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Review: Whiplash
Dunkel Hell

Review: Whiplash

  • Trommelwirbel für den Musikfilm des Jahres! „Whiplash“ ist eine Hommage an den Jazz und wirft zugleich die Frage auf, wie weit man bereit ist zu gehen – für den Erfolg.

So manches Filmprojekt ist an fehlender finanzieller Unterstützung gescheitert. Auch Damien Chazelles Vorhaben, einen Spielfilm über einen jungen Musiker und dessen radikalen Lehrer zu drehen, stand zunächst auf der Kippe. Der Kompromiss: Anstatt des geplanten Spielfilms entstand 2013 zunächst der Kurzfilm „Whiplash“. Dies stellte sich als geschickter Schachzug heraus, denn „Whiplash“ gewann den Short Film Jury Award des Sundance Film Festivals 2013. Somit stand der Finanzierung und Realisierung des gleichnamigen Spielfilms nichts mehr im Wege.

Sowohl im Kurz- als auch im Spielfilm besetzt J.K. Simmons die Rolle des Musiklehrers Terence Fletcher. Die Hauptrolle des jungen Schlagzeugers Andrew Neiman übernahm, anders als im Kurzfilm, Miles Teller, der die Schlagzeugparts selbst einspielte. Um die Szenen so realistisch wie möglich darzustellen, wurden für die Besetzung der Big-Band ausschließlich Musikstudenten gecastet, die nie zuvor vor der Kamera gestanden hatten. Trotz des Erfolgs des Kurzfilms auf dem Sundance Film Festival konnte Chazelle nur mit einem bescheidenen Budget planen. Und so blieben lediglich 19 Tage Zeit, um den Film im den Kasten zu bekommen.

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Filmplakat: Ann-Charlott Stegbauer und Bianca Taube

Der 19-jährige Andrew Neiman hat einen Traum: Er will einer der besten Jazz-Schlagzeuger der Welt werden, wie sein Vorbild Buddy Rich. Der erste Schritt ist getan, denn er hat es auf das angesehene New Yorker Shaffer-Konservatorium geschafft. Dort wird er beim Proben von dem legendären Musiklehrer Terence Fletcher entdeckt, welcher ihn daraufhin zur Probe seiner Big-Band einlädt. Nieman erhält seine Chance und wird erstmals mit Fletchers Methodik konfrontiert. Denn dessen Auffassung ist es, auf brutalste und entwürdigendste Weise, das Maximum aus seinen Musikschüler herauszuholen und alles dem Erfolg unterzuordnen. Zunächst fügt sich Neiman Fletchers Anforderungen, übt Schlagzeug bis zur Erschöpfung und trennt sich von seiner Freundin. Als er jedoch unmittelbar vor einem Konzert einen Autounfall erleidet, kommt es zur Auseinandersetzung Neimans mit Fletcher. Neiman wird anschließend des Konservatoriums verwiesen und sein großer Traum vom berühmten Schlagzeuger scheint endgültig ausgeträumt. Der Zufall bringt die Wendung: Neiman wird auf ein Konzert Fletschers in einer Jazzbar aufmerksam, Fletcher sieht ihn und bietet ihm den Schlagzeugpart bei einem Konzert seiner Big-Band an. Es kommt zum Showdown.

“A mature work of art”

J.K. Simmons (alias Terence Fletcher)

Schleudertrauma – besser hätte der Titel des Films nicht lauten können. Neiman wird hineingeschleudert in Fletchers knallharte Welt des Erfolgs, welche seine Charakterentwicklung im Verlauf des Films stark prägt. Zu Beginn scheint Neiman ein ganz normaler Junge zu sein, der seinem Idol Buddy Rich nacheifert und ebenso Schlagzeuger werden will. Durch Fletschers Drill wird dieser schlichte Traum immer mehr zu Fanatismus, der in der völligen Erschöpfung endet, physisch und psychisch, beinahe traumatisch.
Neiman und Fletscher verbindet die Liebe zur Jazzmusik, dennoch treten sie als Gegenspieler auf.
Fletscher ist selbst Jazzmusiker, sieht seine Bestimmung jedoch darin, den neuen Buddy Rich zu finden, wenn auch seine Methoden oft unmenschlich und zu brutal erscheinen.
Bis zum Schluss, findet der Film keine Antwort darauf, wie weit der Mensch für den Erfolg gehen sollte, gehen darf. Und genau das, sorgt für Gesprächsstoff und Reflexion.

Für seine herausragende schauspielerische Leistung wurde J.K. Simmons bei den Academy Awards 2015 mit dem Oscar „Bester Nebendarsteller“ ausgezeichnet. Simmons schafft es, Fletcher in einem Moment als Tyrann darzustellen und im darauffolgenden als sensiblen Musiker, für den Jazz sein Leben ist und sich diese Liebe zur Musik in seinen glänzenden Augen widerspiegelt.

Die Filmmusik katapultiert den Zuschauern vollends in die Welt des Jazz und versetzt ihn mit all den Trommelwirbeln ins positive Schleudertrauma. Kein Wunder, dass der Film nicht nur für fünf Oscars nominiert wurde, sondern mit gleich zwei Auszeichnung für „Best Film Editing“ und „Best Sound Mixing“ nach Hause fahren durfte. Ein Meisterwerk der Komposition und des Arrangements — musikalisch sowie filmisch.

Das Whiplash-Menü

Machen wir es wie im Film und gönnen uns eine Tüte Popcorn. Wenn sich der Studentengeldbeutel wehrt, die Popcorn-Deluxe-Variante vom Kino zu holen, tut es natürlich auch Mikrowellenpopcorn. Wer Bock auf eine neue Variante hat, schüttet filmgetreu Rosinen mit rein. Vielleicht noch ein bisschen Zimt, zur Einstimmung auf die Winterabende. Und dazu? Warum nicht mal was wagen und als kleines Geschmacksexperiment eine Flasche Rotwein öffnen. Denn was könnte der Eleganz des Jazz besser das Wasser reichen als ein edler roter Tropfen.

Das Trinkspiel

Für den entspannten Jazzmusiker-Studenten

Einen „Kurzen“ wenn der Titelsong „Whiplash“ erklingt oder gespielt wird.

Für den Rocker unter den Studenten

Einen „Kurzen“ wenn sich Nieman und Fletcher begegnen.

Für den heimlichen Heavy Metaler unter den Studenten

Zur Einstimmung jedes Mal einen „Kurzen“ wenn Niemand Schlagzeug spielt. Sorgt für Nachschub! In der Endszene legen wir eine Schippe drauf: Einen „Kurzen“ bei jedem Schlag Neimans auf die Toms.
WER am Ende kein Schleudertrauma erlitten hat, BEWEISFOTO ans Ottfried-Team!!

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