîne culpabilité ?
Mais faut bien s’changer les idées
Pas trop quand même
Sinon ça r’part vite dans la tête
Et c’est trop tard pour qu’ça s’arrête
C’est là qu’j’aimerais tout oublier

Bin‘s nur ich, der wieder den Fernseh‘ anhat
Und den Sender der Schuldhaftigkeit?
Aber es gehört sich, Sichtweisen ab und an zu wechseln
Zugleich nicht zu häufig
Sonst geht das Gedankenkarussell los
Und dann ist es zu spät, es wieder anzuhalten
Das ist der Punkt, an dem gern alles vergäße

Für ein kritisches Hinterfragen, somit genaues Zu- und Hinhören, möchte ich einen Vers des Refrains hervorheben:

J’ai parfois eu des pensées suicidaires,
et j’en suis peu fier
On croit parfois que c’est la seule manière de les faire taire
Ces pensées qui me font vivre un enfer

Ich hatte so manches Mal Suizidgedanken,
auf welche ich wenig stolz bin
Man glaubt manchmal, dass das der einzige Ausweg ist, um sie zum Schweigen zu bringen
Diese Gedanken, die mich in der Hölle brennen lassen

Ist das Wort stolz hier angebracht?

Mit diesem Aufmerksam-Machen: au revoir (auf ein Wiedersehen), denn – Stromae ist wieder da.

Das neue Album erscheint am 04. März. Die Single L’enfer wurde Anfang Januar veröffentlicht; vorherige Santé im Oktober 2021.

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