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Das Sommersemester wird digital

Das Sommersemester wird digital

Die Universität arbeitet seit Wochen mit Hochdruck daran, die Angebote auf online umzustellen. Trotzdem gibt es von manchen Studierenden Kritik.

Foto: Nathan Dumlao, Dan Dimmock

Seit knapp vier Wochen steht die Universität in Bamberg für die Öffentlichkeit still. Bibliotheken wurden geschlossen, Prüfungen abgesagt und Mitarbeiter ins Homeoffice geschickt. Im Hintergrund laufen die Vorbereitungen für das Sommersemester jedoch auf Hochtouren: Seit wenigen Tagen steht fest, dass am 20. April trotz der aktuellen COVID-19-Pandemie das Sommersemester starten wird. Der Präsident der Otto-Friedrich-Universität Godehard Ruppert sagt dazu: „Das Sommersemester 2020 wird ein besonderes Semester unter besonderen Bedingungen sein, aber es wird ein Semester sein und keine verschenkte Lebenszeit.“

Es wird ein Semester sein und keine verschenkte Lebenszeit.

Zum ersten Mal wird es vorerst keine Präsenzveranstaltungen geben und die gesamte Lehre wird auf Online-Angebote umgestellt. Wie das genau aussehen wird, unterscheidet sich je nach Kurs. Manche Dozierenden werden ihre Kurse zeitsynchron abhalten, andere setzen auf die Selbstständigkeit der Studierenden und stellen Materialien im Virtuellen Campus zur Verfügung. Einzelne Kurse können hingegen gar nicht stattfinden und werden direkt auf das Wintersemester verschoben. Sowohl für die Studierenden als auch die Dozierenden wird es eine Herausforderung, das Sommersemester gut zu meistern.

Leonie Ackermann, Mitglied im Vorstand des „Freien Zusammenschlusses von Student*innen“ (fzs), kritisiert: „Die Qualität von Studium und Lehre steht an erster Stelle. Alles so schnell wie möglich ändern zu wollen ist kontraproduktiv, vor allem wenn die Studierendenvertreter*innen dabei übergangen werden. Keine Nachteile für Studierende bedeutet auch, Beratungskapazitäten und Unterstützungsangebote auszubauen und klar zu kommunizieren.“

Alles so schnell wie möglich ändern zu wollen ist kontraproduktiv.

Laut „fzs“ seien die Universitäten und auch die Lehrenden nicht ausreichend qualifiziert, um auf ein „digitales Studium“ umzuschulen. „Es kann gar keine Frage sein, dass immer noch Luft nach oben ist, aber es kommt nicht darauf an, dass alles auf dem neuesten Stand der Fernstudiendidaktik organisiert ist; einige sehr kreative Ideen sind schon in der Umsetzung. Der Universitätsleitung ist klar, dass nicht alles gleich und nicht alles gleich gut anlaufen wird. Aber wir sind sicher, nach den wahrscheinlich unvermeidlichen Anlaufschwierigkeiten wird sich alles finden“, äußert sich Godehard Ruppert.

Der fzs fordert, das Sommersemester zu einem Solidarsemester zu erklären.

Trotzdem fordern beispielsweise der fzs, das Sommersemester zu einem Solidarsemester zu erklären. Sie befürchten, dass Studierende sonst Nachteile aus diesem sonderbaren Semester ziehen könnten. „Wir fordern, dass alle Prüfungen Freiversuche sind und sich die Prüfungslast nicht durch verschobene Prüfungen erhöht“, so Leonie Ackermann. Wie das gesamte Prüfungswesen im kommenden Sommer verlaufen wird, kann die Universität zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht sagen, doch auch daran würde „mit Hochdruck gearbeitet“.

Universitätspräsident Godehard Ruppert betont, dass nicht jede Entscheidung im Ermessen der Universität liege. Sowohl den Beginn des Sommersemesters als auch die Sonderregelung, das Ende um zwei Wochen nach hinten zu verschieben, war die Entscheidung des Staatsministeriums. Ebenso erklärt er: „Höchststudiendauer und BAFöG sind gesetzlich geregelt und unterliegen keinen Entscheidungen der Universität.“

Auch an der Universität ist Zusammenhalt angesagt.

Das Sommersemester wird ein besonderes werden, doch es wird stattfinden; wenn auch in anderer Art und Weise als gewöhnlich. Von einem Solidarsemester hält Godehard Ruppert nichts. „Die Universitätsleitung sieht es als ihre Hauptaufgabe an, im Sommersemester den Studien- und Lehrbetrieb zu sichern, damit das Semester für niemanden ein verlorenes Semester ist. Alle Versuche, das Sommersemester zu labeln halten wir für untauglich und nicht hilfreich. Wir sind den Studierenden und der Wissenschaft verpflichtet, unter erschwerten Bedingungen bestmögliche Studien zu ermöglichen“, so der Präsident der Otto-Friedrich-Universität.

Leonie Ackermann sieht in einem Solidarsemester ein „Bekenntnis dazu, dass alle Statusgruppen der Universität gemeinsam die Herausforderungen der Krise angehen.“ Wie in allen Bereichen gilt es jetzt auch in der Universität zusammenzuhalten und sich in der schwierigen Situation gegenseitig zu unterstützen. Laut Leonie Ackermann braucht es für die Studierenden dennoch „dringend strukturelle Entlastung und die Aussetzung des Leistungsdrucks auf allen Seiten.“

 

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