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Filmreview: Man lernt nie aus
Dunkel Hell

Filmreview: Man lernt nie aus

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  • Was unternimmt man als 70-jähriger Rentner und Witwer in Brooklyn? Die Bonusmeilen sind durch eine Weltreise aufgebraucht und die Rastlosigkeit macht sich in Ben Whittakers Leben bemerkbar. Um dieser entgegen zu steuern, bewirbt sich Ben auf ein Senioren-Praktikum bei einem Mode Start-Up und trifft dort auf die chronisch überengagiert Gründerin und Chefin Jules Ostin, gespielt von Anne Hathaway.

Regisseurin und Drehbuchautorin Nancy Meyer („Was Frauen wollen“) wirft Ben Whittaker, gespielt von Robert Di Niro, gekonnt in den Alltag eines Start-Ups und provoziert so gezielt, teils vor lauter Klischee strotzende und teils erfrischende Situationen. Ben wird nach einer erfolgreichen Bewerbung zum persönlichen Praktikanten von Jules ernannt, welche anfänglich keinen Hehl aus ihrer Meinung zu dem Praktikanten-Projekt macht, aber sich trotz von allen Seiten kommender Zweifel der Herausforderung stellt. Er arbeitet sich Stück für Stück in die Firma ein und erobert mit Charme und klassischer Manier die Herzen der Mitarbeiter.

Der von Hektik durchdrungene Büroalltag des Start-Ups wirkt trotz des „Alles-ist-Gut“-Filters des Filmes angenehm real. Robert De Niro schafft es gleich von Beginn an den Film und die Zuschauer an sich zu reißen. So bleibt Hathaway, trotz einer akzeptablen Leistung und viel Bildschirmpräsenz, eher als Nebendarstellerin in Erinnerung. Vor allem in den ersten 40 Minuten macht es richtig Spaß, Ben Whittaker beim Arbeiten zuzusehen. Mit Humor und ein wenig Selbstironie schafft es der Film schon in den ersten Minuten eine Wohlfühl-Stimmung zu erzeugen. Doch leider folgen auf die gelungene Anfangsphase einige, dem Drehbuch verschuldete, Tiefpunkte. Meyers versucht dem Film zwanghaft mehr als eine leichte Bürogeschichte aufzulasten. So entwickeln sich unnötig inszenierte Einbruchsszenen und eine Heroisierung des klassischen Gentleman.

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Den letzten Teil seines anfänglichen Charmes verliert der Film in dem Moment, in dem ein ebenso inszeniert wirkendes Beziehungsdrama in die Geschichte eingesetzt wird. Zwar fangen De Niro und Hathaway dies teils mit guten Leistungen ab, dennoch wird man das Gefühl nicht los, als würde sich der Film verlieren. Während Jules ihrem Praktikanten auf der Arbeit noch kaum vertraut, ist er einige Szenen später dann ihr persönlicher Berater für die eigenen Beziehungsprobleme. Auch das gut funktionierende Setting wechselt: Am Anfang dominiert das Bürogebäude die Szenerie, doch dann rücken die Wohnungen der beiden Protagonisten im Laufe des Films immer weiter in den Vordergrund. Während der erste Teil des Filmes noch an eine seichte Version des Filmes „The Social Network“ erinnert, wechselt der Film abrupt in eine Neuverfilmung von „Der Teufel trägt Prada“. Wobei hier nun interessanterweise die Rollen vertauscht werden und Anne Hathaway nun auf der anderen Seite des Schreibtisches sitzt.

(In dem Film „Der Teufel trägt Prada“ spielt Anne Hathaway eine unerfahrene Sekretärin, die frisch zu dem Mode Magazin Runway kommt.)

Das Man lernt nie aus-Trinkspiel
Level 1:
Einen Schluck, wenn Ben Whittaker sein Taschentuch einer Dame anbietet.

Level 2:
Einen Shot, wenn Jules Ostin zu spät zu etwas kommt.

Level 3:
Einen Schluck, wenn Ben Whittaker genau das richtige zum richtigen Zeitpunkt macht, anders gesagt wenn Ben Whittaker der Wirklichkeit die Hörner aufsetzt.

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