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Wohnort nicht erkannt
Dunkel Hell

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Trockene Erde, 40°Celsius, unendliche Weiten. Was für uns nach einem Urlaub irgendwo in oder rund um eine Wüste klingt, ist für viele Menschen in Israel Alltag. Das Klima ist allerdings nicht der Grund, warum Stefan Loeber die Fotos, die gerade unter dem Titel „Bedouin: Vergessen in Negev-Israel“ in der Teilbibliothek 4 am Heumarkt zu bewundern sind, geschossen hat.

Ursprünglich wollte Stefan Loeber nur einige Zeit zusammen mit seiner Freundin in deren Heimatland Israel leben und ein Thema für seine Bachelorarbeit in Fotodesign finden. Aber eine rein zufällige Fahrt durch die Wüste weckte sein Interesse für das Leben der rund 200.000 Beduinen, die immer noch in der Negevwüste Israels leben. Mittlerweile wurde seine Bachelorarbeit verlegt, prämiert und an mehreren Orten ausgestellt.

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Das Leben in der Negevwüste ist hart. Nicht nur die unmittelbare Nähe zum Nahost-Konflikt, sondern auch Hauszerstörungen, schlechte Bildung, Massenarbeitslosigkeit, Inzucht, Wut, hohe Kriminalität, starre Tradition, Stammesfeindschaften und eine der höchsten Geburtenraten der Welt bestimmen das Leben der dort beheimateten Menschen.

Etwa die Hälfte der noch in der Negevwüste verbliebenen Beduinen lebt unter einfachsten Bedingungen in sogenannten nicht-anerkannten Dörfern. Diese haben nicht einmal eine Bau- und Existenzerlaubnis und werden deshalb von der israelischen Regierung auch nicht als existent anerkannt. Die rechtlichen Grundlagen des oftmals durch Gewohnheitsrecht vererbten Landes sind nicht eindeutig, da die Urkunden über den Landbesitz entweder nicht anerkannt werden oder gar nicht vorhanden sind. Daher haben diese Dörfer auch keinen Anschluss an Strom und Wasser, wodurch die Menschen unter Bedingungen wie vor 300 Jahren leben müssen. Nicht selten verschwinden Orte einfach wieder von der Bildfläche oder werden umgesiedelt. Zwar werden den Beduinen immer wieder staatliche Alternativen, wie Planstädte in die sie umgesiedelt werden sollen, vorgeschlagen, viele entscheiden sich aber bewusst für dieses harte Leben oder haben Angst, dass eine Angliederung an die Städte soziale Verbindungen auseinander reißt und kulturelle Werte zerstört.

Aber nicht nur die rechtlichen Grauzonen, die in ihren oft sehr schwer zu erreichenden Ländereien herrschen, sondern auch ständig wechselnde Allianzen zwischen einzelnen Stämmen, das Sympathisieren mit Anti-Israelischen Milizen sowie eigene Gesetze erschweren die Kommunikation zwischen Beduinen und dem Israelischen Staat erheblich.

Stefan Loeber zeigt in der Fotoausstellung durch sehr eindrückliche Bilder seine eigenen Erfahrungen mit dieser Lebenswelt ihrer Kultur und den Problemen, die es mit sich bringt, ein solches Leben als israelischer Staatsbürger mit all seinen Rechten zu führen und trotzdem in einer ganz eigenen Welt zu leben, welche von der Regierung nur geduldet, aber nicht gewünscht ist.

Meiner Meinung nach sind die Bilder sehr gut gemacht und bieten einen guten Einblick in das dortige Leben. Allerdings ist nur ein Teil der Ausstellung in der TB4 aufgestellt. Durch die begrenzte Anzahl der Photographien muss man sich ganz bewusst Zeit nehmen um alle Lebensbereiche und Gesellschaftskritischen Aspekte des ganzen Projekts verstehen zu können, da jedes Bild ein eigenes Thema zeigt. Also nehmt euch zwischen den Lerneinheiten in der Bib ein wenig Zeit und versucht euch in diese uns so fremde Welt einzufühlen.

Die Ausstellung, die in Zusammenarbeit mit der Georg-von-Vollmar-Akademie e.V., der Professur für Arabistik der Otto-Friedrich-Universität Bamberg und der Universitätsbibliothek Bamberg entstanden ist, kann noch bis zum 07.02.2017 in der TB4 am Heumarkt besucht werden.

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