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Eine Frau im Weißwurstolymp
Dunkel Hell

Eine Frau im Weißwurstolymp

Immer wieder lädt der Ring Christlich Demokratischer Studenten e.V. politische Persönlichkeiten aus Bamberg zu seinen Stammtischen ein. Zuletzt berichtete Ottfried über den Besuch des CSU-Stadtrats You Xie, der mit seinem prägnanten Wahlspruch „Ente gut, alles gut“ jede Menge Aufmerksamkeit erlangte. Auch Melanie Huml saß bis vor Kurzem im Bamberger Stadtrat; mittlerweile hat sie ihr Weg bis zum Amt der Staatsministerin im Kabinett Seehofer geführt.

Meckern, aber selbst nichts tun – das geht gar nicht!

Seit einigen Jahren war sie dort schon als Staatssekretärin eingesetzt, nun leitet sie seit zwei Jahren das Ministerium für Gesundheit und Pflege. Als jüngste Landtagsabgeordnete, jüngste Ministerin und schließlich als erste Frau, die während ihrer Amtszeit im Kabinett ein Kind bekam, hat sie in vielerlei Hinsicht eine Karriere der Superlative hingelegt. Auf Champagner und den roten Teppich wurde vergangenen Donnerstag trotzdem verzichtet. Wie man es von einem Zusammentreffen zwischen der traditionsreichen Hochschulgruppe und einer waschechten Oberfränkin nicht anders erwarten würde, traf man sich stattdessen auf gewohntem Terrain: zum Weißwurstfrühstück im historischen Schlenkerla-Brauhaus.

Sie habe sich schon immer geärgert, wenn Leute über die Zustände meckern, aber nicht selbst bereit sind etwas dagegen zu unternehmen, erzählte Huml nachdem alle an der massiven Holztafel Platz genommen haben. Mit 18 Jahren trat sie darum in die Junge Union ein, ganz getreu ihrem Lebensmotto: „Wenn viele kleine Leute an vielen kleinen Orten viele kleine Schritte tun, können sie das Gesicht der Welt verändern“ — Seitdem hat sie schon viele Schritte getan und viel verändert. Als Frau in der Männerdomäne Politik wurde sie dabei manchmal mit unverhohlener Skepsis betrachtet. Ein zynisches „Willkommen im Haifischbecken Oberfrankens“ oder ein überraschtes „Mit dir habe ich hier nicht gerechnet“ musste sie zu Beginn ihrer Karriere so manches Mal ertragen – aber „ansonsten waren alle sehr nett“, sagte sie lachend und wank ab.

Seit Oktober 2013 arbeitet sie nun schon als Gesundheits- und Pflegeministerin unter Horst Seehofer. „Der gesamte Hospizbereich wurde mit nur einer halben Stelle abgedeckt als ich das Amt antrat“, erzählte sie kopfschüttelnd. Sie leitete umfangreiche Umstrukturierungen für ihr Ministerium ein, die den Gesundheits- und den Pflegebereich miteinander verbanden. Angesichts der demografischen Entwicklung ist es so ein Ministerium mit Zukunft. „Obwohl wir das Haus mit dem kleinsten Etat sind, haben wir – wie ich finde – schon sehr viel erreicht“, resümierte Huml und lud die RCDS-Mitglieder ein, Fragen zu stellen.

In der folgenden fast zweistündigen Diskussion ging es zum Beispiel darum, wie man die Pflegeausbildung sinnvoller und attraktiver gestalten oder mit welchen Förderprogrammen man dem Ärztemangel im ländlichen Raum begegnen könnte. Die Ministerin hat hierfür ein Förderprogramm ins Leben gerufen, das unter anderem Ärzte und Psychotherapeuten motivieren soll, sich in Gemeinden niederzulassen, die nicht überversorgt sind. Aber das Interesse Humls endet nicht, wo die Gesundheitspolitik aufhört. Als Vorsitzende des Uni-Kuratoriums liegen ihr besonders die Studienbedingungen in Bamberg am Herzen.

So muss Frühstück in Bayern — Foto: Maximilian Krauss

Obwohl in der Runde eine generelle Zufriedenheit herrschte („Als Bamberger Studierender hat man es wirklich sehr gut“), sprach der CSU-Nachwuchs doch auch einige Probleme an: Die „Generation Praktikum“ ist ein Thema, ebenso die verschlechterten Studienbedingungen seit Abschaffung der Studiengebühren, die Bestrebungen vieler Unternehmen, den Mindestlohn zu umgehen, und die geringe Attraktivität einer wissenschaftlichen Laufbahn aufgrund von befristeten Verträgen. Während die Studierenden ihre Kritik schilderten, machte sich die Ministerin fleißig Notizen und versprach, sich damit auseinanderzusetzen.

Zuletzt wagten die jungen RCDS-Mitglieder noch den Blick über den eigenen Tellerrand hinaus und brachten die besonders brisante Flüchtlingsdebatte auf den Tisch. Von der Ministerin wollten sie wissen, wie das tausendfache Sterben im Mittelmeer und die prekäre Lage in den Flüchtlingsheimen angegangen werden können. „Ein schwieriges Thema“, so Huml. Es bräuchte vor allem eine stärkere Zusammenarbeit mit Krisenländern wie Libyen und eine verkürzte Antragszeit. Es sollte zeitnah klar sein, wer in Deutschland bleiben darf und wer nicht. Momentan beruhen ihre Hoffnungen auf mehr Geldern vom Bund, um Personal aufzustocken und die Flüchtlingsplätze auszubauen. Schon jetzt sollen – über das eigentliche Kontingent hinaus – 100 Frauen in Bayern aufgenommen werden, die beispielsweise aufgrund von Vergewaltigungen keine Zukunft mehr in ihrem Heimatland haben. Auf einer großen Kabinettsitzung am vergangenen Dienstag wurde über das Thema Asyl diskutiert. Die Staatsregierung beschloss dabei unter anderem die Zahl der Plätze in den Erstaufnahmeeinrichtungen auszubauen.

Ein für beide Seiten produktiver Vormittag ging zu Ende, als die Ministerin letztendlich wieder aufbrach. Mit einem Dankesstrauß des RCDS in der Hand, ihrem kleinen Sohn auf dem linken und einer Mappe voller neuer Anregungen unter dem rechten Arm, verabschiedete sie sich zu ihrem nächsten Termin.

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