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Das Lied von Eis und Kroatien

Das Lied von Eis und Kroatien

Es hat 40 Grad, ich genieße einen frisch zubereiteten Erdbeereisbecher, liege im Schatten und spüre einen sanften Luftzug, der sich durch die heruntergelassenen Jalousien seinen Weg in mein dunkles, kühles Zimmer bahnt.

Ich will nicht in den Urlaub fahren.

Wieso soll ich denn drei Wochen in Kroatien zelten (Kein Kühlschrank! Keine Klimaanlage! Keine Waschmaschine!), wenn es hier gerade so ... erträglich ist? Die nächsten Stunden stelle ich mir die Frage immer wieder, manchmal auch meinem Freund, der beim Autobepacken seine Tetrisskills auslebt und mir dabei so aufmunternd und vorfreudig zulächelt, dass ich mich dem Unausweichlichem ergebe: Wir fahren in den Urlaub.

Unser ambitionierter Zeitplan umfasste 1200 km kroatische Küstenstraßen + eine nicht genau veranschlagte Kilometerzahl an Inlandstraßen, Altstadtbesuche, Nationalparkerkundungen und Spaziergänge am Meer. Zusätzlich bekamen wir Braunbären, eine Kreuzotter, Game of Thrones-Feeling, einige Stürme, Nachtfahrten im Regen, erste Wakeboardversuche, jeden Tag mindestens eine Kugel Eis und (naturgemäß) einen Sonnenuntergang.

Im Nachhinein war es dann zugegeben doch eine gute Entscheidung, mein Zimmer zu verlassen und mich von der Vorfreude anstecken zu lassen. Aber seht selbst.

Foto: Ramona Löffler
Foto: Ramona Löffler

Der Krka‐Nationalpark in Zentraldalmatien war eines unserer ersten Ziele. Die Kaskaden, die es hier zu sehen gibt, sind tatsächlich so schön, wie in kroatischen Reiseführern beschrieben wird. Folgt man dem Holzsteg, der zu ihnen verläuft, wird man mit massenhaft anderen Besuchern allerdings eher durchgeschleust und hat dann auch wenig Lust, sich ins Wasser durchzuquetschen – zumindest in der Hochsaison.

Foto: Ramona Löffler
Foto: Ramona Löffler

Davon sollte man sich allerdings nicht abschrecken lassen – abseits der Touristenpfade findet man auch ruhigere Orte ...

Foto: Ramona Löffler
... die ganz zauberhaft sind.
Foto: Ramona Löffler
Nur etwa 15 km südlich direkt an der Adriaküste liegt Šibenik. Ein Spaziergang durch die Altstadtgassen führte uns zuerst zur Kathedrale und einen abendsonnenbeschienenen Platz, den nur wenige Treppenstufen von der Uferpromenade trennen. Nimmt man hingegen die Stufen bergauf weiter ins Stadtinnere, gelangt man nicht nur zu einem mittelalterlichen Klostergarten...
Foto: Ramona Löffler
... sondern auch zur Burg St. Michael, von der man einen Panoramablick auf die ganze Stadt hat. Šibenik war übrigens einer der kroatischen Game of Thrones-Drehorte. In der fünften Staffel stellt es Braavos dar.
Foto: Ramona Löffler
Dieses Mal ganze 280 km weiter südlich schauten wir uns die Stadt an, die für viele die schönste Kroatiens ist: Dubrovnik. Dementsprechend war auch hier alles von Touristen überlaufen. Das ist zum Glück kein Problem, die Unesco‐geschützte Altstadt wird nämlich von einer begehbaren Stadtmauer umschlossen, von der aus man sich alles in Ruhe anschauen kann (theoretisch – wenn man sich wie wir das Ticket dafür erst eine Stunde vor Verkaufsende besorgt, ist man ein bisschen im Stress).
Foto: Ramona Löffler
Auch hier wurden viele Game of Thrones-Szenen gedreht, die in Königsmund / King’s Landing stattfinden. Das wird einem auch ständig voller Stolz mitgeteilt: Geschäfte werben damit, dass vor ihren Schaufenstern Schlüsselszenen der Serie spielten, in einem Souvenirgeschäft darf man ein Foto von sich auf dem Eisernen Thron nur machen, wenn man etwas kauft und bei der Touristeninfo kann man geführte Rundgänge ab 80 Euro aufwärts buchen. Aber auch ganz ohne Tour haben wir einige Drehorte ausfindig gemacht, darunter die Festung Lovrijenac als den Roten Burgfried / Red Keep, in deren Bucht die Schlacht am Schwarzwasser / the Battle of Blackwater stattfindet...
Foto: Ramona Löffler
... und den Minčeta‐Turm, in der Serie das Haus der Unsterblichen / the House of the Undying.
Foto: Ramona Löffler
Wer sich eh schon auf den langen Weg nach Dubrovnik gemacht hat, sollte sich auch noch die 10 km zum Arboretum Trsteno gönnen. Auf einem Gebiet von 28 Hektar wandelt man u.a. unter Zypressen, Dattelpalmen, Zedern und kann sich eine Vielzahl exotischer Pflanzen anschauen.
Foto: Ramona Löffler
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Und einfach mal durchatmen und das Leben sehr schön finden.

Foto: Ramona Löffler
Es fällt nicht schwer, sich diesen Ort als Königsgarten vorzustellen. Dachten sich die Macher von Game of Thrones auch, und ließen Varys und Tyrion hier einige Verschwörungen planen.
Foto: Ramona Löffler
Solche Vorhaben waren uns natürlich völlig fremd. Außerdem hatten wir nach den Städtetouren wieder Lust auf weniger Menschen und mehr Natur, deswegen fuhren wir zur Kvarner Bucht im Norden Kroatiens. Ein Sturm empfing uns sehr überschwänglich, unser Zelt weniger. Aber wir hatten ja ein Auto.
Foto: Ramona Löffler
Damit begaben wir uns für die nächsten Tage dann ein wenig ins wunderschöne Hinterland Kroatiens...
Foto: Ramona Löffler
... unter anderen in den Nationalpark Nordvelebit, der von großen Felsblöcken, Karsttälern und Wäldern geprägt ist.
Foto: Ramona Löffler
Manchmal trifft man auch auf Wanderer im Nebelmeer.
Foto: Ramona Löffler
Zur Stärkung besuchten wir ein urig‐gemütliches Gasthaus mit einem Wirt, der nicht nur vor und während und nach dem Essen Schnaps ausgibt, sondern ihn auch mittrinkt. Davor ziehe ich meinen Strohhut.
Foto: Ramona Löffler
Im gleichen Ort ist das Bärenrefugium Kuterevo. Hier werden verwaiste kleine Bären aufgenommen, die ihr erstes Lebensjahr nicht alleine überleben können. Das Projekt wurde durch private Spenden ermöglicht und die Unterstützung von Volontären aus aller Welt. Sie helfen beim Bau naturnaher Gehege, der Bärenversorgung und der Besucherbetreuung.
Foto: Ramona Löffler
Eine Vorstellung davon, wie viele bereits ehrenamtlich halfen, gibt der Schilderwald am Eingang des Refugiums. Nähere Infos zum Projekt findet ihr auf: http://www.baerenfreunde-kuterevo.de.

Und zum Abschluss: Disneyfan meets Vandalismus. Schon ein bisschen witzig.

Foto: Ramona Löffler
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