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Berliner Seifenblase
Dunkel Hell

Berliner Seifenblase

  • Viele neigen ja dazu, ihr Lieblingsschulfach in die Uni zu verlegen und einen Beruf darauf zuzuschneiden. So auch ich.

Scheitern, ganz persönlich — Teil 1

Bei meiner Suche stieß ich auf viele Universitäten, die Grundschullehramt mit dem Hauptfach Kunst anboten. Eine davon erweckte besonders mein Interesse: die Universität der Künste in Berlin. Diese Begeisterung kam nicht von ungefähr. Mein damaliger Ex-dann-doch-wieder-bester-Freund-mit-Potenzial kam aus Berlin. Meine erste Aufgabe: mich für die Zulassungsprüfung qualifizieren. Gelesen, getan. Ich reichte meine Mappe ein. Nun hieß es warten.

Eine verschlafene Stadt

In der Zwischenzeit erzählte mir eine Freundin von einer kleinen Universität in Bamberg, an der ich ebenfalls meine Wunschkombination studieren könne. Ich, die ich noch nie davon gehört hatte, fand mich schließlich am Laptop vor einer Dokumentation über Bamberg wieder. Mein Urteil: eine verschlafene kleine Stadt mit viel Wasser und alten Häusern. Perfekt. Also bewarb ich mich.
Dann endlich traf meine Zusage für die Zulassungsprüfung für Berlin ein. Ich hätte nicht glücklicher sein können. Dort angekommen lautete meine praktische Aufgabe: den Text (sechs Seiten kafkaesken Schreibstils) im Bild wiedergeben. Meine Idee: ein Bilderbuch mit bewegbaren Elementen. Trotz des ganzen Bewerbungsdrucks gewann ich dort eine Freundin. Wir trafen uns täglich und stellten uns gegenseitig Ideen vor. Ich erinnere mich, wie ich im Alexa saß und ihr mein Skizzenbuch zeigte, an den Brunnen auf dem Alexanderplatz, an dem ich meine Kohlezeichnung anfertigte, und den Donutladen um die Ecke, in dem ich mein Buch zur Abgabe bereit machte.

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“Plopp!”

Letztendlich platzte meine Berliner Seifenblase. Im Abschlussgespräch wurde ich darauf hingewiesen, dass meine Arbeit eher etwas für den Illustratorenberuf sei. Ich war am Boden zerstört. Ein Studium und auch eine eventuell gemeinsame Zukunft mit meinem Ex-dann-doch-wieder-besten-Freund-mit-Potenzial konnte ich damit in den Wind schreiben. Es war dieser Moment, in dem mir klar wurde, dass es eben nicht hatte sein sollen. So stand ich auf, rückte mein Krönchen zurecht und erschuf mir einen neuen Traum.
Ich holte meine Mappe aus Berlin und gab sie in Bamberg ab. Heute studiere ich Deutsch im Hauptfach mit Kunst im Nebenfach und könnte nicht glücklicher sein. Ach, und was meinen Ex-Freund-mit-Potenzial angeht: Letzten Endes ist das Komplizierte doch viel schöner als das Einfache. Seit fast anderthalb Jahren sind wir jetzt zusammen.

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