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Söder und sein Sternchen
Dunkel Hell

Söder und sein Sternchen

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Markus Söder und sein Kabinett haben ein Gender-Verbot für Bayern beschlossen.

Wenn populistische, reaktionäre Politik auf den Freistaat Bayern trifft, dann lässt ein Gender-Verbot nicht lange auf sich warten. Ein Kommentar.

Markus Söder, bayerischer Regent, und sein Kabinett haben sich mal wieder in ihrer Rückständigkeit selbst übertroffen: In unseren Behörden, Schulen und Hochschulen soll es jetzt ernsthaft ein Gender-Verbot geben.

Bereits im Dezember 2023 begann dieses leidige Thema. Das Gender-Verbot wurde laut BR mit enthusiastischer Unterstützung von CSU, Freien Wählern und der AfD angekündigt. Generell nie ein gutes Zeichen, wenn diese Parteien deine Pläne super finden. Meine Reaktion auf die aktuelle Nachricht lässt sich mithilfe einer von Söders eigenen Regierungserklärungen über das Gendern ausdrücken: “Haben wir denn eigentlich keine anderen Probleme in Deutschland, dass wir uns damit beschäftigen müssen?” Klimawandel, wachsende wirtschaftliche Ungleichheit und daraus resultierende breit gefächerte soziale Probleme? Diese Baustellen können warten, man muss jetzt erstmal ran an diese verdammte Inklusion, die ist der wahre Alptraum unserer modernen Welt. Wahrscheinlich wacht Hubert Aiwanger regelmäßig schweißgebadet auf, weil er mal wieder von einem Sternchen verfolgt wurde.

Söder mit Gender-Verbot: Sprachpolizei in Bayern?

Es ist an Ironie wirklich nicht zu übertreffen, dass das Bundesland mit einem Ministerpräsidenten, der sich immer wieder über die angeblich viel zu vielen Vorschriften und Verbote der Ampelregierung beschwert, mir nun anordnet, wie ich mich ausdrücken soll.  Generell, wie kann ich mir das Leben unter dieser neuen Verordnung vorstellen? Darf ich in Behörden nur noch zu einem Mitarbeiter, da alle Mitarbeiterinnen offensichtlich aus den Behörden verbannt wurden, weil sonst muss man sie ja einbeziehen? Wenn ich ins Einwohnermeldeamt spaziere und mich traue, das Wort “Einwohner*innen” zu verwenden, kommt dann die Genderpolizei und knüppelt mich zu Boden? Das klingt verdächtig nach der woken Sprachpolizei, über die Söder selbst so gerne Parolen schwingt.

Gendern: Sprache darf sich wandeln

Offensichtlich hat diese Politik nur ein Ziel: populistische Nachfrage befriedigen. Scheinprobleme werden “angepackt” und vermeintlich einfache Lösungen geliefert, um ein komplexeres politisches Geschehen aufzuschieben. Dass diese rechtspopulistische, menschenverachtende Rhetorik dermaßen gut ankommt, dass Politiker*innen ein Interesse an der Verabschiedung von so einer lächerlichen Verordnung haben, ist beunruhigend.

Es wirkt offensichtlich, aber es muss anscheinend nochmal gesagt werden: Inklusion ist gut. Sprachentwicklung unvermeidlich. Sie geschah schon immer und wird weiterhin geschehen. Daher stellt sich nicht die Frage, ob Sprache sich wandeln soll, sondern wie. Wollen wir wirklich eine Sprache, die viele Menschen grundlegend ausschließt? Die deutsche Sprache mit ihrem generischen Maskulinum ist sowohl aus sozialer als auch aus linguistischer Sicht exklusiv. Unser Land geht nicht zugrunde, weil ein paar Menschen eine inklusive Variation unserer sehr exklusiven Sprache verwenden. Ein Sternchen wird nicht das Ende von allem bedeuten. Es tut auch gar nicht weh, das einfach zu überlesen, auch wenn man privat nicht gendert.

An einem Tag wie diesem schäme ich mich für das Bundesland, in dem ich geboren und aufgewachsen bin. Das Bundesland, welches ich meine Heimat nenne. Dieses Verbot stellt einen neuen Höhepunkt einer Politik dar, die am Menschen und den wahren Bedürfnissen vorbei geht. Das ist Populismus in Aktion, denn mit dem Finger auf die Ampel zu zeigen und “Gendergaga” zu schreien, ist immer einfacher, als die wahren Probleme zu behandeln.

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