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Sänk ju for träwelling wis Deutsche.. What?

Sänk ju for träwelling wis Deutsche.. What?

Unsere Autorin studiert in Bamberg und arbeitet in Erlangen. Pech gehabt, dachte sich die Deutsche Bahn — und entschied sich dazu, eine Woche lang Schienenersatzverkehr einzurichten. Ein Leidensbericht.

Foto: Ludwig Hagelstein

Ich. Bahnhof. 7:45. Kalt. Noch schnell bei Mc Donald’s aufs Klo? Zu riskant. Der Bus könnte jede Sekunde auftauchen! Wenn er auftaucht, muss ich da sein. Das finde ich unfair. Denn offensichtlich gibt ER sich keine Mühe, da zu sein, wenn ICH auftauche. Mit anderen Worten: Mein Bus hat Verspätung. Ich habe mir das nicht ausgesucht. Nein, also, klar, die Verspätung habe ich mir eh nicht ausgesucht. Den Bus habe ich mir aber auch nicht ausgesucht. Menschen wählen ihre Verkehrsmittel zumeist freiwillig: Wer fliegen will, fliegt. Wer Auto fahren will, fährt Auto. Ich fahre Bus, obwohl ich Bahn fahren will. Hä?

Nochmal von vorn: Ich wohne und studiere in Bamberg, irgendetwas Geistreiches und Brotloses. Ich habe den dringenden Rat aller Menschen in meinem Umfeld befolgt und die frühe Brücke von Studium zu Beruf geschlagen: Ich habe einen Werkstudentenjob. Doof nur, dass der in Erlangen ist. Prinzipiell ist das nicht doof – Erlangen ist schön! Und relativ nah. 20 Minuten mit der Bahn. Womit wir wieder beim Thema sind. Wisst ihr eigentlich, wie lang ein Bus von Bamberg nach Erlangen braucht? Eine Stunde, wenn kein Stau ist. EINE STUNDE. Macht der unterwegs ne Pause? Fährt der nen Umweg? Träumt der während der Fahrt?

Wie dem auch sei. Mein Bus hat also Verspätung. Plötzlich fällt mir auf, dass ich überhaupt nicht weiß, wo genau er abfährt. Logisch erschien mir der Ort, an dem ich gerade stehe: der Bahnhofsvorplatz. Da jedoch erfahrungsgemäß die Deutsche Bahn zu Scherzen und Überraschungen auf Kosten ihrer Kunden aufgelegt ist, will ich auf Nummer sicher gehen: Ab ins Kundencenter.

„Entschuldigen Sie, wo genau fährt der Schienenersatzverkehr ab?“
„Na, wos schätzen‘s denn?“
„Ähm, ja, da vielleicht?“ (Ich zeige rechts aus dem Fenster, auf den verregneten Bahnhofsvorplatz.)
Ein Nicken, ein Schmatzer mit dem Kaugummi.
„Ah, äh... danke. Und steht dann da auch drauf: Schienenersatzverkehr?“
Ein Nicken.

Wow, danke für nix.

Ich also wieder auf den Vorplatz. Dort steht nun ein Bus. Er ist pink‐gelb‐grau, es steht „Will‐Reisen“ darauf. Ich warte. Ich warte weiter. Ich entscheide mich dazu, den Busfahrer von „Will‐Reisen“ zu fragen, ob er irgendetwas über den Schienenersatzverkehr wisse. Auf meinem Weg zu ihm fällt mir etwas auf. An der riesigen Windschutzscheibe, links unten, in der Ecke, auf einem Pappschild, in schwarzer Schrift, steht ein Wort: „Ersatz“.

In meinem Kopf höre ich eine leise Stimme. Sie nuschelt hämisch auf Denglisch durch eine rauschende Freisprechanlage: “Sänk ju for träwelling wis Deutsche Bahn!”

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