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Bericht aus Warschau: Der grüne Frosch an jeder Ecke

Bericht aus Warschau: Der grüne Frosch an jeder Ecke

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  • Rund 12.000 Filialen in ganz Polen, allein Warschau zählt mehr als 1000. Der Convenience Store Żabka ist ein integraler Bestandteil des Warschauer Alltags. Ein Erasmus Bericht der etwas anderen Art.

Schnell hat der Instagram Algorithmus erkannt, dass ich in Polen bin. Mein Feed ist dementsprechend angepasst. Und neben dem bekanntesten polnischen Meme „Kurwa Bóbr“ (Ein Mann, der sein nächtliches Treffen mit einem Biber auf einer Straße hoch erfreut auf Video festhält.), tauchen immer wieder Reels mit dem polnischen Convenience Store Żabka (dt. Fröschen) auf. Mal ist der Laden die große Touristenattraktion, das lang ersehnte,fast schon heilige Reiseziel. Mal wird er in einem mit KI generierten Video als das Ein und Alles, der letzte existierende Ort für Essen und Trinken, in einem fingierten Weltuntergangsszenario dargestellt.

Dauerkonsum

Geöffnet sieben Tage die Woche (auch an Feiertagen), von sechs Uhr morgens bis 23:00 Uhr abends sind die grün leuchtenden Filialen des Einzelhandelsunternehmens dauerpräsent. So hatten wir Erasmusstudierende uns schnell scherzhaft darauf geeinigt, dass die Stadt und das Auslandssemester hier generell eigentlich darauf reduzierbar seien. Denn selbst zu Fuß erreicht man in der Hauptstadt die nächste Filiale meist in weniger als zehn Minuten. Mit etwas Glück befindet sie sich sogar im Erdgeschoss des eigenen Wohnkomplexes. Einmal über die Weihnachtsferien nicht in der Stadt gewesen, musste ich bei meiner Rückkehr im neuen Jahr nämlich genau das bei mir selbst feststellen. Anstatt gute sieben Minuten zu Fuß, war der nächste Żabka nun keine zwei Gehminuten mehr von meiner Zimmertür entfernt. Auch inmitten der Warschauer Altstadt, die nach dem Zweiten Weltkrieg praktisch von Grund auf neu aufgebaut wurde, ist die Kette vertreten. Die architektonische Vielfalt Warschaus, eine Stadt zwischen Weltkulturerbe, sozialistischem Realismus und Modernismus, wird gebrochen durch die Existenz eines Convenience Stores. In der Altstadt immerhin nicht in penetrantem Grün, sondern in grau-schwarzen Design. Ein absurder Versuch, sich in das Altstadtflair zu integrieren.

Eine Żabka Filiale am Fuße eines Warschauer Wohngebäudes.

Zwischen Gemüse und Hotdog-Roboter

Der Konsumismus unserer Zeit äußert sich hier in Reinform. Gestillt werden können die Bedürfnisse des Kaufs hier überwiegend mit ungesunden Produkten, seien es salzige, fettige oder süße Snacks, alternativ Zigaretten. Immerhin eine kleine Obst- und Gemüseauswahl ist vertreten, gleiches gilt für Kosmetikprodukte. Auch heiße Snacks stehen zum Verkauf. Immer und überall. Wirklich immer! Seit 2021 gibt es Nano Żabkas Filialen, die 24/7 geöffnet sind, ohne dauerhaft anwesendes Personal. Der Żabka Hotdog mit Legendenstatus für umgerechnet weniger als zwei Euro, wird hier von dem speziell dafür entwickelten Roboter serviert.

Konsumbedürfnisse werden regelmäßig und den Umständen entsprechend geweckt, beziehungsweise aufrechterhalten. Im Vorbeigehen konnte ich innerhalb eines halben Jahres unzählige neue Angebote feststellen. Rosa gefärbte Chicken Nuggets am Valentinstag zum Beispiel. Oder Socken im passenden Design in der Weihnachtszeit, die immerhin als lustiges Souvenir aus dem Auslandssemester taugen. Und der Laden läuft. Im dritten Quartal 2025 lag der Nettoprofit bei 505 Millionen Złoty (ca. 118 Millionen Euro). Auch international ist Polens größte Convenience-Store-Kette aktiv, mit Ablegern in Tschechien und Rumänien. Darunter leidet natürlich der kleine Einzelhandel. Auch ich musste mich mehrmals dabei ertappen, für einen kleinen Snack doch schnell die nächste neon grüne Fassade aufzusuchen, anstatt mich vergleichsweise aufwendig zu einer raren Alternative dieses Quasi-Monopols navigieren zu lassen. Und auch allen Freund*innen, die zu Besuch waren, wurde das Phänomen Żabka ausgiebig erläutert.

Das anfangs erwähnte Meme des Weltuntergangsszenarios hat damit einen wahren Kern. In einem für viele Menschen immer prekärer werdenden Alltag voller Existenzängste, wird ein Convenience Store zu einer der letzten Konstanten. Denn eins ist sicher: Der Hotdog Grill wird sich auch morgen noch fröhlich drehen.

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