Du liest gerade
Mit kleinen Schritten die Welt verbessern
Dunkel Hell

Mit kleinen Schritten die Welt verbessern

avatar
  • Die Welt verbessern mit unternehmerischem Ansatz.“ So lautet das Motto von Enactus. Die Non-Profit-Organisation ist in 39 Ländern an 1 600 Hochschulen mit über 62 000 Studenten vertreten. Seit zwei Jahren gibt es Enactus auch in Bamberg. Mit wirtschaftlichen Methoden versucht die Hochschulgruppe gemeinnützige Projekte zu entwickeln, die einen langfristigen finanziellen, sozialen und ökologischen Nutzen bringen.

Ottfried-Redakteurin Anja Heder sprach mit Lisa Horna und Clemens Kucharski, den Teamleitern von Enactus Bamberg und Konrad Kirner, dem Projektleiter von Re-Folder:

Angefangen hat alles im Wintersemester 2013. Sebastian Pfister gründete mit fünf Freunden Enactus Bamberg. Durch Mund-zu-Mund-Propaganda sprach sich das in seinem Bekannten- und Freundeskreis herum. Nach einem Jahr waren es dann schon 25 Mitglieder. Heute sind es mehr als doppelt so viele. 55 Bamberger Studierende verschiedener Fakultäten arbeiten gemeinsam an sowohl regionalen, als auch internationalen sozioökonomischen Projekten. Ziel ist es, dass aus einem Projekt ein längerfristiger ökonomischer Nutzen gezogen werden kann und Enactus Bamberg es an die Beteiligten abgeben kann. Im besten Fall entsteht dann ein neues Start-Up Unternehmen.

Anzeige

Nationale und internationale Projekte

Das erste realisierte Projekt von Enactus Bamberg nannte sich „Spende dein Pfand“. Schon andere Enactus Teams aus Deutschland hatten dieses Projekt erfolgreich verwirklicht. Das Konzept von „Spende dein Pfand“ ist es, verplombte Mülltonnen an verschiedenen Orten in Bamberg aufzustellen. Die Tonnen haben ein Loch im Deckel, durch das Pfandflaschen hineingeworfen werden können. Die Diakonie Bamberg wählt eine bedürftige Person aus, die jeweils eine Tonne wöchentlich leeren darf. Ein Teil des darin gespendeten Pfandes geht an die Person selbst, der Rest an den Kooperationspartner Diakonie Bamberg. Seit letzter Woche stehen nun an der Feki Mensa und der Innenstadt Mensa die zwei ersten Tonnen, in die nun fleißig gespendet werden kann.

„Keller Körbla“ ist ein weiteres Projekt, das anfangs noch „Regnitzkiste“ hieß. Im „Keller Körbla“ befinden sich Spezialitäten aus Bamberg und Umgebung. Es ist außerdem der perfekte Begleiter für einen Besuch „auf’m Keller“. Das „Keller Körbla“ lässt sich in mehrere Brotzeitbretter zerlegen, von denen die fränkischen Leckereien gegessen werden können. Im Henkel ist außerdem ein nützlicher Flaschenöffner integriert. Enactus Bamberg hat das „Keller Körbla“ zusammen mit der Lebenshilfe Bamberg entwickelt. Körperlich und geistig behinderte Menschen der Lebenshilfe stellen das „Keller Körbla“ her und befüllen es mit regionalen Produkten. Ab 2016 wird es von Bamberger Brauereien und der Tourismuszentrale vermarktet.

Projekte wie das „Keller Körbla“ werden von den Studierenden in Eigenregie entwickelt. In Gruppen von ungefähr sechs Personen tüfteln sie an neuen Ideen und deren Umsetzung. Zunächst schauen sie, wo sich momentan in unserer Gesellschaft Probleme befinden und wo Menschen Hilfe brauchen. Dabei arbeitet Enactus unter anderem eng mit der Stadt Bamberg zusammen. Nach der Idee folgt die Umsetzung in der Praxis. Es muss ein Konzept entwickelt werden und es müssen Kooperationspartner sowie Sponsoren gefunden werden, die das neue Projekt unterstützen und finanzieren. Bis ein Projekt reif für die Verwirklichung ist, vergehen mehrere Wochen. Danach muss es sich in der Praxis beweisen. Erst dann wird deutlich, ob es dauerhaft tragbar sein wird und es an die beteiligten Personen weitergegeben werden kann. Die Projekte werden dann voraussichtlich noch Jahre weiterlaufen.

Integration und Lebensunterhalt für Flüchtlinge

So wie auch zwei weitere Projekte von Enactus Bamberg: „Re-Folder“ und „Social Soap“.
Bei Re-Folder gestalten Flüchtlinge aus Bamberg und Umgebung gespendete Ordner neu, die danach verkauft werden. Begonnen hat das Projekt bei einem Event. Mitglieder von Enactus Bamberg trafen die Flüchtlinge und haben sie näher kennengelernt. Danach ging es ans Praktische. Gemeinsam mit den Flüchtlingen haben sie Ordner, die unter anderem von Kanzleien, Ämtern und der Stadt Bamberg gespendet wurden, mit Spraydosen in verschiedenen Farben individuell gestaltet. Daraufhin haben sie das Re-Folder Logo aus Pappe ausgeschnitten und wiederum mit Spraydosen auf den Ordner übertragen. Die neu gestalteten Ordner wurden anschließend an verschiedenen Uni-Standorten verkauft. Kooperationspartner des Projekts ist Freund statt Fremd e.V., ein Verein, der Asylsuchende in Bamberg und Umgebung unterstützt. An ihn werden die Erlöse der verkauften Ordner gespendet. Die Spenden gehen dann in Form von Sachspenden an die Flüchtlinge.
In Zukunft soll den Flüchtlingen beigebracht werden, wie sie eine gleichbleibende Qualität der Ordner sicherstellen können. Wenn ein gewisser Qualitätsstandard erreicht ist, werden die Ordner im Einzelhandel (z.B. in Copy Shops) verkauft. So werden Integration und Lebensunterhalt der Flüchtlinge durch das Projekt langfristig unterstützt.

Ein internationales Projekt von Enactus Bamberg ist „Social Soap“. In Regionen Afrikas ist die Sterberate von Kinder sehr hoch. Studien haben gezeigt, dass die Benutzung von Seife die Sterberate erheblich senken würde. Enactus Bamberg machte sich daraufhin Gedanken, wie den Menschen vor Ort geholfen werden kann. Ihre Lösung: Man bringt ihnen bei, Seife herzustellen und wie sie diese an ihre Mitbewohner vertreiben können. Außerdem sollen die Menschen über Hygiene und das richtige Benutzen von Seife aufgeklärt werden. In Zusammenarbeit mit einem Partner aus Katutura einem Vorort der namibischen Hauptstadt Windhoek und einer Organisation, die HIV positive Frauen unterstützt, wurde das Projekt weiterentwickelt. Die Frauen sollen das Herstellen der Seife und das wirtschaftliche Know-How zum Verkaufen der Seife erlernen. Durch den Verkauf und die Aufklärung sollen die Hygienestandards verbessert werden. Dadurch soll die Sterberate sinken. Die Frauen, die die Seife verkaufen, können außerdem vom Erlös wichtige Medikamente kaufen und ihren Lebensunterhalt bestreiten.

Jährlich finden in allen Ländern, in denen Encatus vertreten ist, sogenannte National Cups statt. Mit den beiden Projekten „Re-Folder“ und „Social Soap“ hat Enactus Bamberg am 18. Juni dieses Jahres an diesem Cup teilgenommen. Die besten Teams qualifizieren sich wiederum für den World Cup. Beim National Cup werden alle teilnehmenden Teams in sogenannte Leagues eingeteilt. Eine League besteht aus fünf Teams und am Ende kommt nur das beste Team in die finale Runde. Jede Gruppe hat 17 Minuten Zeit, um zwei Projekte vorzustellen. Die Präsentation wird von vier Teammitgliedern auf Englisch vor einer Jury aus Unternehmensvertretern und Sponsoren vorgetragen. Im Hintergrund läuft eine aufwendig gestaltete Präsentation rund um das Team und die zwei vorgestellten Projekte. Nach genau 17 Minuten wird den Teams das Mikro abgestellt. Danach haben sie weitere fünf Minuten Zeit, um Fragen der Jury zu beantworten. Beim diesjährigen National Cup in Mannheim haben insgesamt alle 40 deutschen Teams teilgenommen. Für Enactus Bamberg war es die erste Teilnahme. In ihrer League mussten sie gegen Brandenburg, Erlangen-Nürnberg, Bayreuth und München antreten. Da die Bamberger das jüngste Team auf der Veranstaltung waren und sie letztes Jahr nur als Zuschauer dabei waren, zählte für sie das Motto „dabei sein ist alles“. Über den zweiten Platz in ihrer League haben sie sich dann besonders gefreut. Damit landeten sie unter den Top 10 in ganz Deutschland. Nächstes Jahr wollen sie erneut teilnehmen. Dann hoffentlich mit noch mehr Mitgliedern, zwei starken innovativen Projekten und offiziell als Enactus Bamberg e.V.

Wer sich Enactus Bamberg anschließen möchte und in einem jungen Team mit engagierten und offenen Kommilitonen an neuen Projekten arbeiten möchte, ist jeder Zeit herzlich Willkommen.

Wer mehr über Enactus und aktuelle Projekte erfahren will, findet die Gruppe auch auf Facebook:
https://www.facebook.com/bamberg.enactus

Kommentare anzeigen (0)

Leave a Reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

© 2015 - 2022 Ottfried e.V.