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Hochschulwahlen 2019: So funktioniert‘s

Hochschulwahlen 2019: So funktioniert‘s

Nächste Woche sind wieder Hochschulwahlen. Wir erklären euch, wie es funktioniert und wen ihr wählen könnt.

Foto: Rebecca Ricker

Studierende trinken Bier und Wein, einige haben Chips dabei und es wird über das Mensa‐Essen diskutiert – ein Sommerabend auf der Unteren Brücke? Besser: die Podiumsdiskussion zu den Hochschulwahlen. Es ist Dienstagabend kurz vor sieben in der U2. Vorne auf dem Podium sitzen acht Vertreter der Hochschulgruppen. Der Saal ist fast voll. Die Debatte gibt den Gruppen die Gelegenheit ihre Wahlprogramme vorzustellen und zu verteidigen, sowie Kandidaten zu präsentieren. Erstmals tritt in diesem Jahr neben der Linken Liste, der BAGLs, der LHG, dem RCDS und der Usi die Gruppe „International Students“ mit Sreevalli Talapaka an. Sie will die Interessen der internationalen Studierenden vertreten und fordert unter anderem mehr Veranstaltungen zur Verknüpfung von „locals“ und „internationals“. Die Debatte wird in Englisch übersetzt.

Doch wie funktionieren die Hochschulwahlen? Die Studierenden wählen drei Gremien: den Studentischen Konvent, den Senat und den Fachschaftsrat ihrer Fakultät. Maximal 19 Stimmen für einzelne Personen (pro Person maximal drei) können sie vergeben, um über die Zusammensetzung des Konvents zu entscheiden. Für den Konvent treten die Gruppen Linke Liste (SPD‐/Linken‐nah), BAGLs (Grünen‐nah), LHG (FDP‐nah), RCDS (CSU‐nah), USI (Unabhängige Studierendeninitiative) und International Students an. Der Konvent führt momentan Gespräche mit dem Studentenwerk Würzburg wegen der Mensa und dem Teilabriss des Pestalozzi‐Wohnheims. Die 19 Mitglieder können allerdings nicht allein entscheiden, sondern nur Anträge an den Senat geben. „Eine hohe Wahlbeteiligung ist deshalb das wichtigste Machtinstrument des Konvents“, erklärt Lilia Boraz, Vertreterin der GuK im Fachschaftsrat. „So kann der Konvent die Anliegen besser gegenüber den Gesprächspartnern vertreten.“

Die Anträge des Konvents werden dann vom Senat behandelt. Dieser setzt sich neben zwei Studierenden aus dem Dekan, den Studiendekanen, den Vertretern der Professoren, des sogenannten Mittelbaus (wissenschaftliche Mitarbeiter) und der nicht‐wissenschaftlichen Mitarbeiter zusammen. „In diesem Jahr gibt es wieder große Hochschulwahlen“, sagt Lilia. „Das heißt, dass auch die anderen Gruppen, wie Professoren, ihre Vertreter wählen.“ Die Studierenden können bei der Wahl des Senats zwei Stimmen vergeben und Kandidaten aus zwei Listen wählen: der Linken Liste und der gemeinsamen Liste von RCDS und LHG.

Auf dem letzten Stimmzettel wählt man, je nach erstem Hauptfach, Vertreter der Fakultät in den Fakultätsrat. Auch hier kann man zwei Stimmen vergeben. Der Fakultätsrat beschließt zum Beispiel Änderungen im Modulhandbuch.

Bei der Podiumsdiskussion geht es um alles, was Studierende beschäftigt: Sreevalli Talapaka fordert zum Beispiel mehr scharfes Essen und Eis in der Mensa, und erzählt, dass sie mangels dessen oft zu KFC geht. Nach jedem Redebeitrag klopft das Publikum, bei Sreevallis Geschichte begeistert, später eher leicht verzögert und lustlos.

Mit Ausnahme einiger Diskussionen zu veganem Mensa‐Essen oder der Frage, wie groß der Zuständigkeitsbereich des Konvents sei, sind sich die Vertreter der Hochschulgruppen häufig einig. „Ich war positiv überrascht“, sagt León Eberhart, der für die LHG in den Konvent gewählt werden will. „Das Diskussionsklima war gut und trotzdem sind die verschiedenen Positionen zu Geltung gekommen.“ Auch Hannah O‘Neill, die in der Linken Liste für den Senat kandidiert, ist zufrieden: „Gerade bei der Frage der Nachhaltigkeit konnten die einzelnen Gruppen gut eigene Akzente setzen.“

Nur bei den Zuschauern sind nicht alle glücklich. Die Diskussion, die eigentlich nur bis neun Uhr vorgesehen war, endet erst kurz vor elf. Der Raum ist merklich leerer als zu Beginn. „Mir ging das zu geordnet und langweilig zu“, sagt Marc K., Psychologiestudent. „Es gab zu wenig Gegenmeinungen.“ Das könnte ein Grund für die häufig niedrige Wahlbeteiligung sein. Im letzten Jahr lag die Wahlbeteiligung für den Studentischen Konvent und den Senat bei gerade einmal 15 Prozent, bei den Fakultätsräten noch niedriger.

Um das zu ändern, haben die Fachschaften dieses Jahr unter dem Namen „Wetten, dass... du wählen gehst“ ein Belohnungssystem eingeführt. Bei 10, 15 und 20 Prozent (bzw. 10, 20 und 30 Prozent bei der HuWi) Wahlbeteiligung gibt es zum Beispiel einen Tag lang kostenlos Eis an den Uni‐Standorten. Wenn ihr noch nicht wisst, welche Hochschulgruppe ihr wählen wollt, könnt ihr den Wahlhelfer auf Feki.de nutzen.

Foto: Rebecca Ricker
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