Du liest gerade
Lachen, Klatschen, Malen
Dunkel Hell

Lachen, Klatschen, Malen

avatar
  • Haben es Geisteswissenschaftler schwerer, einen anständigen Beruf zu finden? Was erwarte ich eigentlich von meinem Traumberuf, und tue ich genug dafür?

Scheitern, ganz persönlich – Teil 3

Die Frage, ob ich bis jetzt irgendetwas gelernt habe, das meine Chancen im hart umkämpften kreativen Bereich tatsächlich steigert, lässt mich einfach nicht los. Und doch habe ich mich damals für ein Studium mit der Fächerkombination Literatur-Kunst-Medien entschieden – und nicht für etwas Anständiges wie zum Beispiel Jura, wie Eltern zu sagen pflegen. Bis heute bereue ich nichts an der Entscheidung. Dabei will ich gar nicht bestreiten, dass ich hin und wieder das Gefühl hatte, planlos vor mich hin zu studieren anstatt mein Profil für den Arbeitsmarkt zu schärfen. Ich habe mich aber getraut, meinen Interessen zu folgen. Die Aussicht, mich kreativ auszuleben, reizte mich nun mal einfach mehr als der Gedanke daran, in schweren Gesetzesbüchern rumzublättern.

Qual der Wahl ohne Plan

Mein Studiengang lehrte mich schnell, dass es mehr als nur die Hoffnung auf eine steile Karriere und das schnelle Geld gibt. Nach den Einführungsvorlesungen hatte ich die Qual der Wahl: Von Kurzfilmproduktion über DDR-Literatur bis zu orientalischer Fotokunst war alles dabei. Klar ist es schwer, sich da zu entscheiden: Soll ich lieber nach meinen Interessen belegen oder doch mit einem genauen Plan im Hinterkopf Fächer aussuchen? Ohne eine Idee, wo ich meine Schwerpunkte setzen sollte, stand ich im luftleeren Raum. Manchmal hatte ich das Gefühl, alles und nichts zu lernen und mich auf jeden und keinen Job vorzubereiten.

Anzeige

Tote Floskeln

Zwar ist das angestrebte Berufsfeld vielseitig, doch trotzdem wird man als LKM-Student schnell in eine Schublade gesteckt. Höhnische Bemerkungen wie etwa, ob Lachen-Klatschen-Malen die kreative Alternative zu meinem Studium sei, oder die Frage, was ich später eigentlich mal machen wolle, sind in meinem Kopf zu Floskeln erstarrt.

Für mich heißt es nach wie vor: Liebe, Kunst, Musik.

Je öfter ich diese Fragen beantworte, desto weniger zweifle ich an dem, was ich tue. Das spätere Berufsleben hält für mich die Hoffnung bereit auf mehr Familienfreundlichkeit und auf selbständigeres Arbeiten zu Arbeitszeiten, die mein Körper verkraftet. Diese Werte sind heute nicht mehr selbstverständlich und in vielen Berufen unvorstellbar, bis das ganze schließlich im Burnout mündet. Ich arbeite jedenfalls lieber für weniger Geld, dafür mit der Chance auf eine angemessene Work-Life-Balance.
Lachen-Klatschen-Malen lässt mich nur müde schmunzeln, denn für mich heißt es nach wie vor: Liebe, Kunst, Musik.

Kommentare anzeigen (0)

Leave a Reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

© 2015 - 2022 Ottfried e.V.