Rot. Romantisch. (R)emotional.
Der Optimismus kickt
Der Lernplan steht und hängt in Post-its an meiner Wand. Gerade war ich noch Textmarker kaufen, zur Motivation. „Diesmal fang’ ich rechtzeitig an“, nehme ich mir vor, „gleich morgen. Pro Tag eine Vorlesung, dann wird die Klausurenphase entspannt. Das klingt doch machbar!“
Es wird prokrastiniert
Der Wasserkocher muss entkalkt werden, das Gewürzregal entstaubt und die Playlist muss auch noch upgedatet werden. Denn ohne gute Musik in den Ohren ist es ja schlicht unmöglich, sich wirklich aufs Lernen zu konzentrieren. Und gerade, als ich mich auf den Weg in die Bib machen möchte, schau’ ich ein letztes Mal auf Instagram. Aus fünf Minuten werden drei Stunden. Lernen? Morgen. Oder übermorgen, vielleicht …
Einmal Koffein intravenös bitte!
Die Zeit holt mich ein. Sieben Tage noch. Gerade mal zwei Vorlesungen sind zusammengefasst. Wie viele mir noch fehlen? Kein Plan. Jetzt hilft nur noch eins: Mate, Kaffee, Schlafentzug. Raus aus dem Bett, rein mit dem Koffein. Mein Herz schlägt doppelt so schnell und ich hoffe, dass auch mein Gehirn die Powerpoint-Folien in doppelter Geschwindigkeit aufsaugt.
Der komplette Nervenzusammenbruch
Es ist 1:37 Uhr und ich schleppe mich aus meinem Zimmer Richtung Küche. Neue Mate holen. „Uhhh, du hast aber ’nen irren Blick drauf. Lernst du immer noch?“, fragt mich meine Mitbewohnerin. Ich habe darauf nur eine Antwort: „Wo finde ich auf der Uni-Website eigentlich den Antrag auf Exmatrikulation?“
Fortuna, bitte, erhöre mich!
Nur noch drei Stunden. Genug Zeit, um ein letztes Mal alle Lernzettel durchzugehen. Hoffentlich klappt das mit dem Kurzzeitgedächtnis. Ich merke, wie wenig ich eigentlich kann. Also Laptop zu und lieber anfangen zu beten. Egal ob an die Göttin des Glücks, das Schicksal oder die letzte aufmerksame Gehirnzelle.
Die Klausur: Quietschender Boden und zu wenig Toiletten
Kapellenstraße 13. Wer auch immer diesen Klotz zum Klausurraum auserwählt hat, muss Studierende hassen. Vor mir liegen drei Textmarker, mein Lieblingskuli (und zur Sicherheit noch ein Zweiter) und der Prüfungsbogen. Ich drehe die Blätter um und verstehe die erste Frage schon nicht. „Was eine Scheiße“, denk’ ich mir. Irgendwie schaffe ich es verzweifelt die 90 Minuten durchzuschreiben. Hoffentlich reicht’s.
Die After-Amnesie
Die Tür fällt hinter mir zu und ich steige die Treppen hinunter. Mein Gehirn löscht alles. Thema der Klausur? Keine Ahnung. Welche der offenen Fragen ich genommen habe? Vergessen. Egal, Hauptsache erstmal weg. Und hoffentlich muss ich sie nicht nochmal schreiben.
Bing: Prüfungsergebnis einsehbar
Ich wache auf. Die Klausur ist Wochen her, der Stress fast vergessen. Jetzt erstmal entspannen. Eigentlich will ich nur kurz schauen, wie spät es ist, doch dann sehe ich sie. Eine unschuldige E-Mail: „Info: Prüfungsergebnis einsehbar“. Mit zitternden Fingern melde ich mich in FlexNow an. Meine Gebete wurden erhört: Bestanden. Sogar besser als gedacht. „Na ja, eigentlich war’s ja auch gar nicht so schlimm. Und nächste Klausurenphase fang’ ich einfach früher an.“ Wer’s glaubt!
Rot. Romantisch. (R)emotional.