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Warum das mit den E‑Texten nicht so einfach ist

Warum das mit den E‑Texten nicht so einfach ist

Man sucht online die passende Literatur für die Hausarbeit oder will digital etwas im Lehrbuch nachlesen und stellt fest, dass der Zugriff auf die Werke verwehrt wird. Das ist ärgerlich. Warum es für die Bibliotheken aber oft nicht einfach ist, Texte digital zugänglich zu machen und welche Möglichkeiten es gibt, den Studierenden doch zu helfen, erklärt uns der leitende Bibliotheksdirektor Dr. Fabian Franke im Interview. 

Fotos: Florian Hörlein

Welche Möglichkeiten gibt es überhaupt, Texte digital zugänglich zu machen? 

Wenn jemand einen Text veröffentlichen möchte, gibt es gleich zu Beginn die zwei Möglichkeiten, ihn hinter eine Bezahlschranke zu stellen oder ihn digital frei zur Verfügung zu stellen. Diejenigen, die publizieren, entscheiden hier. Im wissenschaftlichen Bereich wollen die Autor*innen in der Regel kein Geld verdienen, sondern ihre Forschungserbnisse verbreiten und Anerkennung gewinnen. Das geschieht am besten mit „open access. Das heißt, die Literatur wird mit einer Lizenz versehen, so dass alle sie lesen und weiterverwenden können. Dieses Vorgehen unterstützt die Uni Bamberg, denn hierbei entstehen ja auch Kosten. So finanzieren wir Publikationsgebühren oder ermöglichen eine kostenfreie Veröffentlichung im Univerlag University of Bamberg Press. Sagen wir mal so: In der besten aller Welten sind alle wissenschaftlichen Forschungsergebnisse frei verfügbar. Das wäre gut für die Forschenden und die Wissenschaft. 

Wie sieht dagegen die Realität aus? 

Eine große Anzahl der Texte muss gekauft werden. Wir bemühen uns, möglichst viele digital zu lizensieren. Inwieweit das möglich ist, hängt aber davon ab, ob es a) überhaupt digital verfügbar ist und ob es b) der Verlag uns zu angemessenen Konditionen anbietet. Bei einem gedruckten Buch, eigentlich jedem physikalischen Medium, ist das anders. Denn das kann eine Bibliothek immer kaufen. Bei digitalen Werken gibt es dafür aber keine gesetzliche Grundlage. Das heißt, der Verlag kann frei entscheiden, ob und zu welchem Preis er sie uns verkauft oder lizenziert  

Wie hoch sind hier dann die Kosten? 

Es gibt hier unterschiedliche Modelle. Manche verlangen den regulären Buchpreis. Viele Verlage setzen aber auch Preise an, die zehn oder 20 Büchern entsprechen. Sie argumentieren, dass die Texte online mehr Studierende nutzen können. Wieder andere Verlage verkaufen die gesamte Verlagsproduktion, so wie SpringerVS. Dieser bietet verschiedene Pakete mit zwischen 100 und 1000 Titeln an. Das kostet dann teilweise bis zu hohen fünfstelligen Summen. Die Verlage bringen auch interessante neue Modelle auf den Markt. Dabei wird ein Paket zum Beispiel ein Jahr lang lizensiert und danach werden nur bestimmte E‑Books aus dem Paket dauerhaft erworben. 

Was sind die größten Hindernisse, mit denen die Bibliotheken zu kämpfen haben? 

Es kommt vor, dass wir Bücher lizensieren wollen, aber sie nicht digital angeboten werden. Wenn man gedruckte Bücher digitalisieren will, indem man sie einscannt, gibt es rechtliche Regelungen, die man beachten muss. Das Urheberrecht besagt grundsätzlich, dass die Urheber*innen entscheiden dürfen, was mit dem Werk passiert. Aber bei Dingen, die für die Allgemeinheit gut sind, darf man auch etwas machen, ohne die Rechteinhaber*innen zu fragen. Solche Rechte sind zum Beispiel das Zitatrecht, weil es unverzichtbar für die Wissenschaft ist. Außerdem dürfen Dozent*innen im Zuge des digitalen Semesterapparats bis zu 15 Prozent eines Buches online bereitstellen. Dann gibt es noch die Möglichkeit, dass wir ganze Bücher digitalisieren, die dann aber nur an den Rechnern in den Bibliotheken verfügbar sein dürfen. Das war natürlich unbefriedigend, wenn wegen Corona der Bibliothekszugang zeitweise eingeschränkt war 

Was hat sich denn seit der Corona-Pandemie für die Bibliotheken geändert? Wurden Sie von staatlicher Seite aus unterstützt? 

Wir haben natürlich alle Vorgaben der Bayerischen Staatsregierung befolgt, um die Gesundheit der Benutzer*innen und Mitarbeiter*innen zu schützen. Dabei haben wir stets versucht, trotzdem den bestmöglichen Service zu bieten, zum Beispiel durch kontaktlose Ausleihe oder die Bereitstellung von Scans. Inzwischen dürfen wir ja wieder die Teilbibliotheken mit Einschränkungen öffnen. Wir haben aber nicht mehr Geld bekommen — weder die Unis noch die Bibliotheken. Wir mussten die zusätzlichen digitalen Texte also aus bereits vorhandenen Mitteln stemmen.  

Gibt es etwas, das Sie sich von den Studierenden wünschen? Wenn ja, was?  

Was wir uns sehr wünschen, ist, dass wir jederzeit Rückmeldungen bekommen, wenn etwas fehlt oder wir etwas besser machen können. Denn wir sind eine Service-Einrichtung, ein Dienstleister für Wissenschaftler*innen und Studierende. Deswegen nehmen wir Kritik sehr gerne an, vor allem, wenn etwas, das gebraucht wird, nicht da ist. Wenn Sie uns sagen, was Sie für Ihre Arbeit brauchen, können wir uns darum kümmern. Das Wichtigste ist, dass Sie sich melden! 

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