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Sonne, Sand und Seehunde

Sonne, Sand und Seehunde

10 TIPPS FÜR EIN WOCHENENDE AUF HELGOLAND 

Helgoland und Nordsee klingt erstmal nach beschaulichem Seniorenurlaub. Party ist auf der einzigen Hochseeinsel Deutschlands tatsächlich nicht angesagt. Dafür aber weiße Sandstrände, zutrauliche Seehunde und idyllische Einsamkeit, sobald die Tagestouristen mit der Fünf‐Uhr‐Fähre die Insel verlassen haben. Wer also mal eine Auszeit vom Vorlesungs‐ und Partystress braucht, der ist auf Helgoland genau richtig. Entweder von Cuxhaven oder Büsum bringt einen die Fähre, die vor allem bei stürmischem Wetter etwas Seefestigkeit erfordert, auf die Insel. Hat man die Anreise unbeschadet überstanden, sollte man diese zehn Dinge auf Helgoland auf keinen Fall auslassen.
Titelbild: Larissa Günther

  1. Hat man wieder festen Boden unter den Füßen, bietet sich ein Rundgang über die Insel an. Da Helgoland wirklich nicht groß ist, kann man den Rundweg über das Oberland der Insel gemütlich in zwei Stunden ablaufen und die einzigartigen roten Sandsteinfelsen bewundern. Besonders interessant sind die tiefen Bombenkrater, die überall auf der Insel verstreut sind – Helgoland hat eine kriegsträchtige Geschichte hinter sich: 1807 besetzten die Engländer die Insel, erst 70 Jahre später ging sie wieder an Deutschland zurück. Im zweiten Weltkrieg wurde Helgoland schließlich so stark bombardiert, dass die Insel für Jahre unbewohnbar blieb. Zur geplanten Komplettsprengung Helgolands durch die Engländer kam es glücklicherweise aber nicht.
  2. Nach etwa der Hälfte des Rundwegs erreicht man die berühmte Lange Anna, das Wahrzeichen Helgolands – ein turmartiger Felsen, der von der Insel abgetrennt im Meer steht. Die lange Anna sieht nicht nur beeindruckend aus, sondern ist auch beliebter Nistplatz für zahlreiche Hochseevögel, die sich sonst nirgendwo in Deutschland blicken lassen. Hunderte von Basstölpeln — anmutige weiße Vögel mit blauen Augen – und zahlreiche andere seltene Vogelarten drängen sich an den roten Felsen. Nirgends sonst kommt man den Vögeln, die sich schon längst an die zahlreichen Touristen gewöhnt haben, so nahe.
  3. Obwohl die Einkaufsmeile direkt am Hafen mit ihren knallbunten Schildern und hässlichen Nordseesouvenirs auf den ersten Blick eher abschreckend wirkt, lohnt sich ein Abstecher für trinkfreudige Studenten. Helgoland ist nämlich zollfreie Zone und der Alkohol extrem günstig. Neben den üblichen überdimensionalen Jack Daniels‐ und Absolut Vodka‐Flaschen gibt es hier auch den unter den Nordlichtern sehr beliebten Friesengeist literweise zu kaufen. Der wirklich sehr hochprozentige Schnaps wird vor dem Trinken angezündet und hat schon so manch einen zu nächtlichem Radau auf der sonst so ruhigen Insel verleitet.
  4. Wenn man genug vom Trubel der Hauptinsel hat, sollte man mit einem der kleinen Boote, die viertelstündlich fahren, zur Nebeninsel Helgolands übersetzen – die Düne. Der Name ist Programm: Die gerade mal einen Kilometer breite Insel besteht komplett aus Sand.
  5. Auf der Düne bietet sich einem ein einmaliges Erlebnis: Teilweise zu Hunderten liegen hier Seehunde und Kegelrobben dicht an dicht am Strand und lassen sich auch von den Spaziergängern und Badegästen nicht stören. Bis auf wenige Meter kann man sich ihnen nähern, ohne dass sich die Meeressäuger von ihrer Lieblingsbeschäftigung abhalten lassen: in der Sonne liegen. Die Nordsee hat zwar auch im Sommer nicht gerade Wohlfühltemperatur, schwimmen lohnt sich aber trotzdem. Seehunde sind extrem neugierig und schauen gerne mal nach, was man denn da unter Wasser so treibt. Mit etwas Glück kann man hier auf Zentimeternähe mit den Tieren schwimmen gehen. Anfassen oder streicheln sollte man sie aber trotzdem nicht – Seehunde sind wilde Tiere und haben ziemlich scharfe Zähne.
  6. Es gibt genau ein Restaurant auf der Düne, das Dünenrestaurant. Trotz Monopolstellung ist die gemütliche Strandbude aus Holz und ganz besonders der Apfelstrudel dort sehr zu empfehlen. Außerhalb der Hauptsaison, wenn Helgoland kaum noch besucht wird, setzt sich die freundliche Besitzerin gerne mal zum schnacken (das ist norddeutsch für plaudern) mit an den Tisch und spendiert den ein oder anderen Friesengeist.
  7. Wenn man schon mal im Dünenrestaurant ist, bietet es sich — besonders an kälteren Tagen — an, eine andere friesische Spezialität zu testen: Die tote Tante. Heißer Kakao mit Rum. Spätestens nach der dritten Tasse wird einem auch klar, warum das Heißgetränk so genannt wird…
  8. Um fünf Uhr nachmittags, nachdem die Fähre zurück ans Festland abgelegt hat, wird es auf einmal sehr still auf Helgoland. Man kann natürlich in einem der Hotels auf der Hauptinsel oder im Zelt auf dem Zeltplatz der Düne schlafen, aber bei gutem Wetter kann man auch einfach seinen Schlafsack am Strand ausbreiten. Hier wiegen einen das Meeresrauschen und das Gebrummel der Seehunde in den Schlaf und wenn man nachts aufwacht, hat man über sich einen gigantischen Sternenhimmel, weitab von den Lichtverschmutzungen des Festlandes.
  9. Will man etwas ganz Besonderes auf Helgoland erleben, sollte man Mitte Juni anreisen. Auf der Langen Anna bietet sich den Besuchern dann ein spektakuläres Schauspiel: Der Lummensprung. Die Küken der Trottellummen, eine Vogelart, die vom Aussehen stark an Pinguine erinnert, wagen ihren ersten Flugversuch. Dabei stürzen sie sich todesmutig von ihren Nestern auf dem Felsen bis zu 50 Meter tief ins Meer. Was auf den ersten Blick wie glatter Selbstmord aussieht, geht eigentlich immer gut aus: Die Lummenküken wissen intuitiv, wie man fliegt, und breiten rechtzeitig ihre Flügel aus.
  10. Zum Schluss noch ein Tipp, was man auf Helgoland lieber nicht tun sollte: Sich das Fischbrötchen klauen lassen. Die Möwen auf der Insel haben schon längst keine Lust mehr auf Fischfang. Wozu auch, wenn es jede Menge Fischbrötchen, Pommes und Waffeln bei unbedarften Touristen zu holen gibt? Deswegen am besten nie unter offenem Himmel am Strand oder Hafen essen. Und im Ernstfall lieber loslassen – Möwen haben spitze Schnäbel und können ganz schön zickig werden, wenn man ihnen ihre Beute nicht freiwillig überlässt.

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