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Jüdische Studien in Bamberg – Ein Studiengang als Herzensprojekt

Jüdische Studien in Bamberg – Ein Studiengang als Herzensprojekt

„Jüdische Studien ist nun wirklich kein Allerweltsfach“, sagt Max Braun, der genau dies an der Uni Bamberg studiert. Ebenso wie Rebekka Denz, wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Professur für Judaistik, ist er jedoch überzeugt: Die Jüdischen Studien sind einer der interdisziplinärsten und vielfältigsten Studiengänge an der Uni.

Foto: Eran Menashri via Unsplash

Ein Kennzeichen des Lehr- und Forschungsprofils der Universität Bamberg sind die sogenannten „Kleinen Fächer“: Insgesamt 29 dieser oft als Orchideenfächer bezeichneten Disziplinen prägen das Profil der Uni. Eine davon sind die Jüdischen Studien. „Durch das Engagement einiger Professorinnen und Professoren, die jetzt auch das Stammpersonal sind, wurden die Jüdischen Studien in Bamberg umgesetzt“, sagt Rebekka Denz, Fachstudienberaterin für den Bachelorstudiengang Jüdische Studien und wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Professur für Judaistik. Seit dem Wintersemester 2016/ 2017 kann der Studiengang im Hauptfach belegt werden und wird dabei häufig mit Fächern wie Geschichte, Theologische Studien oder Politikwissenschaft kombiniert. Genau wie bei Max Braun, der seit fünf Semestern den BA Jüdische Studien und Politikwissenschaft in Bamberg studiert. Er sagt: „Mir gefällt es sehr gut in diesem Studiengang. Die Interdisziplinarität und grundlegende Vielfalt der Thematik Judentum sorgt dafür, dass jede:r auf seine:ihre Kosten kommt.“

Ein Studiengang mit der Option zur Individualisierung

Dem stimmt auch Denz zu. Die Jüdischen Studien in Bamberg seien ein recht universelles Fach. Dies stehe und falle jedoch mit dem Lehrpersonal: „Es ist die Allianz der Professorinnen und Professoren, die jüdische Kultur in der Breite darstellen zu wollen, die den Studiengang ausmacht.“ An der Universität Bamberg zeigt sich die Bandbreite auch vor allem in den angebotenen Lehrveranstaltungen. Diese werden nicht ausschließlich von der Professur für Judaistik veranstaltet, sondern ebenso von theologischen Studiengängen, der Germanistik, der Anglistik und der Geschichte. Auch in den Studierenden der Jüdischen Studien zeigen sich die zahlreichen Interessen, die sich im Fach vereinen. Braun sagt von sich, sein Zugang zur Thematik sei von Beginn an historisch und (gesellschafts-)politisch geprägt gewesen – zu keinem Zeitpunkt jedoch religiös. „Es gibt nicht die klassischen Judaistik-Studierenden“, sagt er, „wir sind ein heterogener Haufen. Weder laufen wir die ganze Zeit mit der Bibel unter dem Arm herum, noch haben wir alle eine Menora im Zimmer stehen oder ein Kreuz an der Wand hängen.“

Wir haben nicht alle eine Menora im Zimmer stehen

Als kleines Fach bieten die Jüdischen Studien eine recht persönliche Atmosphäre und Betreuung im Studium. In den Veranstaltungen träfe man jedoch auch häufig Studierende aus anderen Studiengängen, die beispielsweise im Studium Generale die Jüdischen Studien entdeckten, erzählt Denz. Wer sich für ein Studium der Jüdischen Studien in Bamberg entscheidet, sollte dabei ein Grundinteresse für die Thematik mitbringen. „Es sollte ein Interesse vorhanden sein für die Herausbildung religiöser Konzepte und dafür, wie sich eine Religion und ein Volk über Jahrhunderte in mal mehr, mal weniger hostilen Umgebungen bewähren und verändern. Ansonsten ist jedoch für alle etwas dabei.“, sagt Braun. Rebekka Denz ergänzt: „Selbständiges Denken lernen oder es schon können besitzt eine gewisse Bedeutung.“ Dadurch gelinge es besser, die Komplexität des Faches und den Aufbau des Studiums zu bewältigen: „Letztendlich sprechen wir über einen Zeitraum von Tausenden von Jahren in allen Ländern dieser Erde und können uns mit allen Disziplinen dem Thema nähern, da ist es hilfreich, eine eigene Struktur zu haben.“

Praxisbezug und ständiges Dazulernen

Bamberg als Standort für den Studiengang Jüdische Studien bietet die Möglichkeit, das Fach auch praxisbezogen aufzubauen. „Franken war bis um 1900 das Epizentrum jüdischen Lebens im deutschsprachigen Raum“, erklärt Denz, „wir versuchen den historischen Raum sehr ernst zu nehmen, auch im wissenschaftlichen Ansatz und der Wissensvermittlung.“ So bieten beispielsweise die 100 jüdischen Friedhöfe Frankens ein sehr wichtiges Forschungsfeld. Student Max Braun berichtet, er habe in den letzten fünf Semestern jede Woche etwas dazugelernt: „Ich genieße meinen asymmetrischen Wissenszugewinn durch ein hier und da Aufschnappen ständig.“ Welche berufliche Richtung er einschlagen will, weiß er bisher noch nicht, doch „nicht, weil mir kein möglicher Berufsweg gefällt, sondern ich im Gegenteil immens viele Begeisterungen entwickelt habe, die ich verfolgen möchte.“ Die Jüdischen Studien an der Universität Bamberg zeigen, dass sie nicht nur ein „Herzensprojekt“ der Lehrenden, sondern auch derjenigen, die das Fach studieren, sind.

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