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Filmreview — Girls Trip

Filmreview — Girls Trip

Hangover ist jetzt weiblich und schwarz – ein Film über ein durchzechtes Partywochenende und wahre Freundschaft
Titelfoto: Ludwig Hagelstein

Was passiert, wenn man „Hangover“ und  „Girls Club – Vorsicht bissig!“ in einem Mixer schmeißt und mit ein bisschen #BlackGirlMagic verfeinert? Man erhält einen der Kassenschlager des US-amerikanisches Kinos im Jahr 2017: Girls Trip.

Der etwa zweistündige Film handelt von der schwarzen Mädels-Clique, die sich selbst nur die „Flosse Possy“ (zu Deutsch etwa „glamouröser Trupp“) nennen. Im College waren die Mädels unzertrennlich, mittlerweile sind alle Anfang 40 und haben sich seit fünf Jahren nicht mehr getroffen. Zu sehr waren sie mit Job und Familie beschäftigt: Ryan ist inzwischen Bestseller-Autorin (von so tollen Titeln wie „You can have it all“), tingelt mit ihrem Ehemann, dem Football-Star Stewart, durch die Talkshows des Landes und wird als neue Oprah gefeiert. Sasha arbeitet als Promibloggerin und steht kurz vor der Pleite. Lisa wurde zu einer alleinerziehenden Helikoptermutter. Und dann ist da noch die Ulknudel der Clique, Dina. Womit sie ihr Geld verdient, verrät uns der Film leider nicht.

Ryan erhält das Angebot, als Hauptrednerin beim Essence Festival, einem jährlich stattfindenden afroamerikanischen Kulturevent in New Orleans aufzutreten. Prompt beschließt sie, die Flosse Possy wieder zu vereinen und ihre Mädels zu einem Partywochenende in New Orleans einzuladen. Schon am Flughafen wird klar, dass sich alle – mit Ausnahme von Dina –  inzwischen nicht nur stark verändert haben, sondern auch vergangene Konflikte noch nicht ganz ausgestanden sind. In New Orleans versucht die Girl Gang ihre alten Partytage wieder aufleben zu lassen: Mit vielen Shots und mit Absinth versetzten Drinks auf Konzerten ihrer Jugendstars Diddy und Ne-Yo gelingt ihnen das. Dass am nächsten Tag der große Hangover ansteht und auch die Freundschaft der Frauen auf die Probe gestellt wird, kommt wenig überraschend. Eine pathetische Rede am Schluss („Niemand hat die Macht deine Träume zu zerstören, es sei denn du gibst sie ihm“) und genauso emotionale Freundschaftsbekundungen („Du bist meine Bitch für‘s Leben”) runden das vorhersehbare Ganze des Films ab.

Was Girls Trip auf den ersten Blick von anderen Filmen des Genres „Launiger Party-Film“ unterscheidet, ist, dass beinahe alle Schauspieler des Filmes schwarz sind. Der Film macht es sich zudem zum Ziel, den Zuschauern afroamerikanische Kultur und im Sinne der #BlackGirlMagic-Bewegung die Errungenschaften schwarzer Frauen nahezubringen. Sosehr man diese Bemühungen schätzen mag, Diversity allein reicht nicht, um einen guten Film zu machen! Zu bekannt erscheint die Handlung des Films, zu sehr entsprechen die Charaktere gängigen Klischees. Da ist etwa die ehrgeizige Karriere-Frau Ryan, die sich in schwierigen Situationen erst einmal selbst gut zuredet: „Ich bin stark, ich bin kraftvoll, ich bin wunderschön.“ Oder Dina, der chaotische Spaßvogel, der einen zotigen Spruch nach dem anderen raushaut.

Wer sich von all dem nicht abschrecken lässt, Spaß an obszönen Sprüchen à la „Wir gehen nirgendwohin, wenn du nichts von deiner Ritze blitzen lässt“ hat und nicht weiter leben kann, ohne zu erfahren, welche Sexpraktik sich hinter „grapefruiten“ versteckt, der könnte durchaus Spaß an „Girls Trip“ haben. Alle anderen seien auf das Trinkspiel verwiesen.

Trinkspiel:

Der Lieblingsdrink der Mädels im Film sind Hurricanes im Mischverhältnis „Von wegen Hurricanes, das sind Tsunamis.“ Dem Zuschauer sei empfohlen, immer dann ein Schlückchen zu sich zu nehmen, sobald jemand „Flosse Possy“ kreischt.

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