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Ein besonderer Stadtführer?
Dunkel Hell

Ein besonderer Stadtführer?

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  • Das von Werner Schwanfelder geschriebene Buch „Bamberg – Die 99 besonderen Seiten der Stadt“ versucht auf 159 Seiten ein kompaktes und vielfältiges Bild von Bamberg darzustellen und den Lesern einen einzigartigen Eindruck von Bamberg zu vermitteln. Leider verfällt der Stadtführer nach den ersten Seiten in eine allgemeine Faktenschau über schon Bekanntes und beleuchtet eine weichgewaschene Version Bambergs.

Der 2015 veröffentlichte, selbsternannte Bamberg-Führer macht es sich zur Aufgabe, alle Seiten von Bamberg zu zeigen. Dabei sollen sowohl das UNESCO Weltkulturerbe, als auch weniger spektakuläre Seiten Bambergs gezeigt werden. Hierfür hat sich der zugezogene Franke 99 besondere Punkte in Bamberg ausgesucht, die aus seiner Sicht Bamberg einzigartig machen. Was genau die ausgesuchten Punkte besonders macht, bleibt Schwanfelder das Buch über schuldig.

Jeder der 99 Punkt wird durch einem von Schwanfelder erstellten Text und einer seiner Fotografien dargestellt. Die Texte, wie die Fotografien auch, leiden durchweg an Vorhersehbarkeit und Unprofessionalität. Die 99 Punkte bestehen zum größten Teil aus den Fränkischen Touristik-Klassikern. Auch wenn die fränkischen Klassiker, wie das Schäuferla, nicht fehlen dürfen, überraschen wenige der Punkte mit einer neuen Perspektive auf Bamberg. Obwohl ein allgemeiner Einblick in Bamberger Örtlichkeiten und Gegenstände gegeben wird, kann in der gesamten Lektüre kein roter Faden erkannt werden. Die Frage bleibt, ob Touristen einen Mehrwert in einem weiteren faktenlastigen und allgemeinen Buch über Bamberg sehen.

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Der Autor springt in der Rhetorik und in der Darstellungsform zu oft, um im Buch mit einem einheitlichen Stil bei den Texten zu überzeugen. Diese erschlagen einen abwechselnd mit einer Flut von Jahreszahlen und verwirrenden Statements des Autors. Schwanfelder erwähnt, dass er das Stadtviertel Klein-Venedig anders benannt hätte und dass das Hochwasser für Bewohner „eben nicht lustig“ ist, verpasst es aber, stadtinterne Konflikte und kritische Themen anzusprechen. Schwierige Themen, wie die Sperrstunde oder die Ankunfts- und Rückführungseinrichtung (ARE), sind die, die Bamberg von anderen Städten abgrenzen und besonders machen.
Diese sich häufenden Kleinigkeiten und ein nüchterner Schreibstil machen es einem schwierig die Konzentration bei den Texten zu halten.

Eine Stärke des Stadtführers könnten die persönlich gestalteten Fotografien sein, welche aber keine bahnbrechende Neuerung darstellen und meist unprofessionell wirken. So stechen eher die Ausrutscher bei den Fotografien heraus. So stören Werbesäule, Laternen oder Baustellen-Absperrungen einzelne Bilder und hinterlassen einen schlechten Beigeschmack.

Es verfestigt den Eindruck eines überaus durchschnittlichen Stadtführers. Die vertane Chance, Bamberg als eine lebendige Studentenstadt mit allen Problemen, Konflikten und in seiner wirklichen Schönheit darzustellen, betrübt dennoch. Die selbst gemachten Texte und Fotos schaffen es nicht zu überzeugen und schöpfen nicht das Potenzial des eigentlich vielversprechenden Projektes aus.

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