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Wir müssen reden
Dunkel Hell

Wir müssen reden

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  • Ich weiß, dass es tausende Meinungen diesbezüglich in Internet- und Printmagazinen gibt. Ich weiß, dass meine Meinung subjektiv ist und nicht jeder meiner Meinung ist. Aber ich muss darüber reden.

Darüber reden, dass Großbritannien mit einem Volksentscheid für den Ausstieg aus der EU gewählt hat.

Darüber reden, dass in den USA ein gefährlich impulsiver und menschenrechtsverachtender Mensch an die Macht gekommen ist.
Und darüber, dass wir in diesem Jahr in unserem eigenen Land, in Deutschland, Wahlen haben.

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Das soll keine Beeinflussung von zukünftigen Wählern sein, überhaupt nicht. Ich habe gar nicht das Recht dazu, Leuten zu sagen, was sie tun sollen, dafür leben wir in einem demokratischen System. Aber ich kann meine Meinung auf Papier bringen. Und sagen: Ich habe Angst.

Ich habe Angst, weil ich sehe, dass sich in Deutschland eine Partei etabliert und Erfolge einräumt, die in ihrem Parteiprogramm ein „traditionelles Familienbild“ anstrebt, da dieses bisher angeblich durch die „generelle Betonung der Individualität“ untergraben wurde.

Ich habe Angst, weil sich Begriffe wie „Lügenpresse“ und „besorgte Bürger“ verbreiten und immer mehr Leute in ihren Bann ziehen.

Und wenn ich noch einmal jemanden sagen höre: „Ich bin ja kein Rassist, aber“, bevor eine mehr als rassistische Aussage folgt, dann weiß ich nicht, ob ich mich ein weiteres Mal zurückhalten kann. In einer Zeit, in der Populismus und die Erniedrigung anderer zur eigenen Profilierung genutzt wird und viel schlimmer, man damit noch gewinnt, frage ich mich, was eigentlich passiert. Frage ich mich, wie wir als „nächste“ Generation damit umgehen sollen, dass selbst innerhalb der eigenen Verwandtschaft eine solche Verdrossenheit herrscht, dass mir die Worte fehlen.

Ich weiß, dass ich damit die Welt nicht ändern werde. Und ich weiß, dass es weiterhin „Protestwähler“ geben wird, die „aus Gründen“, gegen das System sind und sich dem Populismus hingeben. Aber ich weiß auch, dass wir darüber reden müssen. Für uns. Und das nicht in einer Kneipe bei Bier und mit Zitaten aus Überschriften der BILD-Zeitung.

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