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Psychotherapie weiterhin in finanzieller Gefahr

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  • Auch drei Jahre seit Beginn der Demonstrationen zur fehlenden Finanzierung der Weiterbildung für Psychotherapeut*innen ist keine Besserung der Situation in Sicht. Hier liest du, was eigentlich abgeht und was du tun kannst.
Demonstrierende ziehen mit Schildern durch die Luitpoldstraße in Bamberg. Sie fordern eine geregelte Finanzierung der Psychotherapeutenausbildung.

Vor drei Jahren (23. März 2023) wurde die Bundestagspetition für eine klare Finanzierung der Weiterbildung für Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten veröffentlicht. Final hat sie auf der Website des Bundestags 54.097 Mitzeichner gezählt und auch ca. 18.000 Offline-Unterschriften konnten gesammelt werden. Weiter gingen bundesweit zahlreiche Psychologiestudierende und Therapeut*innen in Ausbildung demonstrieren. Trotzdem hat sich bisher nichts an der prekären Lage der Weiterbildung geändert. Die Psychologie-Fachschaften-Konferenz (PsyFaKo) sowie das Forum für Psychotherapeut*innen in Weiterbildung (PtW-Forum) reagieren darauf mit weiteren bundesweiten Demonstrationen im Rahmen des Aktionsmonats Mai. 

Problem Weiterbildung – Hatten wir das Ganze nicht schon mal?

Schon bei der Bamberger Demonstration zur Finanzierung der Weiterbildung zum*r Psychotherapeut*in im Oktober 2024 war der Ottfried vor Ort. Damals haben wir über die Missstände des Gesundheitssystems berichtet: Tausende Masterabsolvent*innen, die aufgrund der ungeklärten Finanzierungslage ihren Weg zum*r vollständig ausgebildeten Psychotherapeut*in nicht vollenden können und ein Drittel der Psychotherapeut*innen kurz vor der Rente. Das führt zu immer mehr Engpässen in der psychotherapeutischen Versorgung. Das Unverständnis für die Entscheidungen der Regierung war groß. Über 200 Demonstrierende waren schon damals auf der Straße.


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Wenn du eine ausführlichere Erklärung der Hintergründe lesen möchtest, kommst du hier zum vollen Artikel: Keine Finanzierung, keine Therapie“.

Seitdem hat sich wenig getan. Die Finanzierung der Weiterbildung ist weiterhin ungeklärt. Zwar will die Regierung der Union und SPD laut Koalitionsvertrag die Weiterbildungsfinanzierung sicherstellen“, wann und wie dieses Ziel allerdings umgesetzt wird, ist unklar. 

Geldhahn zu für deine Therapie

Statt zu investieren, spart der Staat in Sachen Psychotherapie nun noch weiter: Seit dem 1. April sind Psychotherapeut*innen von Kürzungen des Honorars um 4,5 % betroffen – trotz Inflation und steigendem Bedarf. Leider kein schlechter Aprilscherz, sondern eine weitere Belastung im Versorgungsnetz für psychische Erkrankungen. Gleichzeitig ist eine Budgetierung, also Einschränkungen der Kostenübernahme, in der Versorgung geplant. Das bedeutet weitergedacht, dass Klient*innen in Zukunft noch länger auf einen Therapieplatz warten müssen oder die Kosten selbst tragen müssen.

Zur Einordnung: Schon jetzt müssen sich gesetzlich versicherte Patient*innen für eine Behandlung laut Auswertungen der Bundespsychotherapeutenkammer von Versichertendaten aus 2019 mindestens drei bis neun Monate gedulden. Dazu kommt eine weitere Belastung für Psychotherapeut*innen, die noch im „alten“ System ausgebildet wurden. Vor der Reformierung des Psychotherapeutengesetzes im Jahr 2019 mussten Auszubildende mehrere zehntausend Euro zahlen viele mussten hierfür einen Kredit aufnehmen. Auch diese Therapeut*innen sind von den Honorarkürzungen betroffen und können ihre Kredite oder hohen Ausgaben nun noch schwieriger begleichen. 

Sparen, wo nicht gespart werden darf

Strenge Austerität, also Disziplin und Sparsamkeit, ist das Stichwort für die Wirtschaftspolitik unter Bundeskanzler Merz. Wir müssen in diesem Land wieder mehr arbeiten“, gilt als eines der polarisierendsten Zitate des Kanzlers. Weniger Krankheitstage, mehr Arbeitskraft. Tatsächlich sind psychische Erkrankungen in 35% aller Fälle Grund für eine Berufsunfähigkeit und damit die häufigste Ursache für Arbeitsausfälle. Psychische Gesundheit sollte im Sinne der Arbeitskraft also noch stärker gefördert werden die Kürzungen bei Honoraren und Therapieplätzen sprechen aber klar gegen eine solche Haltung.

Psychotherapie kann Menschen vor einer Arbeitsunfähigkeit bewahren sie fördert das persönliche Wohlbefinden und steigert die Resilienz in stressigen Situationen. Außerdem ist sie auch aus ökonomischer Perspektive von Vorteil. Wer sich frühzeitig mit den eigenen Problemen und Stressoren auseinandersetzt, fällt später nicht wegen psychischen Erkrankungen oder Burnout aus. Menschen, die keine Therapie bekommen, aber eine brauchen, kosten später viel mehr“, bringt es auch Heidi Reichinnek, Vorsitzende der Fraktion Die Linke, laut Deutschem Ärzteblatt bei einer Protestkundgebung von Psychotherapeut*innen im März 2026 auf den Punkt. Psychotherapie kann schon dann greifen, bevor es zu spät ist. Sie sollte also auch präventiv möglich sein, wird aber zunehmend zur Luxusbehandlung.

Demonstrierende im Oktober 2023 auf dem Maxplatz in Bamberg. Unter ihnen Psychotherapeuten und Studierende. Foto: Lara Zlotos
Demonstrierende im Oktober 2024 auf dem Maxplatz in Bamberg. Foto: Lara Zlotos

Wie kann ich laut werden?

Auch heute ist der Leitsatz Keine Finanzierung, keine Therapie“ also noch relevant. Dieser wird laut und kräftig am kommenden Samstag, den 09. Mai, ab 14 Uhr wieder bei einer Demonstration auf Bambergs Straßen zu hören sein. Sei dabei und sei laut! 

Übrigens gehen am Samstag nicht nur in Bamberg Demonstrierende auf die Straße, sondern auch in anderen Städten sind Demonstrationen geplant. Eine Übersicht findest du auf der Website der PsyFako oder auf der Instagramseite von weiterbildung.sichern.

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Demonstration am Samstag, 09.05.2026 in Bamberg

Start des Demonstrationszugs ist um 14 Uhr am Bahnhofsvorplatz. Er endet circa um 15 Uhr zu einer Kundgebung am Maxplatz.

Was kann ich sonst noch tun?

Du willst noch mehr helfen? Hier einige Vorschläge der PsyFako:

  • Unterschreibe die Bundestagspetition gegen die Honorarkürzungen in der ambulanten Psychotherapie.
  • Nimm an einer Brief- oder Postkartenaktion teil: Schicke individuelle Briefe an das Bundesministerium für Gesundheit, Mitglieder des Gesundheitsausschusses oder deine Bundestagsabgeordneten. Vorlagen bekommst du ganz einfach, wenn du eine Mail an psychthg@psyfako.org schreibst.
  • Vernetze dich, falls du Psychologie studierst, in deiner Fachschaft und anderen Hochschulgruppen, die sich mit dem Thema beschäftigen.
  • Informiere dich und kläre deine Kommiliton*innen, Freund*innen und Familienmitglieder auf. Flyer mit Beispielgesprächen zur Vorbereitung und Übung findest du auf der Website des PtW Forum.
  • Like und teile Beiträge zur Finanzierung der Weiterbildung auf Social Media. Dadurch erreichen die Beiträge eine höhere Reichweite und mehr Relevanz im Feed von Anderen.
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