Schließen
Polizei in der Kritik? Das Auge des Gesetzes pimpen

Polizei in der Kritik? Das Auge des Gesetzes pimpen

Keeping up with Kim Kolumna – episode 1

Der Ruf der deutschen Polizei wirkt ruiniert. Bei einigen gilt sie schon lange nicht mehr als Helfer. Viele scheinen das Vertrauen in die Institution verloren zu haben, es gibt strukturelle Probleme. Da drängt sich mir eine Frage auf: Was kann die Polizei jetzt tun, damit sie cooler wird?

Foto: Markus Spiske

Vorneweg ein kleiner Disclaimer: In meiner Zeit als regelmäßige Blablacar-Mitfahrerin habe ich durch viel Mühe 59 perfekte von insgesamt 60 Bewertungen sammeln können. Ein nicht verdientes „Rundum gut“ habe ich von einer Polizistin erhalten. Ich bin also möglicherweise nicht unvoreingenommen.

Also back zum Thema: Die Polizei erfährt gerade als Institution eine Abwendung von einigen Gesellschaftsteilen. Kann man nicht bei so vielen Erfolgen Kritik auch mal sein lassen? Wer Gutes tut, dem*r muss man volle Solidarität zusprechen. Wie in einer guten Partnerschaft: nicht fragen, was in der Vergangenheit schiefgelaufen ist und den*die andere*n einfach so nehmen, wie er*sie ist.

Aber die Polizei kann der Kritik der Gesellschaft natürlich entgegenwirken und so dafür sorgen, dass wir Polizist*innen wieder als cool wahrnehmen. Um ihren Ruf zu verbessern, könnte sie natürlich an ihrer Struktur arbeiten und hinterfragen, warum es beispielsweise laut Deutschlandfunk seit 2013 200 Fälle rechtsextremer Betätigung von Polizeikräften in Deutschland gab. Und auf der individuellen Ebene könnten Polizist*innen, die racial profiling, rechtsextreme Tendenzen, etc. bei Kolleg*innen bemerken, diese Kolleg*innen konfrontieren und Beobachtungen an passende Stellen weiterleiten.

Handeln statt (zer-)denken: safe immer gut.

Aber das wirkt natürlich nicht unmittelbar. Deshalb ist es natürlich verständlich, falls bei Polizist*innen trotzdem noch der Wunsch nach Ideen zur akuten Ruf-Verbesserung besteht. Ich denke, dafür gibt es eine Lösung: Fenster der Wägen, mit denen durch die Bamberger Innenstadt gefahren wird, runterfahren und gute Mucke laut drehen. Die Logik dabei ist so einfach wie genial: Wer angesagte Mucke pumpt, kann nur cool sein. Das wäre dann mal wirkliches Handeln anstatt nur beispielsweise eine Studie über semi-wichtige Situationen in Einsätzen durchzuführen. Handeln statt (zer-)denken: safe immer gut. Ob diese Strategie zur Optimierung eines Teils der Institution Polizei tiefgreifend und langanhaltend ist, spielt hier keine Rolle. Entscheidend sind Schritte, die die Bürger*innen direkt von der Polizei (also ihrer Selbstdarstellung, nicht ihrer funktionierenden Struktur) überzeugen können. Ich habe einige Vorschläge gesammelt, die in einer solchen Polizei-Playlist nicht fehlen dürfen.

Die Playlist

Besonders gut machen sich authentische Tracks. Wenn Polizist*innen auf Streife sind, ist „Cruisen“ von Massive Töne super geeignet, um die lässigen Vibes zu spreaden. Es sagt aus: Das gut harmonierende Polizei-Team ist super cool und ready jeglichem Stress entspannt entgegen zu wirken. Perfekt. Für die mentale Unterstützung im Einsatz kann der old-but-gold Tokio Hotel-Hit „Ready, Set, Go!“ ausgekramt werden. Selbstironie schadet auch nicht. Der strenge Blick der Polizist*innen kann mit „Every breath you take“ untermalt werden. Fühlt sich ein Team an Polizeikräften besonders selbstironisch, kann „Fuck tha police“ abgespielt werden. Falls außerdem sexistische Texte kein No-Go sind, wären „Nie ohne mein Team“ von Bonez MC, RAF Camora und Maxwell und „Ich rolle mit meim Besten“ von Haftbefehl und Marteria heiße Kandidaten auf einen begehrten Playlisten-Platz. Durch Klassiker wie „Policeman“ von Eva Simons und Konshens kann der Fokus wieder auf den eigentlichen Schwerpunkt der aktuellen Debatte gelenkt werden: Polizist*innen. Und, dass sie meistens fair und echt nett sind. Zuletzt dürfen Tracks nicht fehlen, die vermitteln „wir sind nah dran an der Jugend“. Dafür muss einfach so laut es geht „Airwaves“ von Pashanim laufen und schwuppdiwupp vergessen sämtliche Skatergangs ihre negativen Polizei-Erfahrungen.

Falls zudem der Wunsch nach einem Playlist-Namen besteht, würde ich „ACAC“, also „all cops are cool“ in den Ring werfen. Catchy und man kann damit klar zeigen: Was mit ACAB immer angedeutet wird, ist sowas von gar nicht wahr.

2 Kommentare

  1. Perfektes Beispiel von White Privilege wenn das schlimmste das du dir im Zusammenhang mit der Polizei vorstellen kannst ist, dass du ein Polizei Auto sehen müsstest ohne das geile Musik abgespielt wird. Naja gibt halt Menschen die wesentlichen schlimmeres zu befürchten haben aber haha ACAC :)))))

    1. Kim Becker Kim Becker says:

      Danke für deinen Kommentar! Das stimmt. Es ist White Privilege und dessen bin ich mir bewusst. Dass BIPoC durch racial profiling, etc. von der Polizei benachteiligt sind, ist mir ebenso klar und ich will mich mit der Kolumne auf keinen Fall darüber lustig machen oder den Kampf gegen strukturellen Rassismus diffamieren.
      Ich denke, dass man durch einen ironisch geschriebenen Text Menschen für ein solches Thema sensibilisieren kann (zumindest den ersten Schritt dafür tun kann), die sich sonst weniger mit dem Thema auseinander gesetzt hätten.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Schließen