Schließen
Was machen die eigentlich?

Was machen die eigentlich?

Dieses Jahr finden die Hochschulwahlen an der Universität verspätet und anders als sonst statt. Die Studierenden stimmen dabei trotzdem über die Zusammensetzung der Studierendenvertretung ab. Aber was genau ist die Studierendenvertretung und was macht sie? 

Foto: Anna Siemer, Grafik: Laura Maginot 

Täglich veganes Essen in der Mensa, Mülltrennung in den Unigebäuden: All diese Veränderungen an der Uni finden im Hintergrund statt. Wie lange um solche Neuerungen gekämpft wird, bekommen die meisten Studierenden kaum mit. Für viele ist das politische System der Uni Bamberg ein Rätsel, eine Lösung findet man nur schwer. Hier ein Versuch: 

Die Studierendenvertretung setzt sich aktuell aus drei Gremien zusammen: Ein Teil ist der studentische Konvent, welcher 19 Sitze hat, die durch eine Listenwahl besetzt werden. Zudem gibt es den Fachschaftenrat, bestehend aus je zwei Vertreter*innen der vier Fachschaften, der Humanwissenschaften (HuWi), Geistes- und Kulturwissenschaften (GuK), Sozial- und Wirtschaftswissenschaften (SoWi) und Wirtschaftsinformatik und Angewandte Informatik (WiAI). Das dritte Gremium sind die beiden Senator*innen.  

Ein System wie bei Bundesrat und Bundestag.

Luis Reithmeier, der stellvertretende Vorsitzende des Konvents, erklärt, dass man sich die Studierendenvertretung, ungeachtet ihrer Aufgaben, wie den Bundestag und den Bundesrat vorstellen könne. Dabei entspricht der Konvent dem Bundestag und der Fachschaftenrat dem Bundesrat. Der studentische Konvent kommt etwa zehn Mal pro Jahr zusammen. In vielen Sitzungen werden Anträge besprochen, gegebenenfalls geändert und Beschlüsse gefasst. Nimmt der Konvent einen Antrag an, wird er an die zuständige Stelle weitergeleitet. Bei einem Antrag bezüglich der Mensa ist das zum Beispiel das Studentenwerk Würzburg. Eine Umsetzung ist nicht verpflichtend, meist finden jedoch Gespräche statt. Die Aufgabe des studentischen Konvents ist es, die fachlichen, wirtschaftlichen und sozialen Belange der Studierenden zu vertreten und ihre Interessen zu fördern. 

Wer das aktuelle System immer noch nicht richtig verstanden hat, kann beruhigt sein. Denn zu den nächsten Hochschulwahlen wird ein neues System eingeführt. Die Studierendenvertretung hat beschlossen, die bisher bestehenden drei Gremien zu einem großen Studierendenparlament (Stupa) zusammenzuführen. Im Parlament werden die Fachschaften mit 16 Personen vertreten sein, die direkt gewählten Gruppen, die vorher den Konvent gebildet haben, mit 17 und die Senator*innen mit zwei Personen. 

Die Umsetzung von Anträgen kann lange dauern

Ein Top-Thema des Konvents ist die geplante Erweiterung des Semestertickets. Seit 2017 ist die Veränderung im Gespräch, bisher ist jedoch nichts passiert. Julia Wolf, die Vorsitzende des Konvents, und Reithmeier berichten, dass ein Antrag für das Semesterticket bei dem VGN gestellt wurde, dieser aber vor einer Verhandlung mit dem Konvent auf die Auswertung der 2017 erhobenen Fahrgastzahlen warten will. Diese werden voraussichtlich 2020 veröffentlicht. Zeitgleich gab es auch Gespräche mit den Stadtwerken, welche nach wiederholter Nachfrage auch auf die Fahrgastauswertung verwiesen. Zusätzlich wurde im November 2019 der Antrag gestellt, dass das im Oktober 2019 von Ministerpräsident Söder beschlossene 365€ Ticket neben Schüler*innen und Azubis auch für Studierende gelten soll. Wolf erklärt, dass das Semesterticket nicht vergessen wurde, aber die Umsetzung von Anträgen lange dauern kann.  

Ein weiteres Thema, welches sowohl in der Gesellschaft als auch unter Studierenden viel diskutiert wird, ist Nachhaltigkeit. An der Uni Bamberg wird dies in einigen Bereichen jedoch noch nicht beachtet. Eine Landtagsanfrage zum Gebrauch von recyceltem Papier an bayerischen Hochschulen zeigt, dass Bamberg kein recyceltes Papier verwendet. In Bayreuth hingegen wird zu 100% Recyclingpapier genutzt. Reithmeier sagt dazu: „Da fehlt mir an der Uni Bamberg noch dieser Umsetzungswille, weil es zeigt ja, es geht. Es ist möglich, aber man macht es halt nicht“. Die Steuerungsgruppe Nachhaltigkeit der Uni Bamberg sagt, dass eine dauerhafte Archivierung von Papier nur möglich ist, wenn es die DIN ISO 9706 erfüllt. Da Recyclingpapier diese DIN nicht erfüllt, wird von der Uni nur Frischfaserpapier aus zertifizierter, nachhaltiger Waldbewirtschaftung verwendet. Im Oktober stellte der Konvent einen Antrag an die Universität Bamberg mit der Forderung, Nachhaltigkeit als Leitbild aufzunehmen und ihr Handeln nach diesem Leitbild auszurichten.  

Die Erweiterung des Semestertickets und Nachhaltigkeit an der Uni sind nur ein kleiner Teil der Themen mit denen sich die Studierendenvertretung beschäftigt. Wenn die Studierenden die Entwicklung der Uni beeinflussen wollen, ist die Teilnahme an den Hochschulwahlen eine der wenigen Möglichkeiten dazu, auch wenn es ein langfristiger Prozess ist. 

Dieser Artikel erschien in unserer Print-Ausgabe vom 24. Januar 2020.

Hier findest du das gesamte Heft als PDF.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Schließen