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Tattoo-Comeback: Arschgeweih statt Pusteblume

Tattoo-Comeback: Arschgeweih statt Pusteblume

Keeping up with Kim Kolumna – episode 2

Wie auch die letzten beiden Wochen sitze ich Montagmittag im Kiosk Kunni. Ich nehme, wie immer, eine Falafelschale und ein kühles Getränk. Und der Mann, der meinen Nachnamen auf seinem Unterarm tätowiert hat, sitzt auch wieder in der Nähe. Wait a minute!

Foto: Snapwire

Seit Wochen wirft ein Tattoo Rätsel bei mir auf. Diese Woche war ich mit einer Freundin im Kiosk. Sie hat sich getraut, den Fremden mit dem „Becker“-Tattoo anzusprechen. „Das hat mit Boris Becker zu tun“, erklärte er uns. Er sei früher der einzige Tennisspieler in seiner Klasse gewesen und mochte außerdem seinen eigentlichen Namen nicht besonders. Seine Mitschüler*innen gaben ihm dann den Spitznamen Becker – damals war Boris Becker noch OG. Das Tattoo habe er seit seiner Jugend, aber inzwischen habe er sich mit seinem richtigen Vornamen anfreunden können, erzählte er.

In den letzten Wochen, in denen ich den Mann immer wieder am Kiosk gesehen hatte, habe ich mir viele Erklärungen für das Tattoo überlegt. Keine war so iconic wie die echte. Gut, eine schon: Ich hatte insgeheim darauf gehofft, dass er ein verschollener Verwandter ist und uns das Schicksal nach langer Suche wieder zusammenführt – das wäre krass gewesen, aber ich suche ja auch keine*n Verwandte*n.  

Wirklich selbstsicher wirkte der Mann mit dem „Becker“-Tattoo auf dem Unterarm nicht. Er berichtete, dass er zwar gelegentlich noch Tennis spiele, aber sich nicht mehr mit Boris Becker identifiziere.

Tattoos, die wieder cool werden könnten

Im Laufe der Jahre sind Tattoos mit Namen von nahestehenden Menschen (oder Spitznamen von sich selbst) immer weniger angesagt geworden. Es ist einfach nicht mehr cool, die Zuneigung zu anderen über Tinte unter der Haut auszudrücken. Aber welche Arten von Tattoos könnten ihr Comeback haben?

Auf die 2010er Vögel, Pusteblumen und Unendlich-Zeichen kann ich beispielsweise gut verzichten. Internet-Star Lele Pons nicht: Sie hat sich vor Kurzem drei kleine Vögel tätowieren lassen. Verstehe ich nicht. Andere bekannte Motive könnte man viel besser wieder zurückholen. Das good old Stacheldraht-Tattoo beispielsweise, kann – variiert mit Öffnung – als Zeichen gegen Grenzen und für Solidarität mit Geflüchteten stehen. Auch der Totenkopf muss wieder her: Gleichzeitig auf die lebensgefährdende Bedrohung der Klimakrise hinweisen und zeigen, dass man lässig ist, war noch nie so einfach. Außerdem kannst du mit classic Engelsflügeln auf dem Rücken das Statement droppen, dass du fly bist. Ok, sorry für den Cringe. Und wieso nicht mal wieder ein Arschgeweih als Statement-Piece wählen? Das strahlt aus: Ich bin gegen die Norm, besonders cool und ich möchte die Grenzen zwischen sozio-ökonomischen Schichten sprengen.

Aber das soll nur Inspiration sein. Natürlich kann man sich fast alles stechen lassen! Manche Motive sind aber eben ein bisschen cooler als andere. Mit dem Schriftzug Becker auf dem Unterarm beispielsweise bist du direkt eine Ikone. Das mit dem minimalistischen, geometrischen Hirsch-Kopf könntest du dir aber nochmal überlegen, auch wenn der echt gut deine toughe Art zeigen würde.

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New tattoo 🕊🕊🕊

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