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Warum ich liebe, was ich tue: Bestattermeister Freudensprung
Dunkel Hell

Warum ich liebe, was ich tue: Bestattermeister Freudensprung

  • Gestatten: Jörg Freudensprung, Bestattermeister. Teil 16 unserer Serie über Menschen, die wenig zu klagen haben.

Das Bestattungsinstitut Pietät ist ein echtes Bamberger Familienunternehmen. Jörg Freudensprung leitet es bereits in der dritten Generation. Bei unserem Interview erzählt er, wann er wusste, dass der Beruf des Bestatters für ihn der Richtige ist. Dabei spricht er mit dem gleichen Enthusiasmus von seinem Beruf wie von seiner eigenen Bestattung.

Hopp oder top

Ich habe die Bürden des Bestatters schon relativ früh kennengelernt. Samstag, Sonntag und Weihnachten existieren nicht. Neujahr arbeitsfrei funktioniert nicht. Das kennt man schon. Als Junior kriegt man eben mit, was Papa für einen Beruf hat. Nach dem Abitur und der Wehrpflicht dachte ich, ich probiere es mal für ein Jahr. Entweder das ist es, dann mach ich weiter und wenn‘s mir nicht gefällt, dann schmeiß’ ich es. Ich habe Praktika bei anderen Bestattungsinstituten gemacht“, erklärte er. Doch nach diesem Jahr wusste er, dass es das Richtige für ihn ist, den Betrieb seines Vaters zu übernehmen. Da war er gerade einmal 24. Ganz nach dem Motto: Klein, aber mein. „Man bekommt so viel zurück, das weiß ich heute. Die Leute kommen in einer schwierigen Situation, sind hoffnungslos, traurig, überfordert. Und wenn man dann ein ‚Ach danke, dass Sie uns geholfen haben‘ zurück bekommt, dann ist das eigentlich die Bestätigung, die einen weitermachen lässt – und nicht die Gehaltsabrechnung“, erklärt er über die kleinen Freuden seines Alltags.

Und das Beste daran?

“Bei mir war‘s immer das Organisatorische. Es ist einfach schön, wenn man morgens ins Büro kommt und man innerlich einen Plan hat, was den Tag über zu tun ist. Und dann kommen drei Anrufe, die alles umwerfen. Das ist das, was mir persönlich am meisten Freude macht: Nicht wissen, was kommt und spontan schnell organisieren müssen“, berichtet er begeistert. Als wir im Lager stehen und ich die Auswahl an Särgen bestaune, zeigt er auf das oberste Regal und erzählt: „Wir machen ja auch immer Inventur und wenn von denen keiner verkauft wurde, dann war es ein gutes Jahr.“ Erst jetzt erkenne ich die Größe der Särge aus dem obersten Regal und muss schlucken.

Das Leben genießen

Auf die Frage, ob der Beruf ihn dazu bringt, bewusster zu leben, gibt er ein klares, lautes ,Definitiv´ von sich und sagt weiter: „Als Bestatterkind wusste ich eines schon recht früh: wir werden alle sterben. Das verdrängt man als junger Mensch recht lange. Bestatter sind dafür berüchtigt, dass sie auch sehr ordentlich feiern. Ich kriege das jedes Mal mit. Da wird man gefragt, warum ausgerechnet Bestatter so viele Partys geben. Naja, ich weiß eben, dass es morgen vorbei sein kann. Und wenn ich es jetzt nicht auskoste, könnte es passieren, dass ich es gar nicht mehr kann.“

Und die eigene Beerdigung?

„Das ändert sich alle fünf bis zehn Jahre, je nach Altersgruppe und Lebenssituation. Das meiste ist festgelegt. Es wird zum Beispiel eine Feuerbestattung. Ich bin Atheist, also nichts Kirchliches, nichts Christliches, sondern eine Verabschiedungsfeier, die auch den Namen Feier verdient hat. Es muss nicht immer Nullacht-fünfzehn sein“, sagt er. Schon als Jugendlicher war er als „der Bestatter“ bekannt. Noch heute kennt man ihn in seinem Freundeskreis ausschließlich unter diesem Namen. Ob das manchmal genervt hat? „Ja“, gesteht er. „Manchmal war es zu viel. Da sagt man, man ist Versicherungsvertreter, dann gab‘s keine Fragen“, muss er eingestehen. Die meiste Zeit jedoch – und vor allem heute – merkt man, dass Jörg Freudensprung stolz ist auf das, was er macht, und wie er das Familienunternehmen vorangebracht hat.

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