Rot. Romantisch. (R)emotional.
Drei Tampons in sieben Stunden. Blutfleck in der Hose. Periode Tag eins. Ich stehe vor dem Hygiene-Regal im Drogeriemarkt meines Vertrauens und sorge für Nachschub für meinen blutenden Unterleib. Alleine diese Auswahl: Slipeinlagen normal, Slipeinlagen saugfähig, Slipeinlagen mit Duft, Slipeinlagen für String, Slipeinlagen für String oder Panty. Ich greife zu Slipeinlagen normal. Wird schon passen. To-do Nummer eins erledigt. Ich drehe mich um: Tampons. Hier genau dasselbe. Gebt mir doch einfach was zum Blut aufsaugen verdammt! Mein Blick schweift weiter nach oben und da entdecke ich sie: Die Menstruationsscheibe. Zwischen Boobie-Tape und Binden gibt es genau eine. Ich greife danach.
Wird menstruieren ab heute nachhaltiger?
„Ich hab grad so nen Impulskauf getätigt“, plaudere ich auf dem Weg nach Hause in mein Handy. Klar, Binden und Tampons kennen und benutzen die meisten Menstruierenden. Auch Periodenunterwäsche ist in meinem Bekanntenkreis häufiger Thema. Laut einer Umfrage von Statista im Jahr 2020 würden aber 57% gar keine wiederverwendbaren Periodenprodukte verwenden. Periodenunterwäsche habe ich selbst auch schon ausprobiert, aber das ständige Auswaschen war gar nicht meins. Also bin ich doch wieder zurück zu den altbewährten Wegwerfartikeln.
Auch auf die Menstruationstasse umzusteigen, schwirrte schon öfter durch meinen Kopf. Aber dann hat mir eine Freundin erzählt, dass sie ihre wegen des Unterdrucks nicht mehr selbst rausbekommen hat. Weg war der Gedanke. Jetzt sitze ich in meiner WG am Küchentisch und öffne die Verpackung meiner neuen Menstruationsscheibe. Das Produkt zur Monatshygiene ist aus medizinischen Silikon und sammelt das Blut, anstatt es aufzusaugen, ähnlich wie eine Menstruationstasse. Der Unterschied zur Tasse ist aber, dass sie höher, direkt unter dem Gebärmutterhals, sitzt und ohne Unterdruck hält. Bis zu 2000 Tampons kann eine Menstruationsscheibe ersetzen und ist damit mehrere Jahre verwendbar. Maximalen Komfort, keinen Unterdruck und einfache Entfernung verspricht mir die Verpackung. Zudem sei sie auch beim Sport und während des Sex auslaufsicher. Ich bin gespannt.
In welchem Topf darf die Scheibe köcheln?
Ich nehme das kleine rosa Ding aus dem Karton. Es ist ein bisschen kleiner als meine Handfläche. Größe M. Soll bis zu 40ml Blut auffangen. Zum Vergleich: Während einer gesamten Periode verliert man zwischen 50 und 80 ml Blut. In der Anleitung steht, man muss sie vor dem ersten Gebrauch abkochen. Also Topf raus, Wasser rein und Herd an. Vier bis fünf Minuten darf die Scheibe nun ein gemütliches Bad nehmen. Fertig abgekocht, muss sie noch auskühlen und trocknen.
Damit die Menstruationsscheibe nicht schmilzt, wenn sie den Boden berührt, wird sie in einen Schneebesen gesteckt.
Foto: Rebecca Fuchs

Entspannen mit angehobenem Bein
Jetzt geht’s ans Einsetzen. Die Anleitung empfiehlt, sich zu entspannen und eine bequeme Position zu wählen. Als Beispiel wird „in der Hocke oder im Stehen mit angehobenem Bein“ aufgeführt. Ganz ehrlich: entspannt in so ner Position, erst recht, wenn man das das erste mal macht? Unmöglich. Dann muss man die Scheibe mittig zusammendrücken, sodass sich eine 8er-Form ergibt. So ist das Ding mit eigentlich 65 mm Durchmesser besser einzuführen. Easy, klappt.
Jetzt kommt der schwierigste Part: Die Menstruationstasse muss in mich rein. Dazu soll man die inneren Vulvalippen leicht mit der Hand trennen um den Zugang zu erleichtern. Danach wird die Scheibe zusammengefaltet mit der Öffnung in Richtung Bauch eingeführt. So sollte sie in einem leicht diagonalen Winkel positioniert sein. Zum Schluss noch kurz nach oben drücken, dass sie auch sicher oberhalb des Pubis festsitzt. Nur so ist sie auch auslaufsicher. Zu meiner Überraschung dauert diese ganze Prozedur, obwohl ich es das erst Mal versuche, keine 30 Sekunden. Es klappt hervorragend und ist sogar angenehmer als ein staubtrockener Tampon.

Auch wenn die Menstruationsscheibe auf den ersten Blick rießig aussieht, ist sie erstaunlich angenehm einzusetzen. Foto: Rebecca Fuchs
Die Frage aller Fragen: Bekomme ich die Menstruationsscheibe auch wieder raus?
Bis zu acht Stunden kann man die Scheibe verwenden. Genauso wie bei Tampons, besteht sonst die Gefahr, am seltenen, aber lebensbedrohlichen Toxischen Schock Syndrom zu erkranken. Sie muss also auch wieder raus. Schaff’ ich es alleine oder brauch’ ich am Ende doch Hilfe wie meine Freundin mit der Menstruationstasse? Die Anleitung klingt eigentlich ganz einfach: Mit einem Finger soll man den vorderen Rand der Scheibe ertasten, dann den Beckenboden entspannen und den Finger in die Griffkerbe einhaken. So soll sie sich vorsichtig nach unten ziehen lassen. So einfach wie es klingt ist es aber doch nicht. Ich brauche einige Versuche, bevor ich herausfinde, dass die Griffkerbe etwas nach links verrutscht ist und ich sie deshalb nicht finde. Als ich den Finger dann aber einhake und meine Hüfte leicht nach vorne beuge, flutscht sie raus. Geschafft! Witzigerweise gibt mir die Anleitung noch den Tipp: „Halte die Disc waagrecht, um das Verschütten zu vermeiden“. Ich sitze auf dem Klo und schaue auf das Blut in der Kloschüssel und an meinen Fingern: Nichts zu verschütten kommt mir unmöglich vor. Aber wer weiß wie es mit etwas Übung aussieht.
Ph-neutrale Seife for the win
Vor dem nächsten Tragen muss die Scheibe allerdings von ihren Altlasten befreit werden. Dazu reicht es, sie gründlich mit Wasser und ph-neutraler Seife mindestens 20 Sekunden lang zu waschen. Tadaaaa, sie ist wieder ready für ihren nächsten Einsatz. Zusätzlich wird empfohlen, sie zwischen den Zyklen immer einmal zu sterilisieren. Das bedeutet, dass man die Scheibe einmal genauso wie vor der ersten Verwendung auskocht. Wichtig ist, die Menstruationsscheibe nur gereinigt und trocken aufzubewahren. Passend dafür ist ein kleines Baumwollsäckchen beigelegt.
Ich taufe sie auf den Namen: Rosa Roswitha!
Mein Resümee nach drei Perioden: Warum hab ich mich nicht früher getraut? Sie ist einfach mega und ich bin überzeugt. Das Einsetzen war super einfach und auch das Entfernen war nicht so schlimm wie erwartet. Inzwischen benutze ich nur noch meine Menstruationsscheibe. Tampons Ade! Mein Geldbeutel freut sich: Statt pro Jahr durchschnittlich 260 Tampons zu verwenden und damit rund 39 Euro nur für Hygieneprodukte auszugeben, hat mich die Menstruationsscheibe einmalig 11,95 Euro gekostetet. Und nicht nur im Uni-Alltag, sondern auch nachts und während des Sports hält sie, was sie verspricht. Sie darf also gerne die nächsten paar Jahre bleiben und mein Menstruieren nachhaltiger machen. Inzwischen nenne ich sie liebevoll: Rosa Roswitha.
Rot. Romantisch. (R)emotional.
