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Von Bamberg nach Korea und zurück

Von Bamberg nach Korea und zurück

Eine Laufbahn, von der viele Bamberger Studierende träumen: Vom Politikstudenten zum Auslandsjournalisten, der für ZDF, Spiegel Online oder das Wall Street Journal arbeitet. In einem Workshop erzählte Malte Kollenberg von seinen Erfahrungen.

Fotos: Rebecca Ricker

In Form von Anekdoten berichtete Malte Kollenberg beim Workshop von seiner Karriere. Ehrlich stellte er dabei auch die Schattenseiten des Berufs vor. Kollenberg hatte, wie viele Bamberger Studierende, den Traum Journalist zu werden. Als er sein Studium in Politik‐ und Kommunikationswissenschaft in Bamberg mit Mitte zwanzig begann, fehlte ihm aber noch jegliche Medienerfahrung. Er begann mit Praktika in den Regionalzeitungen. Dann ein Auslandsjahr, irgendwas politisch Interessantes sollte es sein und Englisch als Fremdsprache ausreichend. Er entschied sich für Südkorea.

Journalistische Anfänge in Soeul

Wieder in Deutschland wurde ihm klar, dass er nach Südkorea zurückwollte. Er schrieb in einem Semester alle nötigen Prüfungen und flog wieder nach Seoul. Kurz danach fand dort der G20‐Gipfel statt – Glück für Kollenberg, da die Spiegel Online‐Redaktion keinen Korrespondenten in Südkorea hatte. Er bot dem Onlinemagazin seine Artikel an, die angenommen wurden. Als dann Nordkorea Südkorea an griff, waren ihm weitere Aufträge sicher.

Doch schnell hatte er mit vielen anderen Problemen zu kämpfen. Er stellte fest, dass seine größte Schwierigkeit nicht war, interessante Geschichten zu finden oder über diese zu berichten. Oft gab es schlicht kein Interesse bei den deutschen Medien für eine Geschichte über gesellschaftliche Phänomene aus dem Ausland. Es zählte oft nur, was Klicks bringt. Außerdem reichte die Bezahlung nur selten, um sich genug Zeit für wirklich investigativen Journalismus nehmen zu können.

Doch mit der Zeit lernte Kollenberg, sich in der harten Branche des Journalismus zu behaupten. Er schloss sich mit anderen ausländischen Journalisten in Korea zusammen und lernte, sich in Gehaltsverhandlungen besser durchzusetzen. Nach mehreren Jahren in Korea entschied er sich 2017 nach Deutschland zurückzukehren. Er arbeitet nun bei Deutschlandfunk Kultur in Berlin.

Alltägliche Probleme eines Auslandsjournalisten

In dem Workshop sollten die Teilnehmer auch selbst aktiv werden. Innerhalb von einer Viertelstunde sollten sie eine Pressemeldung schreiben – auf Basis einer Meldung der staatlichen südkoreanischen Presseagentur. Dabei wurden die von Kollenberg genannten Probleme deutlich: Man will kritisch berichten – aber welche Quelle kann man nehmen, um nicht nur von der staatlichen Meldung abhängig zu sein, und dann noch ohne Koreakenntnisse? Wie schafft man es, das Ganze in einer so kurzen Zeit zu recherchieren, strukturieren und auszuformulieren?

Kollenbergs Rat für junge Journalisten

Kollenbergs Rat für freie Journalisten im Ausland: Ein unpopuläres Land aussuchen und dort einige Monate einleben, arbeiten und möglichst die Sprache lernen. Dann kann man, mit Kontakten und einem besseren Verständnis der Region, Ideen für Artikel sammeln und diese mit einer kurzen Erklärung deutsch‐ oder englischsprachigen Medien anbieten. So bekam Kollenberg auch den Auftrag, für Spiegel Online über den G20‐Gipfel zu berichten.

Die Teilnehmer, von denen viele Studierende ohne viel Medienerfahrung, aber mit dem Traum einer Karriere im Journalismus waren, konnten durch seine ehrlichen Meinungen, konkreten Tipps und Erfahrungen ein besseres Bild vom Berufsalltag eines Auslandsjournalisten bekommen.

Teilnehmer des Workshops “Auslandsjournalismus” an der Uni Bamberg. Organisiert vom BAD e.V.
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