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Von richtungsweisenden Entscheidungen und Bushäuschen

Von richtungsweisenden Entscheidungen und Bushäuschen

Endlich sind die Semesterferien da. Aber was fängt man mit der freien Zeit eigentlich an? In unserem Semesterferien Special erzählt jede Woche ein Ottfried‐Redakteur, wozu er die Zeit zwischen den Semestern genutzt hat. Dieses Mal: ein falsches Studienfach und eine richtige Entscheidung.

Januar 2016, 7:45 Uhr. Nur noch wenige Tage bis zu den Semesterferien. Ein eisiger Wind weht über den Asphalt die Memmelsdorfer Straße, ausgemergelt vom ersten Schwof des neuen Jahres, schlurfe ich durch die klirrende Kälte. Ich will mir eine Zigarette anzünden, aber der Wind ist zu stark, zu kalt, zu mächtig im Vergleich zur zärtlichen Flamme meines Feuerzeuges. Ich suche mir das nächstgelegene Bushäuschen, wo es mir gelingt die Zigarette zu entzünden. Ich setze mich auf die eiskalte Plastikbank, rauche, und stelle mir immer wieder eine Frage: Warum tust du dir das hier Alles eigentlich an?
Ich bin unzufrieden mit meinem Studium, obwohl ich noch nicht einmal ein ganzes Semester lang studiert habe, ich beginne mir – wie schon unzählige Male vorher – einzureden, dass es besser werden wird. Einstein hat angeblich einmal gesagt, dass die Definition von Wahnsinn, ist, immer das Gleiche zu tun, aber auf ein anderes Ergebnis zu hoffen. Ich muss im Gedanken daran schmunzeln. Ich halte für einen Moment inne. Ein Bus hält an der Haltestelle und ich beginne die aussteigenden Menschen – die meisten wohl Studierende, die Richtung Feldkirchenstraße strömen – zu beobachten. Diese Menschen, denke ich mir, würden jetzt bestimmt auch lieber in ihrem Bett liegen, anstatt morgens um 8 Uhr eine Vorlesung oder ein Seminar zu besuchen.
Ein Gedanke, sagt man, ist wie ein zartes Pflänzchen, welches gegossen und umsorgt werden muss, ein Pflänzchen, das langsam und stetig wächst. Ich sage: Schwachsinn!
Während ich noch immer auf besagter Bank sitze – ich rauche mittlerweile die zweite Zigarette – kommt mir ein Gedanke, kein zartes Pflänzchen, eher die magische Bohnenstange eines Hans im Glück. Mit Schallgeschwindigkeit katapultiert mich jener Gedanke zu einer unumgänglichen, fast offenbarungsähnlichen Erkenntnis: Ich werde das Studienfach wechseln müssen. Ich stehe auf, kehre den Universitätsgebäuden in der Feldkirchenstraße den Rücken zu und gehe nach Hause. Endlich wieder im Warmen, klappe ich meinen Laptop auf. Zuerst überweise ich den Beitrag für das kommende Semester. Dann google ich „Studienfachwechsel Uni Bamberg“ und siehe da, ein Link zu einem PDF‐Formular erscheint. Ich drucke es aus, fülle es mit größtmöglicher Sorgfalt aus und mache mich auf den Weg zurück in die Kälte. Ich will zur Studierendenkanzlei in der Kapuzinerstraße. Dort angekommen geht dann alles sehr schnell: Ich gebe das Formular ab, zeige meinen Studierendenausweis und die Überweisungsbestätigung für den Semesterbeitrag vor. Fertig. Kein bürokratischer Irrsinn, wie sich mancher denken könnte und ich befürchtet habe.

Inzwischen studiere ich Gymnasiallehramt und bin glücklich damit.

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