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Plötzlich Prinzessin
Dunkel Hell

Plötzlich Prinzessin

Eliza Doolittle (Anna Gütter) ist ein armes, ungebildetes Blumenmädchen. Vor der Oper Covent Garden trifft sie auf den Phonetik-Professor Higgins (Holger Hauer) und dessen Kollegen Oberst Pickering (Niklaus Scheibli). Die beiden Herren wetten miteinander, dass Higgins es schafft, sie innerhalb von sechs Monaten – also bis zum Diplomatenball – zu einer Herzogin zu machen. Nach einigem Gezeter fügt sich Eliza schließlich ihrem Schicksal und zieht bei Professor Higgins ein. Pickering und die Haushälterin Mrs. Pearce (Kerstin Kluge) haben immer wieder Mitleid mit dem Mädchen, das sich Higgins‘ mühsamem und teils erniedrigendem Unterricht fügt, doch der Lehrer ist unerbittlich.

Traumprinz auf Umwegen

Nach all der harten Arbeit ist der Ball ein voller Erfolg und Eliza wird sogar für eine Prinzessin gehalten. Professor Higgins und Oberst Pickering feiern ihren Triumph und vergessen dabei, dass das Mädchen die meiste Arbeit hatte. Daraufhin schmiedet Eliza Rachepläne und flieht mit Freddy Eynsford-Hill (Jiří Rajniš), bei dem ihr unkonventionelles Benehmen beim Derby in Ascot in der Loge von Higgins Mutter großen Eindruck hinterlassen hat. Nachdem sie in ihrem alten Viertel als Dame kaum noch erkannt wird, geht sie zu Mrs. Higgins (Gabriela Künzler). Dort trifft sie auf den Professor, mit dem sie wiederholt streitet. Zurück zu Hause vergeht Higgins — den Aufnahmen Elizas lauschend — förmlich in Selbstmitleid. Der eingeschworene Junggeselle, der ganz gewiss keine Frau braucht, merkt plötzlich wie sehr sie ihm fehlt. Eliza ergeht es wohl genauso, denn schlussendlich kehrt sie zu ihm zurück.

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Das Buch My fair lady von Alan Jay Lerner wurde mit der Musik von Frederick Loewe 1956 als Musical in New York uraufgeführt. Nachdem es knapp zehn Jahre später mit Audrey Hepburn und Rex Harrison in den Hauptrollen verfilmt wurde, hat das Coburger Landestheater es dieses Jahr nach Bamberg ins E.T.A. Hoffmann Theater gebracht.

Liebe fürs Detail

Musikalisch untermalt vom Opernchor und dem Philharmonischen Orchester des Landestheaters Coburg schafft es Anne Gütters Gesangstalent mit „Es grünt so grün“ und „Ich hätt‘ getanzt heut Nacht“ eine Gänsehaut nach der anderen auszulösen. Doch auch die männlichen Stimmen lassen einen gebannt den Liedern lauschen. Ebenso fesseln die weniger tiefsinnigen Texte durch eine wunderschön passende Choreographie.

Selbst im gesprochenem Text wechselt Anne Gütter die Tonlagen so abrupt und zahlreich wie Professor Higgins die Farben seiner Socken, die von gelb, orange und grün bis hin zu blau und lila reichen. Die Modernität der Kostüme zieht sich konstant durch alle Outfits. So trägt Eliza anfangs ein T‑Shirt über einem Longsleeve und am Schluss eine sehr neumodische Lederhose. Freddy überrascht bei seinem Solo „In der Strasse, mein Schatz“ mit metallic roten Lackschuhen, die seinen Auftritt perfekt abrunden. Überdies sind die Kostüme des Diplomatenballs schlichtweg bezaubernd. Holger Hauer und Niklaus Scheibli tragen ihren Rollen angemessene Anzüge und Anne Gütter erstrahlt in einem atemberaubenden weißen Ballkleid.

Grammophon(e) und Smarthphone

In den Requisiten setzt sich die Aktualität linear fort. So wird Eliza nicht nur mit dem überdimensional großen Grammophon, sondern auch einer Videokamera aufgenommen und Oberst Pickering verfügt sogar über ein Mobiltelefon. Dennoch überzeugt das Bühnenbild in seiner Einfachheit durch Raffinesse, sodass die Einbindung der neumodischen Requisiten fließend gelinkt.

Wer voreingenommen durch die Audrey Hepburn Verfilmung diese Inszenierung sieht, wird nicht enttäuscht. Die Besetzung weist tatsächlich optische Ähnlichkeiten auf und steht der Crew von George Cukor in schauspielerischem Talent und Gesang in nichts nach. Auch die lustigen Szenen werden so gekonnt inszeniert, dass man selbst dann noch lachen muss, wenn man sie schon kennt.

Alles in allem kann man die Aufführung nur empfehlen, denn mit sehr viel Talent und Geschick schafft es die Besetzung den Abend zu einem einzigen Genuss zu machen.

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