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Weniger Plastik ist Meer

Weniger Plastik ist Meer

Eingeschweißt, eingepackt und eingetütet. Plastik ist überall. Doch was genau machen wir hier eigentlich?

Titelbild: Maike Schulte

Frisch geduscht und gut gelaunt schlage ich vormittags die Tageszeitung auf. Während ich gerade genüsslich meinen Tee trinken möchte, bleibt mir die gute Laune im Hals stecken. Internationale Nachrichten – Indonesien. Klingt weit weg, doch ich lese weiter. Es wurde wieder einmal ein toter Wal an die Küste geschwemmt. Sechs Kilogramm Plastik im Bauch – welch Überraschung. Vier Flip‐Flops, vier Plastikflaschen, 150 Plastiktüten, 115 Plastikbecher, Nylonsäcke und 3,5 Kilo Plastikteile. Ich bin mit Nachrichten dieser Art groß geworden — wie wir alle wahrscheinlich. Seepferdchen, die an Wattestäbchen hängen, Schildkröten mit Strohhalmen in der Nase, endlose Plastikteppiche in der Mitte unserer Ozeane. Längst nichts Neues mehr. Als ich wenig später den Blick durch den Supermarkt an der Ecke schweifen lasse, wird mir klar: Dieses Plastik‐Problem ist alles andere als weit weg. Während alle von Umweltschutz und “green lifestyle” reden, stelle ich mir die Frage: Was machen wir hier eigentlich? Schön, dass wir an unserem Bewusstsein für Plastik arbeiten, aber arbeiten wir auch an unseren Verhaltensweisen?

Deutschland ist Spitzenreiter

Über 200 Kilogramm Plastikmüll produzierte jeder Deutsche im Jahr laut dem Bundesumweltamt im Jahr 2017. 200 Kilogramm. Jeder Deutsche. Jedes Jahr. Diese Zahl macht uns zum Spitzenreiter innerhalb der europäischen Union in Sachen Plastikmüll. Unseren Fußball‐Weltmeistertitel mussten wir in diesem Jahr abgeben, dafür sind wir Europameister in der Produktion von Plastikmüll. Herzlichen Glückwunsch. Das sollte uns zu denken geben. Sehe ich mich um, nimmt die Verwunderung über diesen Umstand ab: Plastiktüten, Coffee‐to‐go Becher, Shampoo‐Flaschen, Lebensmittelverpackungen und vieles mehr. Plastik ist überall! Und weil es schnell gehen muss und günstig sein soll, wird fleißig und gewissenlos konsumiert. Das Problem ist gigantisch und obwohl wir immer mehr über Umweltschutz und Nachhaltigkeit reden, geht der Trend immer noch zum Einwegprodukt. Kleine Portionen, große Verpackung. Egal ob Salat, Wurst, Mineralwasser oder Obst. Alles kommt in Plastikverpackungen in die (Plastik-)Einkaufstasche. Unsere eigene Bequemlichkeit wird zur Misshandlung der Umwelt:

Wozu die Ananas selbst schneiden, wenn ich sie fertig zubereitet in der Plastikverpackung kaufen kann? Plastikfrei leben? Viel zu kompliziert, viel zu umständlich.

Doch es ist nicht so, dass dieses Thema totgeschwiegen wird. Im Gegenteil. Wir werden nahezu tagtäglich mit der Problematik des Plastikmülls konfrontiert. Immer häufiger wird über unsere Umwelt, über unsere Weltmeere gesprochen. Und ich wage zu behaupten, dass nahezu jeder in der Gesellschaft zumindest erahnen kann, wo diese Reise hingeht, wenn wir nicht etwas verändern. Doch reden und thematisieren allein bringt nichts. Bewusstseinstechnisch sind wir auf einem guten Weg, doch unser Verhalten sagt etwas anderes.

Es fängt im Kleinen an

Dabei fängt es mit den Kleinigkeiten an. Die europäische Union macht zumindest einen Entwurf, um Einwegplastik zu verbieten. Es gibt immer mehr Möglichkeiten für den Verbraucher, auf Plastik zu verzichten. Bereits bei meinem ersten Besuch in Bamberg habe ich einen Unverpackt‐Laden entdeckt. Einkaufen können wir mit Stofftaschen und Tupperdosen. Wiederverwendbare Wasserflaschen sind doch viel schöner als diese Plastik‐Dinger. Erst vor Kurzem entdeckte ich den “Bambecher”, die Bamberger Lösung um auf den Coffee‐to‐go nicht verzichten zu müssen und trotzdem die Umwelt nicht zu belasten. Es gibt diese Möglichkeiten bereits und ich nannte gerade lediglich die naheliegendsten Optionen.

Wir müssen handeln, nicht nur reden

Als ich am selben Tag in meinem “Don’t fuck with mother nature” T‐Shirt auf einer WG‐Party stehe und mir genüsslich eine Plastikgabel in den Mund schiebe, wird mir klar: Es ist gut, dass wir ein Plastikbewusstsein entwickelt haben und entwickeln. Doch das reicht nicht. Wir müssen unser Verhalten ändern und das nicht morgen oder übermorgen, sondern heute, in diesem Moment. Wir sollten aufhören zu reden und anfangen zu machen. So lange, wie wir weiterhin Plastik unterstützen und fleißig weiter einkaufen, geben wir Unternehmen und der Politik die Möglichkeit, so weiterzumachen wie bisher. Das rettet weder unsere Umwelt, noch unsere Meere. Umdenken und insbesondere “Umhandeln”, das brauchen wir rund um das Thema Plastikmüll. Jetzt liegt eine normale Gabel in meiner Handtasche. Für die nächste Party. Denn wenn jeder bei sich selbst anfängt und sein Bewusstsein in Taten umsetzt, dann schaffen wir es vielleicht noch, unsere Erde zu retten. Und wenn es jemand verdient hat gerettet zu werden, dann unsere Erde — mit all ihrer Natur und mit all den Lebewesen, die es nicht verdient haben, qualvoll an Plastik zu sterben.

Foto: Unsplash von Ishan @seefromthesky
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