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Should I stay? Ein Kommentar zum Ankommen in Bamberg

Should I stay? Ein Kommentar zum Ankommen in Bamberg

Bamberg ist für mich mehr als nur eine Stadt zum Studieren. Mit Bamberg verbinde ich Heimat.
Foto: Chiara Riedel

Als ich vor zwei Jahren mein Studium in Bamberg begann, hatte ich viele Unsicherheiten im Gepäck. Das erste Mal alleine wohnen, zusammen mit fremden Menschen in einer fremden Stadt, mitten im Neuland. Und das, obwohl ich im Vorfeld viel Gutes über die Stadt gehört hatte. Langjährige Freunde, die sich bereits vor mir nach dem Abitur für Bamberg entschieden hatten, waren sich einig: Bamberg ist eine top Adresse. Bierstadt, Weltkulturerbe, romantisches Ambiente: Die hard facts haben mich von Anfang an gepackt. Keine Überraschung, kannte ich doch bis dato nur meine eingeschlafene, müde Industriestadt Schweinfurt. Stattdessen befand ich mich von diesem Moment an in einer belebten Genussregion, die mir schnell gezeigt hat, dass die vielen Touristen nicht aus Versehen hier aufschlagen.

Alles ging irgendwie schneller, als ich es erwartet hatte. Einführungstage, Kneipentouren, verkatert in der letzten Reihe sitzen. Zeit zum Nachdenken hatte ich da kaum. Aber wie auch denken, wenn der Schädel brummt, als wäre man am Vorabend vierzehn Mal in die Faust von Bud Spencer gerannt. Ja, während meiner Anfangszeit war schon immer was los. Doch das war gut so. Nie hätte ich es für möglich gehalten, mich so schnell in einem fremden Umfeld zurechtzufinden.

Bamberg hat mich hervorragend integriert – bitte nicht abschieben.”

Geholfen hat mir vor allem der Sport. Meine Begeisterung für den Fußball führte mich schnell in ein Uni‐Cup Team. Erste Bekanntschaften wurden geknüpft. Teil einer Gruppe zu sein, ganz egal in welcher Form, ist das beste Mittel gegen das Alleinsein! Ein Freund, mit dem ich schon früher die Krabbelgruppe aufgemischt hatte, lockte mich nach meinem ersten Semester von der Feki in seine WG in die Innenstadt. Seither wurde alles noch leichter. Ich habe hier nicht nur Freunde gefunden, sondern auch einen Fußballverein, einen coolen Nebenjob und Anfang des Jahres nach drei Semestern des ziellosen Umherirrens schließlich mein ganz persönliches Mekka — den Ottfried! Ich muss sagen, Bamberg hat mich hervorragend integriert – bitte nicht abschieben.

Doch was kommt jetzt? Mein Bachelorstudium läuft, in Eile bin ich dabei aber nicht. Dafür war in meiner Zeit hier in Bamberg bisher einfach immer zu viel los und andere Dinge meistens wichtiger als das Seminar in der Feldkirchenstraße. Oft nervt mich diese Disziplinlosigkeit. Dann allerdings rede ich mir ein, sie sei ein gutes Zeichen. Ein Zeichen dafür, wie wohl ich mich fühle und wie gerne ich meine Zeit hier hinauszögere. Ob dem Bachelor in Bamberg der Master folgt? Mal sehen. Ob Bamberg meine Heimat bleiben wird? Gut möglich.

Natürlich hat auch diese Stadt ihre Schattenseiten. Manchmal nervt es, dass Bamberg so klein ist und sich Geschichten schneller verbreiten als ein Lauffeuer. Aber so ist es nun mal in einer Kleinstadt, in der jeder jeden schonmal gesehen hat. All das kann stören, doch die meiste Zeit über freue ich mich, durch die Stadt laufen zu können und auf Freunde oder Bekannte zu treffen. Nachts ist hier immer was los und wenn ich darauf mal keine Lust habe, dann kenne ich auch meine Rückzugsorte. Alles in allem hat diese Stadt Antworten auf fast alle meine Fragen. Und vor allem Bier. Ganz besonders Bier.

Dieser Artikel erschien in unserer Print‐Ausgabe 111 vom 08. Oktober 2018.

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