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Weltfrauentag 2018 — Heute für Fortschritt

Weltfrauentag 2018 — Heute für Fortschritt

Der 8.März 2018: Frauentag auf der ganzen Welt, 100 Jahre Frauenwahlrecht in Deutschland. Und noch immer keine vollständige Gleichstellung der Geschlechter in Sicht. Ein Plädoyer für Fortschritt im Kampf um Frauenrechte, die Menschenrechte sind – und gegen einen Frauentag als Konsumfeier.

Der diesjährige Weltfrauentag findet in Deutschland unter dem Motto „100 Jahre Frauenwahlrecht“ statt. Seit 1918 dürfen Frauen wählen. Man soll sich heute also ganz besonders darüber freuen, dass Frauen vor einem Jahrhundert ein Teil der öffentlichen Gesellschaft geworden sind und eine politische Stimme bekommen haben, juhu! Doch anstatt Frauen heute königlich zu feiern, sollte vielmehr darauf aufmerksam gemacht werden, dass Frauenrechte Menschenrechte sind – und dass auch hundert Jahre später noch keine vollständige Gleichstellung herrscht. Ich denke, wir sollten uns an einem solchen Tag fragen, was für Ungerechtigkeiten noch bestehen und was wir dagegen tun können. Wie kann jeder Einzelne von uns zur Gleichstellung in der Gesellschaft beitragen? Auf der Website des International Women‘s Day stehen unter dem Hashtag #PressforProgress (=Drücken für Fortschritt) unter anderem folgende Vorsätze zur Auswahl:„Die eigene Mentalität zur Gleichstellungsdebatte hinterfragen.“ Denn: Feminismus ist Gleichstellung. Nicht die Idee, Frauen auf ein Podest zu stellen oder Männer zu degradieren. Ein für alle Mal.

„Stereotypen infrage stellen.“ Sowieso. Das sollte sich so manche Drogeriekette mal zu Herzen nehmen. Dass Rossmann diese Woche als Rossfrau auftritt und dabei das Frauenbild in all seiner Klischeehaftigkeit zelebriert, macht es nicht besser, sondern lächerlich. (Besonders durch den sehr feministischen Werbespruch: “Haushalt schmeißen, putzen und sich selbst auch noch rausputzen. Das braucht viel Kraft und Ausdauer. Legt euch euer Cape um und lasst die Heldin raus!”)

„Immer integrative Sprache verwenden.“ Mit übertriebener Political Correctness anstatt echten Handlungen ist das eigentliche Problem leider nicht gelöst, liebe Lesende.

„Erfolge von Frauen feiern.“ Klingt schön, allerdings sollte der Weltfrauentag ein Kampftag sein und kein Feiertag. Von vielen Unternehmen wird er als Werbeveranstaltung genutzt und verkommt dadurch fast zu einem künstlichen Feiertag wie der Valentinstag oder der Muttertag. Die ursprüngliche Bedeutung geht dadurch verloren.

„Die Stimme erheben, wenn’s sexistisch wird.“ Guter Punkt. Wahrscheinlich der, mit dem der Einzelne am ehesten etwas vorantreiben kann. Denn wofür haben wir eine Stimme? Sicher nicht dafür, still zu lächeln, wenn das nächste Mal bei meinem Nebenjob in einer Bar ein Gast zu mir sagt „Für eine Frau kannst du ja ganz gut Bier zapfen“.

Am Internationalen Frauentag heißt es Einsatz zeigen für die Rechte aller Frauen, und für das Selbstverständnis, dass Frauen gleich viel wert sind wie Männer. Also: Bitte einmal den virtuellen Knopf drücken für gesellschaftlichen Fortschritt. Eine Art Versprechen? Zumindest ein Vorsatz. Machen wir einen Aufstand; stehen wir für unsere Rechte ein. Und zwar nicht nur am Weltfrauentag, sondern jeden verdammten Tag.

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