Schließen
Hilfe, eine Hausarbeit — Tipps vom Profi

Hilfe, eine Hausarbeit — Tipps vom Profi

Die Semesterferien rücken immer näher und mit ihnen die Hausarbeiten. Egal, ob ihr dieses Semester eure erste Hausarbeit schreibt oder gerade an eurer Bachelorarbeit sitzt: diese Tipps von Juliane Fuchs sollte jeder gehört haben.

Foto: Anna Siemer

“Oft zitieren Studierende Texte, die sie nicht verstanden haben, die sich ihrer Meinung nach aber intelligent anhören“, erzählt Juliane Fuchs, Lektorin für Examensarbeiten. Unter dem Namen TextPassagen unterstützt sie seit 20 Jahren Studierende beim Verfassen von wissenschaftlichen Arbeiten. Der zweite Fehler, den fast alle Studierende schonmal gemacht haben, ist sich selbst zu viel vorzunehmen. „Ein Thema kann man in einer einzelnen Arbeit nie allumfassend beleuchten“, sagt die promovierte Germanistin. Als Lektorin hilft Fuchs Studierenden dabei, eine gut gegliederte Arbeit in einem sicheren Stil zu verfassen. Angefangen hat sie damit, als sie selbst noch an der Uni Bamberg gearbeitet hat. Meistens lektoriert Fuchs Masterarbeiten, manchmal Bachelor‐ und Hausarbeiten, ab und zu auch Dissertationen. Am häufigsten bekommt sie Anfragen von Studierenden der Sozialpädagogik, Pädagogik und Psychologie. Außerdem hilft sie Studierenden mit Deutsch als Zweitsprache.

So arbeitet Juliane Fuchs

Aushänge von TextPassagen kann man in Unis in ganz Deutschland finden. Am Computer streicht sie in den Arbeiten ihrer Kunden Kommafehler an, markiert unklare Definitionen oder macht Vorschläge, wie die Struktur eines Textes verbessert werden könnte. Im Jahr nimmt sie durchschnittlich 40 bis 50 Aufträge an. Wie lange sie mit den Studierenden zusammenarbeitet, kann sehr unterschiedlich sein. Manche Studierende nutzen ihre Dienste nur, um ihrem Text den letzten Schliff zu verpassen, andere suchen ihre Unterstützung schon bei der Formulierung der Forschungsfrage. Bei Doktorarbeiten kann es vorkommen, dass sie über ein Jahr hinweg mit den Promovierenden telefoniert, ihnen Ratschläge gibt und den Fortschritt ihrer Arbeiten kontrolliert.

Oft zitieren Studierende Texte, die sie nicht verstanden haben.

Viele Studierende fühlen sich nicht ausreichend darauf vorbereitet, allein eine Hausarbeit zu schreiben. In den meisten Studiengängen muss man einen Kurs zum korrekten wissenschaftlichen Arbeiten besuchen. Fuchs bemängelt jedoch, dass die Anwendung des theoretischen Wissens nicht ausreichend geübt wird. „Als ich studiert habe, mussten wir viel öfter längere Hausarbeiten abgeben, als das heute üblich ist, danach wirkten Abschlussarbeiten nicht so überwältigend,“ sagt sie. Auch kritisiert sie, dass viele Dozenten den Studierenden nicht ausreichend Rückmeldung zu ihren Texten geben. „Wenn man kein persönliches Feedback bekommt, kann man es beim nächsten Mal auch nicht besser machen.“

Aufgrund fehlender Vorbereitung oder persönlichen Stresses bei einer Hausarbeit zu betrügen, ist für Fuchs jedoch nicht nachvollziehbar. Einen Ghostwriter zu engagieren sei immer noch eine Straftat, auch wenn Ghostwriting‐Firmen im Internet das Gegenteil behaupten. Laut der Anbieter liefern sie nur Entwürfe, wie man eine Arbeit in einem gewissen Umfang, zu einem gewissen Thema schreiben könnte. Es sei die Entscheidung der Studierenden, ob sie die Arbeit dann auch genauso einreichen oder noch Änderungen vornehmen. An der Uni Bamberg muss mit jeder wissenschaftlichen Arbeit eine unterschriebene Erklärung abgeben werden, dass man die Arbeit eigenständig verfasst hat. Wird man mit einer fremden Arbeit erwischt, macht man sich der Urkundenfälschung strafbar. Es droht eine Geldstrafe oder Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren.

Die Erklärung soll die Studierenden auch davon abhalten, Ideen aus fremden Texten als eigene zu verkaufen. Laut der Pressestelle der Uni Bamberg wird an der Uni keine besondere Software benutzt, um wissenschaftliche Arbeiten nach Plagiaten zu durchsuchen. Diese Programme würden oft zu viele persönliche Daten der Studierenden verwenden. Fuchs warnt:

Ein Plagiat kann man leicht mit einer einfachen Google‐Suche entblößen.

Sie erkenne Plagiate häufig daran, dass der Schreibstil ihrer Kunden auf einmal komplett anders wird. „Wenn ich das sofort merke, erkennt das ein Professor auch.“ Die Hausarbeit wird dann mit einer 5,0 bewertet. Wer ein zweites Mal beim Plagiieren erwischt wird, kann exmatrikuliert werden.

Vorteile kaufen

Fuchs gibt zu, dass Studierende, die ihre Dienste in Anspruch nehmen, sich einen gewissen Vorteil gegenüber ihren Kommilitonen erkaufen. „Ich kann eine Hausarbeit objektiver beurteilen als Freunde oder Familienmitglieder, die man bittet, seinen Text durchzulesen“, sagt die Lektorin. Dass mit ihrer Hilfe jeder eine 1,0 schreiben kann, garantiert sie nicht und distanziert sich klar von Ghostwritern, die komplette Arbeiten für ihre Kunden schreiben. Als Lektorin gebe sie nur Anregungen, an welchen Stellen ein Gedankengang nicht nachvollziehbar oder eine Argumentation nicht schlüssig ist. „Die Arbeit bleibt schlussendlich an den Studierenden hängen, sie müssen entscheiden, ob sie eine Definition nochmal ändern oder ein Argument neu formulieren.“ Ihre Kunden seien oft auch Studierende, die aufgrund persönlicher Krisen auf der Strecke geblieben sind. Viele von ihnen trauen sich nicht, mit Professoren über Probleme in der Beziehung oder der Familie zu reden. „Indem ich mit ihnen Termine ausmache, zu denen sie kleine Aufgaben erledigen müssen, helfe ich ihnen, sich wieder auf das wissenschaftliche Arbeiten zu fokussieren“, erzählt Fuchs.

Kostenlose Dienste

Die Uni Bamberg bietet verstärkt auch kostenlose Dienste an, die Studierenden beim Verfassen wissenschaftlicher Texte helfen. Es gibt die Schreibwerkstatt, die Studierenden mit Deutsch als Zweitsprache hilft, oder denen, die Arbeiten auf Französisch und Englisch schreiben müssen. Bei persönlichen Problemen kann man die psychotherapeutische Beratungsstelle der Universität kontaktieren. Diese bietet außerdem regelmäßig Seminare zur Stressbewältigung an.

Das beste Mittel gegen Prokrastination

Laut Fuchs ist das beste Mittel gegen Prokrastination, sich von Anfang an einen Zeitplan zu erstellen. Dabei sollte man realistisch bleiben, Pausen einplanen und seinen eigenen Arbeitsrhythmus berücksichtigen. Sich selbst in Panik zu versetzen sollte man möglichst vermeiden. Und wenn es gar nicht mehr geht, sollte man keine Angst davor haben, sich Hilfe zu holen.

Dieser Artikel erschien in unserer Printausgabe vom 21. Januar 2019.

Schließen