Schließen
Fünf Tage Weltpolitik – Bamberg goes New York

Fünf Tage Weltpolitik – Bamberg goes New York

Als Diplomat*innen nach New York — für sechzehn Studierende der Uni Bamberg bald Realität. Sie nehmen an der Simulationskonferenz National Model United Nations (NMUN) teil und werden Uganda vor der internationalen Gemeinschaft vertreten.

Fotos: NMUN Bamberg

Frieden, Menschenrechte, Nachhaltigkeit – die angestrebten Ziele der Vereinten Nationen sind groß. Die Strategie dafür klar: Nur durch internationale Zusammenarbeit können sie erreicht werden. Bei 193 Mitgliedsstaaten ist das gar nicht mal so leicht.

Einblicke in die internationalen Beziehungen der UN sammeln nun 16 Studierende. Als Delegation der Bamberger Universität reisen sie nach New York zum National Model United Nations (NMUN), der größten Simulationskonferenz der Vereinten Nationen. Dort mimen sie mit Delegationen aus über 120 Ländern die Verhandlungsabläufe der UN und nehmen für fünf Tage die Rolle von Diplomat*innen eines anderen Mitgliedsstaats an.

Anja und Katharina sind Teil der Bamberger Delegation. Sie und ihr Team werden bei der Simulation Uganda vertreten, einen Staat, von dessen Politik sie erst einmal keine große Ahnung hatten. Tutor*innen hatten sich zuvor bei der Abgabe ihrer Länderpräferenz für Uganda entschieden. Sie bevorzugten ein Land, zu dem viele keinen direkten Bezug und Vorwissen haben, das bei der UN aber gut integriert ist. Uganda gehört trotz seiner Rohstoffvorkommen zu den ärmsten der Welt. Ein Großteil der Bevölkerung lebt in ländlichen Gebieten. Die Menschen sind auf Landwirtschaft angewiesen und spüren zunehmend die Folgen des Klimawandels.

Wir sollen uns in das Land einarbeiten.

Die Interessen Ugandas wird die Delegation bei NMUN in acht Gremien vertreten, jeweils in einem Zweier-Team. Die Themenfelder sind vielfältig, sagt Katharina, „wir haben ziemlich viel mit Umwelt dabei, aber auch Fragen zu Nuklearwaffen und Energie”.

Realitätsnähe steht bei der Simulation im Fokus. „Wir sollen uns in das Land einarbeiten, um wirklich so realitätsgetreu wie möglich die Entscheidungen zu treffen”, erzählt Anja. „Wenn man zum Beispiel Amerika vertritt und es heißt no climate change, dann heißt es auch no climate change” und Resolutionen, in denen der Klimawandel als solcher bezeichnet wird, müssen blockiert werden.

Auch Uganda lässt sich zwiespältig betrachten. Nach der Unabhängigkeitserklärung 1962 litt das Land unter der damaligen autoritären Regierung. Mitte der 80er Jahre wurde das Regime durch Zutun des bis heute amtierenden Präsidenten gestürzt. „Der Präsident ist einfach schon sehr lange im Amt, von daher natürlich auch ein bisschen kritisch. Aber da muss man dann wirklich diese Rolle annehmen, man vertritt eben die Regierung und keine NGOs”, meint Katharina.

NMUN bedeutet auch globale Perspektivwechsel. „Uganda ist im afrikanischen Bereich ziemlich stark und gut integriert, aber auf der Weltbühne, mit Spielern wie China oder den USA, ist es natürlich anders”. Für Anja liegt eine Schwierigkeit darin, sich als kleines Land trotzdem Gehör zu verschaffen. Westliche Staaten und deren Umsetzung von UN-Zielen sehen beide kritischer. Allerding deuten bei den Konferenzen alle Staaten mit dem moralischen Zeigefinger aufeinander: „Entwicklungsländer, die eben wenig CO2 oder so ausstoßen, können dann in Richtung der entwickelten Länder sagen “hier macht ihr viel kaputt”. Aber klar, bei Menschenrechtsverletzungen geht es eher in die andere Richtung”, erzählt Katharina. Insgesamt geht es aber immer um Diplomatie, „was nicht bedeutet, dass du unbedingt lügst, aber du stellst die positiven Sachen größer dar. Negative werden einfach weniger angesprochen.“

Insgesamt geht es aber immer um Diplomatie.

Unterstützt wird NMUN in Bamberg vom Lehrstuhl für Internationale Beziehungen, der auch das begleitende Seminar zu den Vereinten Nationen anbietet. Ansonsten ist das Projekt studentisch organisiert und wird von ehemaligen Teilnehmer*innen betreut. Als Tutor*innen bereiten sie die aktuelle Delegation auf New York vor, veranstalten Übungskonferenzen mit anderen Universitäten oder Exkursionen, wie die zur Botschaft von Uganda in Berlin. „Da ein wirklich großes Lob an unsere Tutor*innen, die jeden Montag vier Stunden Tutorium vorbereiten und uns alles vermitteln, was wir wissen müssen”, sagen beide. Sie schätzen besonders die studentische Ebene der Zusammenarbeit: „Wenn das Tutorium vorbei ist und wir gemeinsam in die Ostbar gehen, ist es einfach etwas anderes”.

Schließen