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Filmreview — Star Wars: Die letzten Jedi

Filmreview — Star Wars: Die letzten Jedi

Man nehme einen neuen Regisseur für eine alte SciFi‐Saga, die massive Werbekampagne eines geldgierigen Mutterkonzerns und eine Horde wählerischer Fans. Dann erhält man die wahlweise desaströse, perfekte oder nicht auszuhaltende Fortsetzung einer der erfolgreichsten Filmreihen weltweit – nur was denn jetzt?
Titelbild: Ludwig Hagelstein

Die Rebellen wurden gnadenlos dezimiert, das Böse hat sich über die Galaxis ausgebreitet und unterdrückt alles, was es zu unterdrücken gibt. Es kommt, was kommen muss – der letzte Widerstand der Rebellen muss sich seinem ärgsten Feind stellen: Darth Vader und seinen Schergen, dem Imperium!

Moment mal. Das war Das Imperium schlägt zurück.

Die Rebellen wurden gnadenlos dezimiert, das Böse hat sich über die Galaxis ausgebreitet und unterdrückt alles, was es zu unterdrücken gibt. Es kommt, was kommen muss – der letzte Widerstand der Rebellen muss sich seinem ärgsten Feind stellen: Kylo Ren und seinen Schergen, der Ersten Ordnung!

Star Wars: Die letzten Jedi muss sich gerade zu Beginn eingestehen, dass die Parallelen zum ersten Mal, als Star Wars eine Fortsetzung erhielt, mehr als nur auf der Hand liegen. Vielmehr werden sie dem Zuschauer tortengleich ins Gesicht geklatscht. Nachdem im vorangegangen Film Finn der Ersten Ordnung den Rücken gekehrt hatte und gemeinsam mit der Macht‐sensitiven Rey vom Wüstenplaneten Jakku entkommen ist, zerstörten beide mithilfe des Widerstandes die Starkiller Base der Ersten Ordnung. Finn wurde dabei schwer verletzt und wacht nun, zu Beginn des Films, aus seinem Koma auf – nur um festzustellen, dass sich die letzten Überlebenden des Widerstandes auf der Flucht befinden und nun von der Ersten Ordnung aufgespürt wurden. Als er, vom Krieg wenig begeistert, die Flucht ergreifen will, begegnet er der Wartungstechnikerin Rose. Gemeinsam hecken sie einen Plan aus, um der Ersten Ordnung zu entkommen, der eine Meuterei nach sich zieht und die beiden bis auf einen fernen Casinoplaneten führt. Rey hat indes den verschollenen Luke Skywalker ausfindig gemacht und will ihn überzeugen, sich erneut dem Kampf gegen das Böse anzuschließen. Im Laufe ihrer Ausbildung, die ihr Luke nur widerwillig gewährt, kommt sie ihrem Widersacher Kylo Ren und ihrer eigenen Vergangenheit näher.

Gerade die Chemie zwischen Rey und Kylo Ren stellt ein außergewöhnliches Element dar: Oft abrupt beginnend und ebenso unerwartet endend, treibt sie einen frisch wirkenden Dialog zwischen eigentlichen Feinden voran, der vor allem vom überzeugend umgesetzten Bösewicht Kylo Ren profitiert. Wovon der Film allerdings weniger profitiert, sind diverse Entscheidungen einiger Charaktere, die sauer aufstoßen, ebenso die Enttäuschung, die sich einstellt, wenn der Abspann läuft und der Film keine der Fragen beantwortet hat, die nach Das Erwachen der Macht offen waren. Es fällt ungemein schwer, sich mit diesen beiden Steinen, die der Film sich hier selbst in den Weg legt, zurechtzufinden, und es bleibt auch Wochen danach noch als übler Nachgeschmack übrig.

Was dem Film allerdings auf keinen Fall abgesprochen werden sollte, ist die nach wie vor reibungslose Inszenierung, die trotz einer Handvoll aufgesetzt wirkender Momente mitreißt– nicht zu vergessen die angenehm wenig präsente, aber erstklassig performte Action. So bleibt am Ende ein Film, der mehr als gut unterhält, wenn man sich einerseits darauf einlässt, nicht allzu sehr auf den „Aber früher war…“-Zug aufspringt und nicht auf die Star Wars‐Kenner hört.

 

Trinkspiel, um über die anstrengenden Momente hinwegzusehen:

Für Sturmtruppen: Einen Shot verschütten, wenn Leia eine Grimasse schneidet oder etwas Seltsames tut.

Für Raumjägerpiloten: Einen Schluck Bier für jedes seltsame Tier oder Alien, das zu sehen ist.

Für echte Sith/Jedi: Einen Shot Pfeffi für jedes Mal, wenn der eine Star Wars‐Nerd, denn man aus irgendeinem Grund kennt, wütend Luft holt, schnaubt, den Zeigefinger hebt oder „aber“ sagt.

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