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Im Interview mit Prof. Dr. Markus Behmer & Prof. Dr. Rudolf Stöber vom Institut für Kowi
Dunkel Hell

Im Interview mit Prof. Dr. Markus Behmer & Prof. Dr. Rudolf Stöber vom Institut für Kowi

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  • Zu dem Wintersemester 2017/18 ist der Studiengang Kommunikationswissenschaft in Bamberg komplett zulassungsfrei geworden. Die Aufhebung der Zulassungsbeschränkung führte dazu, dass in diesem Semester knapp 500 Erstsemester für die Bamberger Studiengang Kommunikationswissenschaft zugelassen wurden. Wir haben mit Prof. Dr. Markus Behmer, Dekan der Fakultät für Geistes- und Kulturwissenschaft sowie Professor für Kommunikationswissenschaft, und Prof. Dr. Rudolf Stöber, Institutsleiter der Kommunikationswissenschaft, über die Situation gesprochen.

Wie sind die ersten Wochen des Semesters für Sie verlaufen? Was für einen Eindruck haben Sie?
Prof. Dr. Stöber: Ich muss die Erstsemester zunächst erstmal loben. Aus meiner Warte sind sie im Moment sehr engagiert und diszipliniert. Von anderen Mitarbeitern habe ich allerdings auch schon gehört, dass einige Studierende sich gerade mal mit 10 % an der Vorbereitung einer Übung beteiligen – von 35 oder 40 Leuten hatten vier den Text gelesen. Das muss natürlich auch von Studierendenseite besser werden, sonst lernen sie nichts. Aber das ist ja letztlich die Eigenverantwortung.
Ich glaube nicht, dass wir die Probleme schon in voller Wucht erfahren — das wird später kommen. Was sich allerdings bei mir sehr negativ auswirkt: Das ganze Denken kreist momentan um diese Problematik. Wir haben unglaublich viele Beratungsgespräche und beschäftigen uns in großem Maße mit diesen Problemen.

Prof. Dr. Behmer: Unseren Mitarbeitern, namentlich dem Studienberater Holger Müller und einem kleinen Team, das unser elektronisches Kursanmeldungsverfahren weiterentwickelt und sofort umgesetzt hat, ist es auch gelungen, die Anfragen verunsicherter Studierender sehr rasch zu beantworten und die ersten Anlaufprobleme zumindest deutlich zu mildern. So ist die Stimmung im Moment fast schon erstaunlich gut – und die so vielen Studierenden im ersten Semester freuen sich auch erst einmal, dass sie einen Studienplatz bekommen haben. Das ist jedenfalls unser Eindruck.
In der Fakultät ist es natürlich auch wahrgenommen worden, dass so viele Erstsemesterstudierenden in der Kommunikationswissenschaft eingeschrieben sind. Jedoch hat das auch gewisse positive Effekte. Zum Beispiel in der Anglistik, in der Geschichtswissenschaft und in manchen anderen Fächern sind jetzt aufgrund des „Bamberger Modells“, in dem jeder Bachelorstudierende zwei Hauptfächer studiert oder ein Hauptfach mit zwei Nebenfächern kombiniert, deutlich mehr Studierende im ersten Fachsemester als bisher. Das ist ein Effekt, der gewünscht war und nun auch eingetreten ist. Natürlich ist es für die Kommunikationswissenschaft schön, dass sie so beliebt ist, aber es kann natürlich nicht angehen, dass das Ziel, insgesamt mehr Studierende zu haben, auf dem Rücken eines Faches ausgetragen wird, weshalb wir auf Dauer natürlich eine Lösung brauchen.

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Prof. Dr. Stöber: Wir müssen das Ganze bis ans Ende denken. Die jetzigen Erstsemester werden irgendwann ihr Examen machen. Die Bachelorarbeiten und die mündlichen Prüfungen in der Größenordnung durchzuziehen wird dann nochmal eine riesige Herausforderung sein.

Wie soll die Qualität des Studiengangs in Zukunft sichergestellt werden?
Prof. Dr. Behmer: Die Qualitätssicherung ist eine echte Herausforderung bei so vielen Studierenden. Da haben wir aber bereits einiges unternommen. Immerhin konnte für jeden Erstsemesterstudierenden ein Seminarplatz bereitgestellt werden. Zwar nicht bei jedem ein Einführungsseminar, aber alle haben einen Platz in einem der Einstiegsmodule bekommen. Gleichzeitig soll das Programm für höhere Semester nicht ausgedünnt werden. Wir wollen gewährleisten, dass alle Studierenden die Möglichkeit haben, ihren Abschluss in der Regelstudienzeit zu absolvieren.

Prof. Dr. Stöber: Wir bemühen uns in jeder Hinsicht, dass die Studierenden innerhalb einer akzeptablen Zeit das Fach zu Ende studieren können. Was wir bislang machen konnten, haben wir gemacht — zum Teil auch mit Hilfe der Verwaltung. Ich denke zum Beispiel an die Veranstaltung in der Aula. Das macht die Bemühungen und die Grenzen der Bemühungen deutlich. Es ist nicht toll, in der Aula zu reden und für Studierende ist es nicht schön, dort mitzuschreiben. Die Engpässe werden überall auftreten und deswegen brauchen wir mehr Ressourcen. Selbstverständlich werden wir Studienbeiträge in größerer Menge zugewiesen bekommen, aber natürlich nicht sofort. Es kommen einige Schwierigkeiten auf uns zu, deswegen stehen wir mit der Hochschulleitung in Verhandlungen.

Es steht also im Gespräch, dass neue Lehrkräfte eingestellt werden und dass die Kommunikationswissenschaft mehr Räumlichkeiten bekommt?
Prof. Dr. Stöber: Sie legen den Finger in die Wunde. Selbstverständlich ist über die Studienbeiträge ein gewisses Potenzial da, zusätzliche Lehrkräfte einzustellen. Aber reichen wird das nicht.

Prof. Dr. Behmer: Wir haben sofort reagiert, indem wir Stellen aufgestockt haben. Damit wird unser Studienzuschusskonto erst einmal strapaziert, aber wir werden ja durch die hohen Studierendenzahlen ab dem übernächsten Jahr mehr Studienzuschussmittel bekommen.

Prof. Dr. Stöber: In der Tat besteht das Raumproblem. Die Situation wird vermutlich dazu führen, dass es für die Studierenden nicht mehr ganz so komfortabel sein kann. Denn woher sollen wir die Räume auf diesem Gelände (ERBA-Gelände, Anm. d. Red.) zaubern? Wir werden verstärkt auf Innenstadt- und sonstige Räume zugreifen müssen, aber das wird sich letztlich erst klären, wenn die jeweiligen Semesterplanungen anstehen.

Prof. Dr. Behmer: Unter einer Voraussetzung könnte die Planung gelingen: Dass es im nächsten Winter nicht noch einmal so viele Einschreibungen gibt. Das würde unsere Grenzen überschreiten.

Prof. Dr. Stöber: Im kommenden Sommer wird nicht aufgenommen, dahingehend wurde der Studiengang schon in seiner Zulassung geändert.

Die Bewerbungen um einen NC werden jährlich an das Kultusministerium geschickt. Könnte es passieren, dass der NC im nächsten Jahr nicht bewilligt wird?
Prof. Dr. Behmer: Es gibt eine klare Aussage der Unileitung: Sie wird den NC wieder beantragen. Und wir gehen fest davon aus, dass der NC wieder eingeführt wird.

Prof. Dr. Stöber: Man muss an der Stelle ganz klar sagen: Es sind unterschiedliche Verantwortlichkeiten. Wir haben mit der NC-Beantragung und der NC-Bewilligung nichts zu tun. Der NC ist, soweit wir wissen, von der Universitätsleitung beantragt worden. Das Ministerium hat den NC nicht bewilligt, warum wissen wir nicht.

Prof. Dr. Behmer: Wir wissen, dass die Auslastung des Studiengangs bei knapp 90 % lag. Uns wurde vermittelt, dass dies reichen würde. Wir wissen auch, warum sie „nur” bei knapp 90 % lag – dafür gab es Gründe, zum Beispiel, dass die Existenz eines NC allein schon abschreckt. Zusätzlich gab es – im Gegensatz zu den meisten anderen kommunikationswissenschaftlichen Studiengängen in Deutschland – noch das Vorpraktikum; eine doppelte „Abschreckung“. Deutlich verschärft wurde die Situation noch durch eine rigide gehandhabte Einschreibepraxis. Da war es schon bemerkenswert, dass sich in jedem Wintersemester fast hundert Hauptfachstudierende im Bachelorstudiengang eingeschrieben hatten.
Aus verschiedenen Gesprächen ging noch im vergangenen Wintersemester – zu der Zeit gab es eine Auslastung von 86% – klar hervor, dass wir im Sommersemester keine Studierenden aufnehmen müssten und dadurch das Fortbestehen des NC nicht gefährdet sei.
Da wir wegen dieser geringen Auslastung zu diesem Semester jedoch keinen NC mehr bekommen haben, fragen wir uns natürlich, ob wir im Sommer doch hätten einschreiben lassen sollen.

Prof. Dr. Stöber: Das ist vielleicht der Fehler, den wir uns zurechnen müssen: Dass wir darauf hätten bestehen müssen, dass im Sommer auch zugelassen wird, dass die Restplätze gefüllt werden. Allerdings mussten wir uns natürlich auf die Aussagen der Universitätsleitung verlassen, dass der NC wegen dieser geringen Auslastung nicht gefährdet ist.

Wann wurde das achtwöchige Vorpraktikum als Zulassungsvoraussetzung abgeschafft und warum wurde diese Entscheidung getroffen?
Prof. Dr. Stöber: Effektiv geworden ist es eben zu exakt diesem Semester. Wir haben das Vorpraktikum abgeschafft, in der Erwartung, dass der NC bestehen bleibt. Wir wären ja ziemlich dumm gewesen, beide Tore gleichzeitig aufzumachen.

Prof. Dr. Behmer: Ein Grund für die Abschaffung des obligatorischen Vorpraktikums war, dass es für Studieninteressierte – wie wir in Gesprächen erfahren haben – zunehmend schwieriger geworden war, gleich nach der Schule eine entsprechende Praktikumsstelle zu bekommen. Es gab eine große Unsicherheit bei vielen Firmen aufgrund der Einführung des Mindestlohns, die deshalb weniger Praktikanten eingestellt haben. Außerdem erwarten Unternehmen oft, dass Praktikanten drei Monate bleiben, weil es sich sonst für die Unternehmen nicht lohnt. Diese drei Monate könnten Abiturienten, die im Mai mit dem Abitur fertig sind und im Oktober das Studium beginnen wollen, kaum leisten. Wir wollten den Studierenden diese Belastung nehmen und dadurch eine Auslastung unseres Studiengangs sicherstellen.

Prof. Dr. Stöber: Wir wollen aber natürlich nicht, dass die Praxisausbildung der Studierenden geschwächt wird. Deswegen überlegen wir, ein Pflichtpraktikum in den Studienverlauf einzubauen.

Prof. Dr. Behmer: Um das unterzubringen, überlegen wir, ob es sinnvoll sein könnte, einen 120 ECTS-Studiengang einzuführen. Wir bekommen das Feedback, dass die Studierenden sich das wünschen. Mal sehen, wie es sich entwickelt.

Vom Kultusministerium haben wir die Information, dass in den letzten drei Verfahren die Rückmeldung an Sie gegeben wurde, dass der NC wegen der geringen Auslastung in Gefahr ist.
Prof. Dr. Behmer: Die Rückmeldung, dass der NC gefährdet ist, haben wir im Fach vor dem vergangenen Wintersemester definitiv nicht bekommen.

Aber es besteht die Möglichkeit, dass die Uni diese Rückmeldung bekommen hat?
Prof. Dr. Stöber: Zur Kommunikation zwischen Ministerium und Universitätsleitung können wir uns nicht äußern. Was wir allerdings nachträglich erfahren haben ist dies: Die Einschreibefrist war zum WiSe 2016/17 mit netto 2,5 Tagen extrem kurz; zuvor war sie allerdings auch schon immer kurz ausgefallen. Zudem war der Vorlauf angesichts der Urlaubs- und Ferienzeit recht knapp gewesen.

Wird die Mediensystem-Klausur jetzt schwerer?
Prof. Dr. Stöber: Nein, wir werden definitiv nicht rausprüfen. Allerdings wird sich die Fehlversuchsquote auch nicht mindern, denn leichter wird es natürlich auch nicht. Es gehört dazu, die Veranstaltungen vor- und nachzubereiten.

Was würden Sie in dieser ganzen Situation sowohl den Erstsemestern als auch den Studierenden in höheren Semestern noch mit auf den Weg geben?
Prof. Dr. Stöber: Wir werden alles tun und an vielen verschiedenen Stellen schrauben, damit die Lage für alle Beteiligten halbwegs akzeptabel bleibt. Keep calm and have a cup of tea.

Prof. Dr. Behmer: Schön, dass Sie da sind und sich für Bamberg entschieden haben. Dass es nicht problemlos laufen wird, wissen wir alle, aber wir sind zuversichtlich, dass wir es gemeinsam schon irgendwie hinkriegen werden, wenn wir die nötige Unterstützung bekommen.

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