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Review: Selma
Dunkel Hell

Review: Selma

  • Hinter dem Helden: Die erste schwarze Regisseurin, die für einen Golden Globe nominiert ist, stellt in “Selma” einen antiikonischen Martin Luther King aus Fleisch und Blut vor und beleuchtet die Menschen, die hinter der Bürgerrechtsbewegung standen, ihr Leben, ihr Schicksal, ihre Träume und ihren Glauben an eine gerechte Welt.

Der Bloody Sunday zeichnet ein Bild der Unterdrückung im Alabama des Jahres 1965. Demonstranten eines Protestmarsches für das Wahlrecht aller Amerikaner werden von Sicherheitskräften grundlos und brutal attackiert. Nicht nur die willkürliche Polizeigewalt gegen Afroamerikaner stellt sich als fundamentales Problem heraus: Trotz des Wahlrechts für schwarze Amerikaner wird ihnen der Zugang zur Wahlkabine systematisch verwehrt.

Mit gewaltlosem Widerstand kämpft Martin Luther King – dessen Name ihm sein Vater im Übrigen nach einer Deutschlandreise verlieh – gegen diese Missstände und für die gleichen Rechte aller Amerikaner.

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Vor diesem Hintergrund nimmt uns der Film “Selma” mit in eine Welt, in der schwarze Kinder dem Hass von Rassisten zum Opfer fallen und in der es für Afroamerikaner keine Möglichkeit gibt, sich auf politischer Ebene gegen Missstände zu wehren und sich ihrer Rechte zu bedienen. In dieser Welt gibt Martin Luther King den Menschen eine Stimme. Die Bürgerrechtsbewegung um ihn hat sich bereits in verschiedenen Städten für die Gleichberechtigung von Schwarzen eingesetzt, als die Stadt Selma in Alabama Martin Luther King und seinen Mitstreitern für den nächsten Protest als besonders geeignet erscheint. In Selma herrscht nicht nur die Unterdrückung des Wahlrechts, sondern auch die Gewalt des Sheriffs gegenüber Schwarzen in besonderem Maße vor. Hier setzt Martin Luther King an: Mit seinen Vertretern mobilisiert er die Menschen und die bereits bestehende Studentenbewegung in Selma zum friedlichen Aufstand für das allgemeine Wahlrecht. Vor dem Gerichtsgebäude in Selma, indem die Wählerregistrierung erfolgt, findet die erste friedliche Demonstration statt. Daraufhin werden mehrere hundert Demonstranten festgenommen. Diese Festnahme markiert die erste von vielen weiteren Schwellen der Ungerechtigkeit und Gewalt gegenüber Afroamerikanern, die überschritten wird, womit sich der Film auch in Richtung Politthriller entwickelt. Denn die Gegnerschaft unter dem Befehl des Präsidenten tyrannisiert nicht nur Kings Familie, sondern schreckt auch vor roher Gewalt gegenüber Unbewaffneten nicht zurück. So wird eines Nachts ein junger schwarzer Demonstrant in Selma von einem Polizisten, beim Versuch seine Familie zu beschützen, erschossen. Seinem Großvater hat der Verstorbene versprochen:

“Grandpa, du wirst wählen bevor du stirbst.”
– JIMMIE LEE JACKSON IN “SELMA”

Ob sich dieser Traum erfüllen wird, hängt nicht nur von Martin Luther King ab, sondern auch von denen, die ihn auf den insgesamt drei Protestmärschen von Selma nach Montgomery bis vor das Weiße Haus begleiten.

Als besonders interessant erweist sich in „Selma“ die Rolle der Medien. Ohne sie wären die Gewaltverbrechen, die am Bloody Sunday an wehrlosen Bürgern vergangen wurden, nie um die Welt gegangen. Die öffentliche Aufmerksamkeit befeuert den politischen Druck auf den Präsidenten und stellt sich als Voraussetzung dafür heraus, dass die Rechte von Afroamerikanern überhaupt im Weißen Haus thematisiert werden. Andererseits bleiben auch die Schattenseiten der Proteste nicht verborgen: Denn sobald die Kameras nicht anwesend sind, werden in Selma Menschen ermordet.

Filmmenü
Ein jeder Marsch muss mit einer stärkenden Mahlzeit begangen werden. Die Darsteller machen es vor: Zu empfehlen ist Maisgrieß – aber Vorsicht: er muss immer gut gerührt werden. Am Ende gibt’s auf jeden Fall allen Grund zu feiern und die Sektkorken können knallen.

Trinkspiel
Für diejenigen, die gerne auf den feierlichen Anlass warten
Den Sekt am besten kühl stellen, denn erst am Ende des Films gibt’s was zu feiern.

Für die Ungeduldigen
Einen Kurzen für jedes Mal, wenn Martin Luther King mit seinem Doktortitel angesprochen wird.

Für alle mit Rückgrat
Jeweils einen Schluck in Gedenken an all die Männer, Frauen und Kinder, die klar Stellung bezogen und kämpften!

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