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Fast and wasteful

Fast and wasteful

Unter „Wegwerfmode“ oder auch Fast Fashion versteht man Mode, die sehr schnell und billig nach den neuesten Trends produziert und von uns in rauen Mengen gekauft wird. Die Kosten tragen in den meisten Fällen die Textilarbeiter*innen und am Ende die Umwelt. In wenigen Tagen imitieren große Modeketten die neuen Kollektionen bekannter Designer und verkaufen diese für einen Bruchteil. Wie schafft es die Textilindustrie, so schnell zu reagieren? Wie kann Kleidung so billig hergestellt werden? Die Antwort: Sie nimmt keine Rücksicht – weder auf Menschen, noch auf die Umwelt.

Foto: Priscilla Du Preez

Welche Probleme bringt Fast Fashion mit sich?

Wegwerfmode hat viele negative Effekte. Über zehn davon kannst du dir jetzt einen Überblick machen.

1. Durch schlechtere Qualität hält sie nur kurz und du wirst schnell wieder dazu gebracht, neue Kleidung zu kaufen.

2. Sie provoziert Verschwendung: Menschen können sich mehr leisten, ohne ausreichend darüber zu reflektieren. In Europa werden pro Jahr 5,8 Millionen Tonnen Kleidung weggeworfen. Zudem nutzen wir die Kleidung, die wir besitzen, zu wenig: in Deutschland liegen 1 Milliarde ungenutzter Teile in den Schränken.

3. Die Hersteller*innen werden zu niedrig bezahlt. Durch die geringen Verkaufspreise bleibt der Herstellung nur ein sehr geringer Bruchteil.

4. Ein großer Anteil der Mode ist aus Plastik oder Plastik‐Baumwoll‐Gemischen hergestellt. Das bedeutet, wenn sie weggeworfen wird, zersetzt sie sich langsamer. Außerdem ist sie damit für Recycle‐Verfahren nahezu unbrauchbar, denn dafür muss die genaue Zusammenstellung der Stoffe bekannt sein.

5. Durch die größere Menge an Kleidung wird der Wasserverbrauch ebenso höher. Für einen Kilo Baumwolle werden 11.000 Liter Wasser gebraucht, für eine Jeans 8.000 Liter. Diese hohen Zahlen lassen sich für eigentlich überflüssige Luxusgüter nur schwer rechtfertigen.

6. Intellektuelles Eigentum von Designern wird gestohlen: Modeketten imitieren Designs, verbreiten diese und kommen meist ohne große Strafen davon.

7. Viele Arbeitsplätze wandern aus der EU ab, weil die Produktion der meisten Marken in Textilfabriken in Asien stattfindet.

8. Der Baumwollanbau wird nicht überprüft, so dass die Pflücker*innen unter schlechten Bedingungen arbeiten müssen.

9. Bei der Textilherstellung werden Chemikalien eingesetzt, die der Umwelt schaden. Sie gelangen in das Grundwasser und verschmutzen Flüsse und Seen.

10. Durch fehlende Kontrolle der Textilfabriken herrschen sehr schlechte Arbeitsbedingungen für Arbeiter*innen, sie müssen in unsicheren Gebäuden nähen und durch die Anforderung an Aktualität müssen 10–16 Stunden am Tag gearbeitet werden.

Welche Modeketten verkaufen Fast Fashion?

Neben H&M und Primark verkauft auch die Inditex‐Gruppe Wegwerfmode. Zu dieser zählen Ketten wie Zara, Bershka, Stradivarius oder auch Massimo Dutti. Die Liste endet noch lange nicht. Forever 21, Esprit, Guess, Mango, New Yorker, s.Oliver und Urban Outfitters gehören ebenfalls zu den Textil‐Sündern. Das Konzept Fast Fashion wird also von Marken verschiedener Preisklassen umgesetzt. Auch vom Herstellungsland kann nicht pauschal auf die Produktionsart geschlossen werden.

Welche Indikatoren helfen stattdessen beim nächsten Einkauf zwischen moralisch vertretbar und verwerflich zu unterscheiden?

Durch Siegel kann man sich beim Kauf neuer Kleidung orientieren. Beispiele für solche sind Fair Wear Foundation, GOTS (Global Organic Textile Standard), Fairtrade Textile Production, Fairtrade Cotton. Einzelne Siegel garantieren dabei keinen 100% „richtigen“ Kauf, versichern aber beispielsweise die Herstellung aus Bio‐Baumwolle.

Wie kann ich mein Einkaufs‐ und Konsumverhalten verbessern?

1. An Kleidertausch‐Events teilnehmen oder selbst eines organisieren.

Deine „alte“ Kleidung könnte jemand anderem noch gefallen und vielleicht findest du dabei selbst auch ein schönes Teil. Im Freundeskreis kannst du auch super eine kleine Kleidertauschparty auf die Beine stellen. Gut erhaltene Teile können so ganz easy eine*n neue*n Besitzer*in finden und dass Tauschen Spaß macht, wissen wir schon seit Pokémon und Diddl.
Tipp: Am 10.1. veranstaltet Weltbewusst eine Kleidertausch‐Party. Von 16 bis 19 Uhr kannst du am Margaretendamm 12a im JUZ vorbeischauen und mitmachen.

2. Second‐Hand kaufen.

Wer Kleidung kauft, die bereits produziert wurde, gibt unbenutzten Teilen eine Chance und vermeidet den Kauf von Wegwerfmode. Dabei ist der Einkauf vor Ort natürlich besser als das Bestellen online, denn so fällt durch deinen Kauf kein langer (CO2‐reicher) Transportweg an. In Franken findest du neben kleineren Shops in einigen Städten Filialen der Ketten VINTYs, ReSales und Oxfam. Falls du keine Second‐Hand‐Läden in deiner Nähe hast, kannst du dich zusätzlich über Pop‐Up‐Events informieren und bei zukünftigen Städte‐Trips einen Besuch in dortigen Second‐Hand‐Shops miteinplanen. Online geht das Kaufen gebrauchter Kleidung ganz einfach über Plattformen wie z.B. Kleiderkreisel oder Mädchenflohmarkt.
Klar kann es sein, dass unter Gebrauchtem auch Ramsch dabei ist. Teile können fleckig oder der Schnitt zu verrückt sein, aber du hast die Möglichkeit einzigartige Kleidung zu finden. Außerdem kannst du im Vergleich zu First‐Hand oft Geld sparen.
Tipp: Am 15.1. kannst du in der BROSE ARENA von 14 Uhr bis 21 Uhr für 3€ Eintritt bei VinoKilo auf Second‐Hand‐Schatzsuche gehen. Dort zahlst du ca. 35–40€ pro Kilo.

3. Slow Fashion unterstützen: Support your local Fair Fashion‐dealer!

Slow oder Fair Fashion stellt das Gegenteil von Wegwerfmode dar. Einige Läden, die Slow Fashion in Bamberg anbieten, findest du auf unserer nachhaltigen Karte.
Faire Mode hat seinen Preis, klar, aber mit 5€ für ein Shirt kann man nicht moralisch vertretbar einkaufen. Nur weil wir es bisher gewohnt sind, wenig Geld für Kleidung auszugeben, ist das noch lange keine Legitimation dafür. Vielleicht sparst du lieber auf dein nächstes Teil und kaufst es dir mit gutem Gewissen in einem Laden für Slow/Fair Fashion.
Tipp: Über Blogs, wie z.B. Fashion Changers kannst du super easy Fair‐Fashion Marken entdecken und dich von Outfits inspirieren lassen.

4. Upcycling!

Du kannst deine Kleidung einerseits kreativ reparieren oder aus alten Teilen neue zaubern. Dafür kannst du dich z.B. super auf Pinterest inspirieren lassen. Zugegeben, nicht jedes DIY ist umsetzbar, aber zwischen den Unterhosen‐zu‐Sport‐BH‐DIYs findet sich auch Sinn‐ und Stilvolles. Dabei findest du Ideen für verschiedene Schwierigkeitsgrade: z.B. mit kleinen Stickereien oder Malereien eine Jeans aufpeppen oder ein Oversize‐Shirt kürzer zum Crop‐Top schneiden.
Tipp: Wenn du noch keine Erfahrung im Besticken hast, eignen sich Oneline‐Zeichnungen gut. So musst du nur vorskizzieren und danach der Linie folgen.

5. Bewusster konsumieren.

Wer auf Kleidung Acht gibt, muss seltener neue kaufen. Kleidung, die einen kleinen Fleck hat musst du nicht in die Wäsche stecken, sondern kannst den Fleck auch lokal entfernen. Wir tendieren dazu, Kleidung schon nach einmaligem Tragen in die Waschmaschine zu stecken, dabei würde Auslüften oft reichen. Durch häufiges Waschen wird deine Kleidung schneller verformt und ausgebleicht.
Auch beim Kauf neuer Kleidung kannst du achtsam sein: Wenn du dir dabei Gedanken um z.B. Kombinationsmöglichkeiten aus dem eigenen Kleiderschrank machst, vermeidest du Fehlkäufe.
Tipp: Bei der 10 x 10 Challenge wählt man 10 Teile Kleidung und Accessoires für 10 Tage aus und versucht neben Unterwäsche nur diese Teile miteinander zu kombinieren. So kannst du dich dazu bringen, dir zu Teilen aus deinem Kleiderschrank mehr Kombinationsmöglichkeiten zu überlegen.

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