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Wie soll man da noch den Pfennig ehren? – Tipps und Tricks zum Studium finanzieren

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  • Zwischen Broke-College-Student-Core und ehrlichen Existenzängsten. Warum das Studium die wohl schlechteste finanzielle Lage unseres Lebens ist.

Das erste Mal von zu Hause weg, die erste eigene Wohnung und das erste Mal die volle finanzielle Verantwortung. Das bedeutet der Studienanfang für viele junge Menschen. Auf diese Aufgaben bereiten einen weder der Deutsch-Leistungskurs noch die intensive Beschäftigung mit Gleichungen und Brüchen vor. Denn der Mietvertrag und die laufenden SEPA-Lastschriftmandate bedeuten eben auch, dass man sich großen finanziellen Verpflichtungen, aber oft nicht großen finanziellen Möglichkeiten stellt.

Ob man nun einen BAföG-Antrag stellt, die Eltern um Unterstützung bittet oder sich dazu entscheidet, neben dem Studium zu arbeiten: Geld brauchen alle und die wenigsten haben genug. Laut einer Studie des Statistischen Bundesamts sind 77 Prozent aller Studierenden, die nicht mehr zu Hause leben, armutsgefährdet. Die Hälfte aller Studierenden in Deutschland hatte im Jahr 2024 unter 867 Euro im Monat zur Verfügung. Der BAföG-Höchstsatz beträgt 990 Euro. Und selbst dieser liegt unter den realen Lebenshaltungskosten. Von Rücklagen kann hier schon lange nicht mehr die Rede sein! Dazu kommt, dass Studierende durchschnittlich mehr als die Hälfte ihres Einkommens im Monat für Miete ausgeben müssen. Und so kommt man im City-Rewe nicht weit.

Kein Geld macht auch nicht glücklich

Die Auswirkungen solch prekärer finanzieller Lagen während des Studiums zeigen sich nicht nur bei der Entscheidung zwischen Persil-Waschmittel und der Supermarkt-Eigenmarke. Sie haben auch einen bedeutsamen Einfluss auf die akademischen Leistungen, sowie auf die mentale Gesundheit. Finanzielle Probleme können zu erhöhtem Stress, Schlafproblemen und Angstzuständen führen. Das ist für viele Studierende Alltag und nicht selten auch der Grund für einen Studienabbruch.

Das zeigt noch einmal das Offensichtliche: Trotz gleicher Semestergebühren und ähnlicher Möglichkeiten zur finanziellen Unterstützung sind die Startbedingungen für ein Studium ungleich und sehr individuell. Finanzielle Probleme während des Studiums sind strukturell. Denn ohne familiäre Unterstützung reichen selbst staatliche Hilfen meist nicht aus. 

Zwischen Existenzangst und steigenden Lebenshaltungs- sowie Miet- und Energiekosten kann man nicht ewig mit Schrödingers Dispokredit leben. Das Konto kann leer sein, auch wenn man nicht nachschaut.

BAföG Formulare wie Heu

Ein Programm, was hier eigentlich greifen sollte, ist BAföG. Diese Art der staatlichen finanziellen Unterstützung ist für viele Studierende in Deutschland existenzsichernd! Im Jahr 2024 bezogen rund 483.800 Student*innen BAföG. Das sind zwischen etwa 13% der Studierenden. Tendenz sinkend. Das liegt mitunter daran, dass die Freibeträge des Elterneinkommens nicht oder zu langsam angepasst werden. Das bedeutet, dass immer mehr Studierende, die eigentlich auf BAföG angewiesen sind, nicht berechtigt sind.

Ein weiteres Problem ist jedoch, dass durch die Inflation die Lebenshaltungskosten weiter steigen und die BAföG-Sätze trotz der Erhöhung im Winter 2024/25 hinter diesem Anstieg zurückbleiben. Das bedeutet für viele Studierende ein Wachstum der finanziellen Engpässe und Probleme. Es ist sogar zu erkennen, dass die durchschnittliche Summe der BAföG-Zahlungen vom Jahr 2023 zum Jahr 2024 um 5 Euro gesunken ist.

Über Geld redet man…

Es ist eine frustrierende Situation: Staatliche Unterstützungen gehen zurück oder passen sich den stetig steigenden Kosten gar nicht oder viel zu langsam an. Es ist klar zu erkennen, dass trotz bestehender Fördermöglichkeiten wie BAföG, Nebenjobs oder Stipendien die finanziellen Mittel vieler Studierender nicht ausreichen. Denn auch wenn es selbstverständlich sein sollte, dass Studieren kein Armutsrisiko bergen sollte, ist das die Realität. Umso wichtiger ist es, offen über dieses, auch häufig Scham belastete, Thema zu sprechen und, wenn man das möchte, Hilfsangebote wahrzunehmen. Denn egal, was manche Stimmen behaupten: Finanzielle Probleme sind kein Charakter-Building, und auch wenn Sitcoms etwas anderes vermitteln, sollten Instantnudeln nicht das Hauptnahrungsmittel von Studierenden sein.

Tipps und Tricks

Bestehende Angebote und Mittel zur Studienfinanzierung reichen häufig nicht aus. Trotzdem machen sie für viele einen großen Unterschied. Dafür ist es natürlich wichtig zu wissen, wie, wann und wo man eventuell benötigte Unterstützung suchen kann. Deswegen hier ein paar Tipps und Tricks:

BAföG

Wie oben schon angesprochen, gibt es in Deutschland das BAföG, eine Sozialhilfe für Auszubildende, Student*innen und Schüler*innen. Das ist praktisch ein Ausgleich für den Pflichtunterhalt der Eltern, in Situationen, in denen der Unterhalt nicht oder nur zum Teil gezahlt werden kann.

In jedem Bundesland sind die jeweiligen Studierendenwerke für die Bearbeitung von BAföG-Anträgen zuständig. Dort erfolgt zum einen die Antragstellung, aber auch Beratungs- und Unterstützungsangebote stehen zur Verfügung. Gerade durch die berühmt-berüchtigte Bürokratie rund um BAföG kann es überfordernd sein, sich mit diesem Papierberg oder mittlerweile auch der digitalen Enzyklopädie des eigenen Seins auseinanderzusetzen.

Für solche Situationen gibt es Hilfsangebote von studentischen Organisationen und öffentlichen Institutionen. Dazu zählen unter anderem die Sozialberatung des Studierendenwerks Würzburg oder die Sozialberatung der Universität Bamberg. Auch Initiativen wie Studis gegen Rechts bieten einen BAföG-Unterstützungsprogrammtag an, bei dem Studierende anderen Studierenden helfen, die Bürokratie hinter BAföG zu verstehen und zu bewältigen. Diese Angebote findet man auf den jeweiligen Websites und Instagram-Accounts.

Stipendien

Bei Stipendien denkt man schnell an Bestnoten und Elite-Unis. Tatsächlich ist die Chance, ein Stipendium zu erhalten, jedoch höher, als viele denken. Es geht dabei nicht immer nur um die Studienleistungen, sondern auch um soziales Engagement oder kreative Beschäftigungen. Auf der Website der Universität Bamberg findet man eine Vielzahl an Stipendienangeboten mit sehr unterschiedlichen Voraussetzungen.

Es kann einschüchternd wirken, sich auf ein Stipendium zu bewerben, doch ein Versuch kann sich lohnen. Es gibt unterschiedlichste Stipendien, von monatlicher Studienförderung über Vollfinanzierungen bis hin zu einer einmaligen Büchergeld-Unterstützung. Das Oskar-Karl-Forster-Stipendium zum Beispiel wird nach dem Zeitpunkt des Bewerbungseingangs vergeben, wer sich zuerst bewirbt, erhält das Stipendium. Dieses Stipendium unterstützt Studierende bei der Beschaffung von Studienmaterial. An der Universität Bamberg kann man sich zudem bei der Studierendenkanzlei direkt zu Stipendien beraten lassen und Unterstützung erhalten.

Jobben

Naheliegend ist die Suche nach einem Mini- oder Werkstudierendenjob. Das zeigen auch aktuelle Studien des Magazins des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung: Rund 70 Prozent der Studierenden arbeiten neben ihrem Studium. Einen solchen Job muss man jedoch auch erst einmal finden. Dafür gibt es mehrere Möglichkeiten, auch an der Universität Bamberg. Beispielsweise gibt es die Feki-Jobbörse, bei der Nebenjobs, Stellen für Werkstudierende oder Minijobs ausgeschrieben werden. Auch Aushänge in der Universität oder in den Bibliotheken sollten nicht unterschätzt werden. In der TB4 zum Beispiel hängen oft die verschiedensten Jobangebote. Alternativ kann man auch den klassischen Weg gehen, von Laden zu Laden laufen und einfach nachfragen.

Dieser Artikel ist in gekürzter Fassung in der neuestes Printausgabe „unerhört!“ erschienen. Darin findet ihr weitere spannende Artikel und vieles mehr. Hier reinlesen!

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