Rot. Romantisch. (R)emotional.
Was ist das Beste an der Arbeit beim Radio?
Für mich ist die Abwechslung das Beste am Radio. Deswegen mache ich diesen Job auch so lange, weil wir jeden Tag mit aktuellen Themen zu tun haben. Wenn du früh zur Arbeit kommst, weißt du noch nicht, worüber du sprichst. Außerdem hast du Spaß, du hast Kontakt zu den Hörern. Teilweise passieren Sachen, mit denen du nicht rechnest. Mal ruft der Hörer während der Sendung an und plötzlich – ich übertreibe jetzt mal – macht er seiner Freundin einen Heiratsantrag. Es ist schon vieles passiert, womit keiner rechnet. Klar hast du deinen Ablauf, aber du weißt trotzdem nie, was auf dich zukommt, weil viele Sachen, auch während der Sendung, plötzlich passieren.
Wie sieht ein Tag bei Radio Bamberg aus?
Ich fange meistens um 7:30 Uhr an. Ich muss mich natürlich auf meine Sendung vorbereiten, die ich mit einer Kollegin zusammen moderiere. Wir gehen erstmal die Sendung durch. Wir haben verschiedene Rubriken, damit bestücke ich die Sendeplätze. Es kommt immer darauf an: Was ist aktuell? Bei uns gibt es eine Art Nachrichtenstunde, die sich „der Tag in 60 Minuten“ nennt. Dafür besprechen wir dann, was wir als lokales Thema mit reinnehmen und was als überregionales Thema. Ansonsten plane ich natürlich die Musik. Ich habe dann jeden Tag zwischen 10 und 13 Uhr oder zwischen 10 und 15 Uhr Sendung.
Wie bist du dazu gekommen, Radiomoderator zu werden?
Ich war damals am Schliersee, als Markus Wasmeier Olympiasieger im Riesenslalom wurde. Ein großer Radiosender aus Bayern hat ihn dort willkommen geheißen. Das war mein erster Kontakt mit Radio und dort habe ich dann gesehen, wie die Interviews führen und wie das Ganze abläuft. Damals wurde mir klar: Das ist genau das, was ich machen will: Radio. Ich habe mich dann beim Radio beworben und gesagt: „Ich habe 1000 CDs und höre gern Musik.“ Darauf habe ich keine Antwort bekommen, deshalb habe ich mich nochmal auf dem normalen Weg für ein Praktikum in der Redaktion beworben. Das ist, egal ob Fernsehen oder Radio, der normale Berufsweg. Also, dass du übers Praktikum zum Volontariat kommst, das heißt zur Ausbildung. Dann öffnen sich für dich alle Wege. Dann schnupperst du irgendwann mal in die Moderation rein, du machst natürlich den ganz normalen Redaktionsjob und dann kam bei mir noch die Musik mit dazu.
Findest du, man sollte studiert haben, um Radiomoderator zu werden?
Nein, überhaupt nicht. Früher war es so, dass du studieren musstest, sonst hätte dich der Öffentlich-Rechtliche nicht genommen. Aber irgendwann hat der Öffentlich-Rechtliche auch mal gemerkt: „Die vom Lokal- oder Regionalradio, das sind eigentlich die, die gutes Radio machen.“ Egal wo du bist, die waren alle mal beim Lokalradio. Ganz wenige haben direkt beim WDR Rundfunk oder Antenne Bayern angefangen. Es ist natürlich gut, wenn man ein Studium hat, aber Grundvoraussetzung ist es nicht. Das hat sich zum Positiven entwickelt, dass einfach alles ein bisschen lockerer genommen wird. Ich persönlich bin ein Fan davon, lieber bei einem kleineren Sender anzufangen. Da ist es nicht wichtig, ob du studiert hast oder nicht.
Was gibt es für Pannen oder Versprecher, die du schon miterlebt hast?
Gott sei Dank legt sich das, je länger du Radio machst, aber natürlich versprechen wir uns auch. Aber das ist für mich das Schöne, dass der Hörer auch merkt: „Okay, da sitzt keine KI-Stimme am Mikrofon“. Es ist wie, wenn wir uns normal unterhalten, es passiert immer etwas Lustiges. Ich weiß noch, damals ist leider eine Frau verstorben, und ich habe Nachrichten gelesen, und bei mir wurde sie damals nicht am Hauptfriedhof, sondern am Hauptbahnhof beerdigt. Das ist sowas, was ich nie vergessen werde. So etwas passiert natürlich mal.
Was sollte man als Radiomoderator auf keinen Fall tun?
Radiomoderator ist letztendlich wie Autoverkäufer sein, du musst dein Produkt verkaufen. Natürlich kann man seine Meinung kundtun, wenn es um irgendwas geht, worüber die Allgemeinheit spricht. Aber für mich ist es immer wichtig, dass ich derjenige bin, der die Unterhaltung für den Hörer macht, nicht derjenige, der dem Hörer seine Meinung aufdrückt. Ich finde, der Moderator hat nicht das Recht dem Hörer zu sagen „Bitte wählt die und die Partei, weil das so oder so ist“. Das ist für mich immer ganz wichtig. Wir sind ein Unterhaltungsmedium.
Gibt es etwas, was man als Radiomoderator auf jeden Fall können sollte?
Reden, spontan und witzig sein. Die Radiowelt hat sich in den letzten Jahren verändert. Früher gab es diese ganze Strenge: „Du darfst maximal 1 Minute reden.“ „Du darfst nur das und das sagen.“ Mittlerweile hast du die Freiheit, die Leute einfach zu unterhalten. Als Lady Di gestorben ist, hatte ich an dem Tag Sendung. Das war in Zeiten, in denen es noch kein Social Media gab. Ich bin hier im Sender angekommen und dann sagte mein Nachrichtenredakteur: „Lady Di ist beim Autounfall ums Leben gekommen.“ Das musst du auch als Moderator können, in so einem Fall seriös zu moderieren.
Wie hat sich das Radio in den letzten 30 Jahren entwickelt?
Ich spreche jetzt mal aus der Sicht von Radio Bamberg. Wir haben uns komplett verändert. Wir waren früher der Lokalsender aus Bamberg. Mittlerweile sind wir, auch was die Hörerzahlen angeht, ganz weit vorne. Vor allem bei uns im Sendegebiet, teilweise auch bayernweit. Wir sind viel professioneller als früher. Früher hat man halt viel ausprobiert. Angefangen bei der Musik. Jeder dachte: „Ich spiele heute mal meine eigenen Sachen.“ Aber du brauchst ja ein gewisses Format, was die Musik angeht, dass der Hörer früh einschaltet und weiß: „Aha, das ist mein Sender, weil der spielt genau meine Musik!“
Früher gab es auch keine digitale Technik. Das hat sich ganz stark verändert. Jetzt hast du die Möglichkeit, Sachen vorzuproduzieren, Hörer aufzuzeichnen und bist auch viel schneller. Damals musstest du ja zu jedem Termin rausfahren. Mittlerweile hast du Whatsapp und sagst: „Schick mir zu dem Thema den und den Ton.“ Das ist schon alles sehr vereinfacht.
Wie wird das Radio in Zukunft aussehen?
Ich hoffe mal so wie jetzt. Es hieß damals schon „Video killed the Radio Star“ als Musikvideos und Musiksender kamen. Aber beim Radio hat sich nicht viel verändert. Das Ziel ist ja immer noch, Leute zu unterhalten. Ich hoffe, dass das so bleiben wird. Und ich hoffe, dass wir irgendwann mal nicht alle durch KI-Stimmen ersetzt werden. Ich sage auch immer, eine KI kann keine Straßenumfrage führen. Eine KI kann nicht zum Oberbürgermeister fahren und den interviewen. Eine KI kann nicht irgendeine Aktion gestalten. Das geht nicht ohne uns Menschen.
Was können Lokalradios, was die großen Sender nicht können?
Alles. Das Gute ist im Lokalradio, dass wir eine bestimmte Reichweite haben. Unsere Stärke ist ganz klar die Lokalität. Die Großen können nie solche Aktionen fahren, die wir in unserem Sendegebiet haben. Die werden nie genau darüber berichten, wenn hier ein Unfall passiert ist oder was lokal so ansteht. Die können das gar nicht abdecken, weil das Sendegebiet viel zu groß ist. Nur wir sind von hier ist der Slogan und so ist es einfach.

Dieser Artikel ist in gekürzter Fassung in der neuestes Printausgabe „unerhört!“ erschienen. Darin findet ihr weitere spannende Artikel und vieles mehr. Hier reinlesen!
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