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Umziehen – Abschied und Neubeginn

Umziehen – Abschied und Neubeginn

Für viele bedeutet Anfang Oktober Abschied und Neubeginn. Die einen haben ihr Studium abgeschlossen und es geht weiter mit Master, Praktikum oder der ersten Stelle in einer neuen Stadt, für die anderen geht es jetzt erst los hier in Bamberg. Zwei Perspektiven.

Foto: Chiara Riedel

Es ist kalt, aber sonnig und es riecht nach Farbe: Sonntagvormittag Anfang Oktober. Umzugskartons stapeln sich vor der grauen Wohnungstür. Ein Holztisch lehnt an der Sandsteinwand im Hausflur. Vor dem Haus blinkt ein oranges Licht. Das Beladen des Autos ist Tetris für Fortgeschrittene. Der Monatsanfang ist schneller gekommen als gedacht. Es ist Zeit umzuziehen.

Silber glänzt der Wohnungstürschlüssel auf der Fensterbank. Die Übergabe ist geschafft. Die Sonne füllt das leere Zimmer. An der Wand sind helle Flecken. Was hier wohl mal für Bilder hingen? Beim Blick aus dem Fenster fliegen die letzten Wochen wie im ICE vorbei: Abiturfeier, Praktikum und die Reise. Alles rum – jetzt geht das Studentenleben los. Die wichtigsten Habseligkeiten warten darauf, endlich einziehen zu können.

Gestern alles zum letzten Mal tun. Das letzte Mal gemeinsam in der WG kochen. Bloß nicht an morgen denken. Beim Weg durch die Altstadt ein letzter Blick auf das alte Rathaus, auf die Regnitz, auf die Uni. Auf die Heimat der letzten Jahre. Wie schön es doch war.

Zum ersten Mal einkaufen in der neuen Stadt. Zum ersten Mal durch Bamberg laufen. Alles ist aufregend und neu. Der Alltag spannender als ein Actionfilm. Der Blick auf all die Möglichkeiten. Vergessen ist der Herzschmerz beim Abschied daheim. Jetzt gilt es anzukommen, sich einzuleben. Neue Leute kennenzulernen und ja, vielleicht sogar eine zweite Heimat in Bamberg zu finden.

Schon der August besteht aus Abschiedsfeiern. Klischeehaft und kitschig werden Erinnerungen und Versprechen ausgetauscht. Sind die Freunde gerade nicht im Urlaub in Portugal, Österreich oder bei der Familie daheim, heißt es die Dinge gemeinsam zu unternehmen, die die drei vergangenen Jahre aufgeschoben wurden. Wie ein Schwamm, der versucht das ganze Meer aufzusaugen – alles Wunderbare – um später nicht ausgetrocknet dazuliegen, mit dem Gedanken etwas verpasst zu haben. Listen mit Bamberg‐To‐Dos abarbeiten und gleichzeitig den Neustart organisieren. Die Liste besteht aus Cafés und Restaurant, in die man immer schon mal gehen wollte. In der Regnitz schwimmen, ein Basketballspiel anschauen, auf die Altenburg wandern — all das, was lange Zeit zu weit entfernt war von der eigenen Comfort Zone. Einiges ist schon geschafft, anderes wird wehmütig auf den nächsten Besuch verschoben. Ein komischer Gedanke.

Im schwedischen Möbelhaus des Vertrauens Dekoration und das dringend benötigte Regal kaufen, nur um den ersten Ordner hineinstellen zu können, auf dem UNI BAMBERG steht. Die ersten Kisten sind ausgepackt. Die Leere und Stille verfliegt langsam. Bald beginnen die Einführungstage. So viele Fragen schwirren durch den Kopf: Wie mache ich meinen Stundenplan? Was soll ich belegen? Wo ist eigentlich die Mensa? Wann beginnt die Vorlesung? Muss ich anwesend sein oder nicht? Wo gehe ich am besten feiern? Wo finde ich Freunde? Wird alles klappen? Leichtes Unbehagen stellt sich ein. Die Angst, keinen Anschluss zu finden, kommt wie ein kalter Schauer im Herbst.

Jeder Pflasterstein wirkt so vertraut, als hätte man nur sie die vergangenen Semester studiert. Vor dem Abschied von den eigenen vier Wänden kommt der Abschied vom Fahrrad. Nur schweren Herzens verschenkt oder verkauft man den Drahtesel. Hat er doch so treue Dienste geleistet.

Zum Glück nennt man nun ein Fahrrad sein Eigen. Was ein Glück, dass jemand es so günstig verkauft hat. Jemand, der Bamberg lieb gewonnen hat. Hoffentlich wird es einem selbst auch bald so ergehen. 

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