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Istanbul

Istanbul

Seit ich vor drei Jahren bei einem Zwischenstopp am Istanbuler Flughafen die Stadt vom Flugzeug aus gesehen hatte, wollte ich unbedingt dort hin. Die Metropole am Bosporus stand ganz oben auf meiner Reisezielliste. 

Ende Juli, nach den letzten Prüfungen war es dann endlich so weit. Zusammen mit meinem Freund flog ich für fünf Tage nach Istanbul. Von Nürnberg aus hatten wir einen angenehmen Flug mit Turkish Airlines. Die Fluggesellschaft bietet einigen Komfort, da sie dort anstatt labberiger Flugzeug-Kräcker ein richtiges Menü servieren. Mit Reis, Kichererbsen, Hähnchenbrust, Auberginen-Salat, Knäckebrot, Schokoladenmus und Kaffee hielten wir zwei Stunden und 40 Minuten Flug gut aus.

Gesättigt kamen wir am Atatürk-Flughafen an und warteten dort auf den Shuttle-Service, der uns zu unserem Apartment bringen sollte. In der Ankunftshalle konnten wir aber unter 200 hochgestreckten Namensschildern keines erkennen, auf dem unser Name stand. Nach 20 Minuten erfolgloser Suche begingen wir den großen Fehler aus dem Flughafen heraus zu gehen und draußen nach dem Shuttlebus zu suchen.
Vor dem Flughafen erwarteten uns zwar eine Menge hupender Taxis und und ein Nichtraucherbereich, den man durch eine Wolke undurchsichtigen Zigarettenrauchs zu erkennen glaubte, von unserem Shuttle-Service gab es aber keine Spur.

Es folgten eineinhalb Stunden, in denen wir mit dem Hotel telefonierten, in den Flughafen rein und wieder raus rannten und vergeblich nach einer Person suchten, die angeblich auch am Flughafen war, genau an der Stelle an der wir standen. Letztendlich fanden wir wirklich einen jungen Mann an einem Kaffeeautomaten. Er hielt tatsächlich ein Schild mit dem Nachnamen meines Freundes in der Hand und brachte uns völlig entnervt zum Shuttle-Taxi.

Das Auto fuhr uns dann  in die Altstadt von Istanbul bis an dem Fuß eines steilen, gepflasterten Bergweges. Der Fahrer murmelte etwas auf türkisch und wir mussten mit den Koffern aussteigen. Das Taxi verschwand und mein Freund übersetzte mir, dass das Auto den Berg nicht hochfahren könne und wir von hier aus weiter laufen müssten. Wir zogen unsere Koffer den steilen Berg hinauf und waren einigermaßen überrascht von der Umgebung. Zwischen verrammelten Schaufenster stierten uns aus dunklen Ecken rauchende Männer an. Die ganzen Weg hinauf war keine einzige Frau zu sehen. Erleichtert stellten wir bei unserem Apartment angekommen fest, dass der Vermieter sehr freundlich und aufgeschlossen und die kleine Wohnung schön eingerichtet war.

Später am Tag besichtigten wir eine kleine Moschee, die auch „kleine Hagia Sophia“ genannt wird, da sie ihrer großen Schwester in der Bauart sehr ähnelt. Nach der Erkundung der näheren Umgebung genehmigten wir uns noch einen original türkischen Döner, mit einer Aussicht auf eine lokale Polizeistation, vor der junge Polizisten munter mit Maschinengewehren hantierten. Zum Abschluss des Tages sahen wir uns im Fernsehen die türkische Version von „Stuart Little“ an, aber nach zehn Minuten übersetzen von türkischen Mäuse- und Katzenstimmen ins Deutsche hatte mein Freund keine Lust mehr und wir schliefen erschöpft ein.

Am nächste Morgen frühstückten wir türkischen Börek aus einer Bäckerei in der Nähe und brachen auf, um die „richtige“ Hagia Sophia zu besichtigen. Zuvor mussten wir allerdings erst einmal Geld wechseln. Da wir auf unserem Weg lange Zeit keine Wechselstube fanden, beschloss mein Freund dann in einem Teppichladen nach der nächsten Möglichkeit Geld zu wechseln zu fragen. Der Teppichhändler sah in uns die Chance des Tages und bat uns an, gleich hier bei ihm das Geld zu wechseln. Das Angebot nahmen wir gerne an und wechselten zu einem guten Kurs Geld, zu dem er noch etwas Provision erhielt. Froh über dieses gute Schnäppchen verließen wir den Teppichladen – und entdeckten nach 50 Metern eine Reihe voller Wechselstuben.

An der Hagia Sophia angekommen, kauften wir uns Museumstickets und besichtigten das beeindruckende Bauwerk. Von Kaiser Konstantin erbaut, war die Hagia Sophia einmal die größte Kirche des Christentums. 1453 wurde sie von den Osmanen erobert und zur Moschee umgewandelt. Da sie jetzt ein Museum ist, konnten wir in ihrem Inneren die Einflüsse von beiden Religionen begutachten. Nicht weit von einer Deckenmalerei von Maria mit Jesus im Arm hängt eine große Holzscheibe, die mit Kamelleder überzogen ist und goldene arabische Schriftzeichen zeigt. Der prächtige Innenbau macht gut verständlich, dass ihn beide Religionen besitzen wollten.

Foto: Elisa Kornherr
Foto: Elisa Kornherr

Direkt gegenüber der Hagia Sophia steht die blaue Moschee, die unser nächstes Ziel war. Bevor wir durch den Touristeneingang in das Innere der Moschee gehen konnten, mussten wir unsere Schuhe ausziehen und ich mir ein Kopftuch umlegen. Der blau und türkis gekachelte Innenraum, dem die Moschee ihren Namen verdankt, war vollgestopft mit Touristen. Zur Gebetszeit ist die Moschee aber den Gläubigen vorbehalten. Das Innere der Moschee ist sehr beeindruckend, jedoch ist sie von außen noch schöner.

Foto: Elisa Kornherr
Foto: Elisa Kornherr

Mit sechs Minaretten und vergoldeten Kuppeln war die Moschee ein beliebter Selfie-Hintergrund für Besucher. An jeder Ecke der Moschee konnten wir Touristen beobachten, die Selfie-Sticks durch die Gegend schwenkten. Da wir selbst nicht Hintergrund auf den Selbstportraits sein wollten, spazierten wir lieber weiter durch die Altstadt. Als mein Freund mit einem Taxi-Fahrer ins Gespräch kam, der uns mit quietschenden Reifen den Weg abgeschnitten hatte, beschlossen wir spontan uns von ihm zum Taksim-Platz fahren zu lassen.

Im modernen Teil von Istanbul angekommen, liefen wir erst durch die „Straße der Unabhängigkeit“, auf der es viele Einkaufs- und Essensmöglichkeiten gibt. Der Taksim-Platz, der am Ende der Straße liegt, ist zwar keine Schönheit, aber auch wegen den Aufständen dort 2013 ein Stück sehenswerter türkischer Kultur. Im angrenzenden Gezi-Park gönnten wir uns zwei Gläser pappsüßer türkischer Limonade und genossen dabei eine Panorama-Blick über das Marmarameer.

Beim mehrstündigen Fußweg zurück zu unserem Apartment kreuzte unser Weg den Galataturm, die Galatabrücke und einen Ausläufer des großen Basars. In dem Basar-Viertel wurde ausschließlich Unterwäsche für Frauen verkauft – eine Frau war aber nirgends zu sehen.

Ausführlicher besuchten wir den großen Basar am nächsten Tag. Dort verkaufen die Händler alles: Lampen, Taschen, Essen, Leder, echtes Gold und gefälschte Markenware. Auf dem ägyptischen Basar, der nicht weit entfernt liegt, bieten die Verkäufer hauptsächlich Gewürze und außergewöhnliche Tee-Sorten an. Schon alleine für den speziellen, würzigen Geruch in der Luft lohnt sich ein Besuch dort.

Foto: Elisa Kornherr
Foto: Elisa Kornherr

Nach einem entspannten Mittag am Hafen, verliefen wir uns in ein weniger touristisch-erschlossenes Gebiet, fanden aber dank Handy-Navigation schlussendlich wieder nach Hause.

Am nächsten Tag durchkämmten wir Läden und Basare auf der Suche nach Mitbringseln und wurden so auch Besitzer von original-gefälschten Markenschuhen.

Zwischendurch genossen wir die türkische Küche mit Kumpir (eine riesige gefüllte Kartoffel), Sarma (mit Reis gefüllte Weinblätter) oder die istanbuler Variante von Kokorec (ein Baguette, mit kleingehackten Tomaten, Zwiebeln und gegrillten Lammdarm gefüllt). Nach dem anschließenden Besuch des Tokapi-Palastes ruhten wir uns vor der blauen Moschee aus.

Dort verschlug es uns auch jeden Abend hin, um den Abendgebetsruf des Muezzin zu hören. Die goldenen Kuppeln von der untergehenden Sonne angeleuchtet zu sehen und dem Gesang des Muezzin zu lauschen, hat eine eigene Magie. Den restlichen Abend saßen wir gerne in Straßencafés und tranken kleine Gläschen türkischen Tee.

Von den Demonstrationen in Istanbul, die zu dieser Zeit nach einem Anschlag in der Provinz Suruc statt fanden, bekamen wir nichts direkt mit. Dennoch konnten wir nach den Protesten gegen die Regierung eine erhöhte Polizeipräsenz an öffentlichen Plätzen beobachten.

Am letzten Tag blieb uns noch Zeit für einen abschließenden Rundgang durch die Umgebung, bevor wir nach einer herzhaften Kartoffelsuppe zum Flughafen aufbrachen.

Dieses Mal wartete das Shuttle-Taxi schon auf uns. Selbst auf der Fahrt zum Flughafen hatte die Stadt noch etwas zu bieten und wir konnten  noch viele Moscheen und große Frachtschiffe bestaunen. Etwas wehmütig verließen wir die moderne, gleichzeitig traditionelle, lebhafte, aber vor allem vielfältige Metropole. Als wir schließlich im Flugzeug die Stadt noch einmal von oben aus sahen, waren wir uns einig: Nach Istanbul kommen wir gerne zurück.

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