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Au Revoir HISTRABA

Au Revoir HISTRABA

HISTRABA (Histoire Strasbourg Bamberg) sollte sich als Austauschprogramm für Geschichtsstudierende aus Deutschland und Frankreich etablieren. Doch das Interesse der deutschen Studierenden fehlt. Die Folge: HISTRABA wird eingestellt.
Foto: Elias Drost

Ein Auslandsstudium in Frankreich ist bei deutschen Studierenden begehrt – eigentlich. Denn im Falle von HISTRABA (Histoire Strasbourg Bamberg) trifft das genaue Gegenteil zu. Deshalb soll jetzt kein neuer Förderantrag für das Programm gestellt werden.

Die Grundidee hinter dem 2010 gegründeten HISTRABA‐Programm ist „der Versuch der Etablierung eines deutsch‐französischen Studiengangs“, sagt Mitbegründer Klaus van Eickels, Professor für Mittelalterliche Geschichte an der Uni Bamberg. Dabei belegen die Teilnehmer verschiedene Geschichtskurse in Bamberg und Straßburg. Eine Besonderheit ist hierbei, dass es sich um ein speziell für Geschichtsstudierende konzipiertes Studium handelt, bei dem die Absolventen am Ende mit einem Doppeldiplom in die Berufswelt starten können. Im Rahmen des Programms studieren deutsche Teilnehmer zu Beginn zwei Semester in Bamberg, das dritte und vierte Semester in Straßburg. Für das fünfte Semester müssen sie wiederum eine andere französischsprachige Hochschule auswählen. Analog dazu verläuft das Studium für französische Teilnehmer, lediglich umgekehrt. Allerdings konnten sich bisher nur sehr wenige deutsche Teilnehmer dafür begeistern. Es herrschte ein starkes Ungleichgewicht zwischen deutschen und französischen Studierenden.

Wir hatten auf deutscher Seite in der Regel nur einen, manchmal auch gar keinen Teilnehmer,

während auf französischer Seite oft mehr als ein Dutzend Bewerbungen vorlagen“, erläutert Klaus van Eickels. Das steht im Widerspruch zur Grundintention der Projektgründer, ein gleichermaßen attraktives Projekt für Deutsche und Franzosen zu schaffen. Mittels Informationsveranstaltungen versuchten Klaus van Eickels und seine Kollegen, Studierende in Deutschland auf das Angebot aufmerksam zu machen, der große Erfolg blieb aus.

Eine der wenigen deutschen Studierenden, die am HISTRABA‐Programm teilnehmen, ist Michelle. Sie ist aktuell im dritten Semester und kann die überschaubare Teilnahme auf deutscher Seite nur bestätigen:

In meinem Jahrgang bin ich die Einzige, die am Programm teilnimmt. Es ist nicht sehr schön, ganz alleine im Ausland zu sein.“

Das dritte und vierte Semester verbringt sie noch in Straßburg, danach hat sie sich für einen Platz an einer belgischen Universität beworben. Das bedeutet für Michelle, die ursprünglich aus Rheinland‐Pfalz stammt, drei Umzüge in zwei Jahren. „Das stört mich eigentlich nicht. Mir tun nur manchmal meine Eltern leid“, so die 21‐Jährige. Ob der häufige Ortswechsel ein Grund für die geringe Anmeldezahl an dem HISTRABA‐Programm sein könnte? „Manche stört das bestimmt“, kann sich Michelle vorstellen.

Anders sieht das Cécile.

Für die Studentin aus Straßburg sind nicht die häufigen Umzüge das Problem, vielmehr fehlt die Aufmerksamkeit unter den Studierenden für das Programm. Sie selbst ist nur durch einen Zufall auf das Programm gestoßen. Weder im Internet noch an der Universität selbst gebe es viele Informationen zu dem deutsch‐französischen Studienprogramm. Das sei auch das Problem, meint Cécile. „Nachdem ich endlich den Verantwortlichen für das Programm in Straßburg gefunden hatte, erzählte er mir, dass sie auch nicht leicht gefunden werden wollen. Die Studierenden sollen eine gewisse Grundmotivation mitbringen, um am Programm teilnehmen zu können“, berichtet Cécile von ihren Erfahrungen in Frankreich. In Bamberg hingegen repräsentierte Klaus van Eickels regelmäßig das Programm auf Studienmessen. „Es war zwar Interesse vorhanden, letztlich ergab sich daraus jedoch keine Bewerbung“, erzählt van Eickels. Er ist der Meinung, dass sowohl Straßburg als auch Bamberg nicht die erste Wahl für Studierende sei, die sich für ein deutsch‐französisches Studium interessieren.

Das Doppeldiplom öffnet einem viel mehr Türen, weil man dadurch später in Deutschland und Frankreich arbeiten kann“

erzählt Cécile begeistert. „Auch wenn es anstrengend ist und wir viel Stress haben, bereue ich meine Teilnahme nicht. Bamberg ist das Beste, was mir bisher passiert ist.“ Allerdings sei das Programm auch eine persönliche Belastung. „Man ist gerade an einem Ort angekommen und muss mit den Gedanken schon in den nächsten Semestern sein und sich überlegen, wo man danach hinwill. Außerdem knüpft man zwar mehr Kontakte, aber tiefe Freundschaften können dabei eigentlich nicht entstehen. Viele sagen, dass man ja eh bald wieder weg ist, da lohnt es sich gar nicht“, erzählt die 19‐Jährige.

Cécile, Michelle und die anderen Studierenden, die aktuell am HISTRABA‐Programm teilnehmen, dürfen ganz regulär ihr Studium zu Ende bringen und werden auch weiterhin von der deutsch‐französischen Hochschule in ihren Auslandssemestern mit 270 Euro pro Monat gefördert. Für das kommende Jahr wollen die Verantwortlichen des HISTRABA‐Programms allerdings keinen neuen Förderantrag stellen. Cécile bedauert das Ende des deutsch‐französischen Austauschprogramms: “Für die beiden Universitäten ist das meiner Meinung nach ein Verlust.“

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