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Filmreview: Colonia Dignidad – Es gibt kein Zurück

Filmreview: Colonia Dignidad – Es gibt kein Zurück

Titelbild: Bianca Taube

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Colonia Dignidad – Was zunächst wie ein erfundener, möglichst dramatisch anmutender Filmtitel klingt, entstammt der Realität und ist der Name einer rund 300-köpfigen deutschen Aussiedler-Sekte in Chile.
Sie wurde 1961 von ihrem Oberhaupt Paul Schäfer gegründet, der sich dort, völlig abgeschottet von der Außenwelt, eine eigene Welt nach seinen Regeln schuf. Obwohl Schäfer seine Anhänger über Jahrzehnte hinweg folterte, malträtierte und gefangen hielt, gelang es ihm lange Zeit, nach außen das Bild einer frommen, hart arbeitenden Glaubensgemeinschaft aufrecht zu erhalten – nicht zuletzt durch die Kooperation mit dem chilenischen Regime und der deutschen Botschaft. Diese wahre Begebenheit verknüpft Regisseur Florian Gallenberg in seinem Film mit der fiktiven Liebesgeschichte von Daniel (Daniel Brühl) und Lena (Emma Watson).

Lena besucht ihren Freund Daniel in der chilenischen Hauptstadt Santiago, der sich dort als Mitglied einer Aktivistengruppe für den amtierenden sozialistischen Präsidenten stark macht. Doch ihr gemeinsames Glück währt nur kurz. Denn es kommt zu einem Militärputsch, bei dem das frisch vereinte Liebespaar erneut auseinandergerissen wird. Während Lena verschont bleibt, wird Daniel als politischer Gegner auf das Gelände der Colonia Dignidad verschleppt und brutal gefoltert. Entgegen aller Ratschläge schließt sich Lena der Sekte an, um dort nach Daniel zu suchen. In der Siedlung herrscht ein kühles, emotionsloses „Miteinander“. Der Alltag ist geprägt von harter Zwangsarbeit und uneingeschränktem Gehorsam gegenüber dem Anführer Paul Schäfer. Bei kleinsten Regelbrüchen drohen den Anhängern schwere Strafen. Obwohl Schäfer ein unausstehlicher, gewalttätiger Exzentriker ist, stellt keiner der Bewohner sein Wort in Frage. Die strikte Trennung von Männern und Frauen macht es Lena außerdem schwer, in Kontakt mit Daniel zu treten. Als sie es endlich schafft, beschließen die beiden, alles auf eine Karte zu setzen und zu fliehen.

Der Film „Colonia Dignidad – Es gibt kein Zurück“ schafft genau das, was er will: Eine historisch brisante Thematik auf recht spannende Art und Weise in die Köpfe der Zuschauer bringen. Die beklemmend emotionslose und unbehagliche Atmosphäre in der Kolonie, die Zeitzeugen beschreiben, wird filmisch und schauspielerisch gut umgesetzt – sei es durch die tristen Farben, die sterilen Kulissen oder die unerhört gefühlskalten Dialoge der Bewohner. Beim Zuschauer entsteht zwangsläufig ein Gefühl des Unwohlseins und man fragt sich, wie ein solch unterdrückender Brainwash möglich sein kann. Natürlich spielt dem Film hier die Tatsache entgegen, dass sein Gerüst auf einer wahren Begebenheit beruht.
Die Handlung bringt einiges an Spannung mit sich, bleibt aber weitestgehend vorhersehbar und erinnert manchmal eher an eine Aneinanderreihung anstatt an ein großes Ganzes, da die Macher offenbar möglichst viele Missstände im Film unterbringen wollten. Gerade am Anfang hätte es außerdem ein wenig mehr Zeit gebraucht, um dem Zuschauer die Liebe zwischen Daniel und Lena angemessen begreiflich zu machen. Trotzdem fiebert man mit und verspürt nicht selten den Drang, Schäfer oder der kaltherzigen Aufseherin Gisela mit einem gezielten Roundhouse-Kick mal so richtig die Visage zu polieren. Nach dem Film kann man trotz seiner durchschnittlichen Spannungskurve nicht anders, als Onkel Google mit Fragen nach dem realen Hintergrund der Colonia zu löchern.
Deswegen an dieser Stelle auch eine klare Film-Empfehlung für alle Drama-Fans, Leute, die ein Faible für die menschliche Psyche haben oder sich für die Thematik von Sekten interessieren. Für einen lockeren Abend oder um einfach mal das Gehirn abzuschalten ist Colonia Dignidad natürlich nicht die richtige Wahl.

 

Das Colonia Menü:

Für das ultimative Colonia-Dignidad-Feeling gibt’s natürlich nur eine Option: trockenes Brot und Wasser. Aber bloß nicht zu viel davon, ihr gottlosen Sünder!

 

Das Colonia Trinkspiel:

Stufe 1:
Bei jedem unterdrückten Roundhouse-Kick ins Gesicht von Schäfer oder Gisela: einen Shot.

Stufe 2:
Jedes Mal, wenn ihr euch fragt, welcher Gehörslegastheniker für die Auswahl von Emma Watsons neuer Synchronstimme zuständig war: 5 Schlucke Bier.

Stufe 3:
Jedes Mal, wenn ihr euch fragt, wo zum Teufel Harry und Ron eigentlich sind: Bier exen.

 

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