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Dicke Luft in der TB3
Dunkel Hell

Dicke Luft in der TB3

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  • Der Totalausfall der Lüftungs- und Klimaanlage in der TB 3 beschäftigte den studentischen Konvent in seiner fünften Sitzung am vergangenen Donnerstagabend. Themen waren außerdem der Antrag auf ein englisches Transcript of Records für alle Studierenden und die Nachlese zur Hochschulwahl. Drei Stunden lang diskutierten die 18 Mitglieder des Gremiums und beschlossen mehrere Anträge, die an die Universitätsleitung weitergeleitet werden.

Auch wenn ihn wegen des vielen Regens bislang niemand so richtig auf dem Schirm hat: Der Sommer wird kommen. Umso unerfreulicher sei der Ausfall der Klimaanlage in Bambergs kapazitätsgrößter Teilbibliothek an der Feldkirchenstraße so kurz vor den Prüfungen, begründete Tobias Frese von der LHG den Dringlichkeitsantrag seiner Fraktion. Eine „angemessene Raumtemperatur als auch eine ausreichende Versorgung mit Frischluft“ seien nicht gewährleistet. Ähnlich problematische Bedingungen sollen auch im Obergeschoss der TB 5 und im dritten Obergeschoss der Feldkirchenstraße 21 (Feki) herrschen. „Insbesondere das Flachdach und die großen Fensterfronten, an denen sich nur einige Fenster wenige Zentimeter öffnen lassen, sind Faktoren, die das Arbeiten in diesen Räumlichkeiten unmöglich machen“, kritisierte Frese. Ebenso sei eine Verriegelung von Fenstern mancher Universitätsgebäude in der Innenstadt aufgrund von Sicherheitsvorschriften nicht nachvollziehbar. Schließlich würden die Räume von erwachsenen Studierenden und Dozierenden genutzt, die in aller Regel nicht suizidgefährdet seien.

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Bei den anderen Hochschulgruppen fand der Antrag großen Zuspruch. RCDS-Vertreter Ralph Edler war es aber ein Anliegen, die Büros der Dozierenden im dritten Stock der Feki mit in den Antrag einzuschließen. „Da finden die Sprechstunden statt und auch dort ist generell das Arbeiten nach zehn Uhr an heißen Tagen problematisch“, erklärte er. Der Konvent nahm den Antrag einstimmig an und fordert die Universitätsleitung auf, die Lüftungs- und Klimaanlagen in den entsprechenden Teilbibliotheken zu überprüfen und die Situation in dritten Obergeschoss der Feki zu überdenken. Dieser und alle weiteren Beschlüsse des amiterenden Konvents können hier im Wortlaut nachgelesen werden.

Dr. Fabian Franke, Direktor der Universitätsbibliothek, gab auf Nachfrage des Ottfrieds bekannt, dass die Kälteanlage nicht zu reparieren sei, sondern ersetzt werden müsse. Ein konkreter Termin für die Erneuerung sei aber wegen der ungeklärten Finanzierungsmöglichkeiten nicht absehbar. Er erklärte, dass die Uni in der Zwischenzeit den Einsatz von Standventilatoren prüfe. „Uns ist schon bewusst, dass das nur bedingt hilft, aber mehr können wir derzeit leider nicht tun“, bedauerte Franke.

Der Bericht von Ewgenij Woltschanskiy (USI) sorgte in der Konventssitzung für allgemeine Empörung. Demzufolge hätten einige Professoren angekündigt, bei der Einsichtnahme in Prüfungen das Recht auf Abfotografieren der Prüfungen zu umgehen. So sollen nur noch Noten und Punkte, aber keine Korrekturen bekannt gegeben werden. Andere Dozenten wollen lediglich die Antworten der Studierenden zur Einsichtnahme freigeben, nicht aber ihre Prüfungsaufgaben und Fragen. Ein Beschluss zu diesem Sachverhalt wurde verschoben, da bislang nur Absichten, aber keine konkreten Fälle bekannt seien.

Erschwert die Uni Auslandspraktika?

Zwei weitere Anträge wurden zuvor in der Sitzung beschlossen: Dem Anliegen der USI, ein englischsprachiges Transcript of Records einzufordern, stimmten alle Konventsmitglieder zu. Die USI begründet ihren Antrag damit, dass sich die Universität zwar gerne weltoffen präsentiere, es mit dieser gelebten Internationalität aber nicht weit her sei, wenn es um die Bewerbung von Studierenden für Auslandspraktika oder ‑semester gehe. Ewgenij Woltschanskiy sagte: „Hier müssen Studierende alle bisher erbrachten Lehrveranstaltungen selbst übersetzen. Das führt dazu, dass sie vom Auslandsamt zurückgeschickt werden, weil irgendetwas nicht stimmt. So verzögert sich der ganze Prozess unnötig.“ Eine einheitliche Übersetzung durch die Universität erhöhe die Professionalität der Notenabschriften und sei an anderen Hochschulen bereits etabliert, ergänzte er unter Verweis auf die Universität Erlangen. Florian Hackmanns (Jusos) Hinweis, die standardmäßige Übersetzung auch für das FlexNow2-Datenblatt zu verlangen, da das eigentliche Transcript of Records lediglich nach Abschluss des Studiums ausgestellt werde, wurde übernommen. Der Konvent verabschiedete den Antrag ohne Gegenstimme.

Ein weiterer Antrag, eingebracht von Florian Hackmann, beschäftigte sich mit dem Thema eines fairen Wahlkampfs. Nach den positiven Erfahrungen mit dem Wahlkampfagreement in dieser Legislaturperiode forderte er, auch für das nächste Jahr eine solche Vereinbarung für einen faire Wahlkampf und sagte: „Der Antrag soll keine inhaltlichen Vorgaben enthalten.“ Vielmehr gehe es um strukturelle Vorgaben als Selbstverpflichtung für den Konvent. Die gute Arbeit des AK Hochschulwahlen bestätigte auch Ralph Edler, widersprach aber, dass es nicht Aufgabe des jetzigen Konvents sei, seinen Nachfolgern per Beschluss ein Wahlkampfagreement vor die Nase zu setzen, zumal viele Vertreter im nächsten Wahlkampf nicht mehr anträten.

Dieser Argumentation folgte eine Reihe von Einwänden. So unterstrich Martin Hillebrand von der LHG, dass es nicht von einer Kandidatur abhänge, für einen fairen Wahlkampf zu sorgen. Die Juso-Vertreterin Anna Randelzofer wies darauf hin, dass der Antrag einem Informationsverlust der neuen studentischen Vertreter vorbeuge. In der Diskussion wurde außerdem mehrfach auf die Möglichkeit des nächsten Konvents hingewiesen, das Agreement unter den Tisch fallen zu lassen. Letztlich machte die Annahme des Antrags mit 17 Ja-Stimmen und einer Enthaltung deutlich, dass der Konvent eine Geltung seine Positionen voraussetzt, die über die eigentliche Amtszeit hinausgeht.

Hochschulwahlen verdauen

Ohne Beschluss analysierten die Mitglieder des Konvents am Sitzungsbeginn, das Ergebnis der Hochschulwahlen, insbesondere aber die erneut niedrige Wahlbeteiligung. Während sich die dienstälteren Konventsmitglieder mit der Erfahrung von bis zu drei Hochschulwahlkämpfen frustriert zeigten und resigniert eingestanden, nicht zu wissen, wie man die Kommilitonen an die Urnen bringen könne, brachten andere neue Ideen ein. So schlug Tobias Frese die Übertragung der Podiumsdiskussion von Kandidaten und Hochschulgruppen per Livestream etwa auf Facebook vor. Die sah Anna Randelzofer kritisch und warb dafür, im gesamten Semester und nicht nur vor den Wahlen auf die Hochschulpolitik aufmerksam zu machen. Weiter wurden aber auch die Sinnhaftigkeit einer Studierendenbefragung zum Desinteresse an den Wahlen und eine stärkere Betonung der Holschuld der Studierenden diskutiert. Insgesamt wurde das Vorgehen der Fachschaft HuWi gelobt, die am Wahltag in allen großen Vorlesungen auf die Wahl hingewiesen habe. Dieses Vorgehen sollte sich, so die einhellige Meinung, zum Vorbild genommen werden und über eine Kooperation mit den Fachschaften im Wahlkampf nachgedacht werden.

Die Debatte wurde aufmerksam von mehreren für die nächste Legislaturperiode gewählten Konventsmitgliedern verfolgt. Neben der allgemeinen Gremienarbeit dürfte für sie von besonderem Interesse gewesen sein, welche Möglichkeiten zur Diskussion stehen, die Wahlbeteiligung zu erhöhen.

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